Chefs und Karriere
Die Rache der Bewerber

Chefs, die während des Vorstellungsgespräch auf ihrem Handy tippen, telefonieren oder ein Eis essen – etliche Firmen leisten sich Haarsträubendes im Umgang mit Bewerbern. Dabei schaden sie sich selbst.
  • 2

DüsseldorfSie sind Geschäftsführer oder Personaler? Dann sollten Sie niemals in einem Vorstellungsgespräch mit einem Bewerber gemütlich ein Eis essen, dabei gelangweilt auf dem Smartphone tippen und nebenbei noch unpassende Kommentare abgeben. Das kann sich nämlich böse rächen – erst recht, wenn Sie sich bei dem Kandidaten nach dem Gespräch nie wieder melden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Berliner Software-Anbieters Softgarden unter 1.500 Bewerbern.

Was ein Bewerber im Bewerbungsverfahren erlebt, prägt demnach nicht nur seine Sicht auf den Arbeitgeber, sondern auch auf das Unternehmen insgesamt. Wer im Umgang mit Kandidaten pampig und desinteressiert ist, vergrault nicht nur den Bewerber, sondern schneidet sich damit auch ins eigene Fleisch. Denn es sind auch die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens betroffen, wenn der Umgang mit den Kandidaten mangelhaft ist. Die Bewerber differenzieren nämlich in ihrem Kopf nicht zwischen Unternehmens- und Arbeitgebermarke.

So stimmen 88 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass ihre Erlebnisse bei der Jobsuche ihre Sicht auf Arbeitgeber beeinflussen und für 74 Prozent gilt das auch für das Unternehmen insgesamt und seine Produkte. Schlechte Bewerbungsprozesse beeinflussen aber auch ganz konkret das Verhalten von Bewerbern in ihrer Rolle als Konsumenten: Immerhin 11 Prozent der Teilnehmer kaufen nach negativen Erfahrungen mit der Bewerbung erst einmal keine Produkte des Unternehmens mehr.
Doch damit nicht genug. Machen Bewerber negative Erfahrungen bei der Bewerbung, wird nicht nur die Arbeitgebermarke beschädigt und der Zugang zu möglichen Talenten erschwert (43 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass in diesem Fall „das Unternehmen als Arbeitgeber erst einmal für ein paar Jahre gestorben ist“). Ein Bewerber, der sich schlecht behandelt fühlt, wird darüber hinaus auch sehr schnell zu einem negativen Multiplikator. So raten 49 Prozent der Teilnehmer Bekannten und Freunden von einer Bewerbung ab. Wer will schon dafür verantwortlich sein, dass sich der beste Freund nicht wohl in seinem neuen Job fühlt.

Kommentare zu " Chefs und Karriere: Die Rache der Bewerber"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Manche Personaler lassen bei Ihrem Benehmen sehr zu wünschen übrig ! Stimmt leider ! Ferner fehlt es oft an der Qualifikation des Gespächspartners im Umgang mit Bewerbern. Eine gängige Unart ist der Umgang mit Bewerbungsunterlagen, die ja kaum noch retourniert werden und wenn überhaupt in einem sehr "aussagefähigen" Zustand. Dabei herrscht ja angeblich ein Fachkräfte- mangel, auch bei uns Ingenieuren. Die Zeiten werden sich auch wieder ändern, manche Branche kann Stellen nicht besetzen oder bieten schon "tolle" Vergünstigungen an. Bei vielen Unternehmen fehlt es einfach an interner Kultur und Anstand, auch ein trauriges Zeichen unserer Gesellschaft.

  • In der Tat schlichtweg unhöflich und selbstdisqualifizierend, wenn es Personaler an Aufmerksamkeit fehlen lassen.

    Da wäre es besser, sich anderswo zu bewerben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%