Job-Duos: Eins und eins ergibt deutlich mehr als zwei

Job-Duos
Eins und eins ergibt deutlich mehr als zwei

Zwei Mitarbeiter, die sich eine Stelle teilen, das kommt in Mode – nicht nur für Eltern sind halbe Stellen attraktiv. Die Einsatzmöglichkeiten der Job-Tandems sind vielfältig. Drei Duos und ihr Berufsalltag.
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DüsseldorfNoch während ihrer Elternzeit erhielt Aida Welker einen überraschenden Anruf aus der Personalabteilung. „Wären Sie bereit, sich eine Führungsposition zu teilen?“, wurde sie gefragt. Ja, sie war. Ein Schnupperabend mit der ihr bis dahin unbekannten Kollegin Claudia Schlipsing, die ebenfalls wegen ihrer Familie künftig nur noch Teilzeit arbeiten wollte, reichten der Diplom-Kauffrau für diese Entscheidung in Sachen Karriere.

Die beiden gleichaltrigen Mütter von je zwei Kindern fanden auch in Sachen Führungsstil genügend Übereinstimmungen, um sich ab Januar 2010 die damals neu geschaffene Stelle der Abteilungsdirektorin bei der Kfw-Tochter IPEX zu teilen.

Seitdem arbeiten beide Bankmanagerinnen jeweils 70 Prozent, wobei sich jede von ihnen ein langes Wochenende gönnt: Die eine hat freitags frei, die andere bleibt montags zu Hause. „Die zeitliche Überschneidung an den übrigen Tagen ist uns wichtig“, sagt Welker. Ihr Team im Bereich Vertragsmanagement für Maritime Industrie kümmert sich darum, mit Werften und Schifffahrtsgesellschaften in aller Welt Verträge auszuhandeln und für diese bei späteren Fragen parat zu stehen. Während Welker und Schlipsing die Kundschaft mit Hilfe der Flaggenliste länderweise aufgeteilt haben, führen sie ihre acht Mitarbeiter gemeinsam.

Für beide ist es ihre erste Management-Position und rasch merkten sie, wie nützlich eine Sparringspartnerin ist, um diese Aufgabe zu meistern. Gerade bei der Bewertung der Mitarbeiter war es für die beiden Neulinge auf dem Chefsessel hilfreich, Eindrücke auszutauschen und ihre Entscheidungen gegenseitig abzusichern.

Seit viereinhalb Jahren arbeiten die beiden Nachwuchsführungskräfte nun erfolgreich zusammen. Offenbar ist auch die anfängliche Skepsis ihrer Mitarbeiter gewichen, die es angeblich schätzen, aus zwei Perspektiven beurteilt zu werden.

Welker: „Bei grundsätzlichen Entscheidungen und Personalthemen ist unser Zeitaufwand zwar höher, da wir uns gegenseitig informieren und abstimmen wollen. Dafür sind diese Entscheidungen aber fundiert.“ Daher ist beiden Chefinnen klar: „Unser Tandem dient nicht vorrangig geregelten Arbeitszeiten, um zum Beispiel jeden Tag pünktlich die Kinder aus dem Kindergarten abholen zu können“, sagt Welker. „Aber“, ergänzt Schlipsing, „es trägt dennoch zu einer besseren Balance zwischen Berufs- und Privatleben bei.“

Die beiden Managerinnen, von Anfang an bei der Kfw-Bank, prägt ein starkes Teamverständnis: Sie halten sich gegenseitig den Rücken frei, keine der beiden will sich auf Kosten der anderen profilieren. Sind sie unterschiedlicher Meinung, passen sie immerhin so gut zueinander, „dass wir Kompromisse schließen und diese dann gemeinsam tragen“, sagt Schlipsing. Kann ihre Karriere also nur noch gemeinsam vorangehen? Welker: „Wir können uns das gut vorstellen. Aber genauso denkbar wäre es, dass später einmal wieder jede für sich eine Führungsposition in Vollzeit übernimmt.“

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