Motivationscoaching im Beruf: Jürgen Höller – das Auf und Ab eines Gurus

Motivationscoaching im Beruf
Jürgen Höller – das Auf und Ab eines Gurus

Die Nachfrage nach Motivationsseminaren boomt. Aber warum lassen sich Manager von Heilsbringern mit dubiosen Methoden trainieren? Eine Suche nach Antworten bei Jürgen Höller, Deutschlands umstrittenstem Motivationscoach.
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HamburgDie Lautsprecher kennen kein Erbarmen. Schon seit Minuten dröhnt es: „I've got the Power.“ Auf einer großformatigen Leinwand gibt es dazu Diashow. Jürgen Höller - ein Leben in Bildern: dicke Autos, Strand und Sonne, zusammen mit den Klitschko-Brüdern und Magier-Duo Siegfried und Roy. Auch du kannst alles erreichen - wenn du nur willst, so lautet die Botschaft. Das kommt an. Die Menge flippt aus, obwohl der große Motivator leibhaftig noch nicht in Erscheinung getreten ist.

Endlich springt Höller auf die Bühne. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, rotes Einstecktuch - die Dienstkleidung des Erfolgsvorturners. Das Gesicht braun gebrannt, das Lachen breit, die Arme ausgestreckt, die Daumen zeigen nach oben. „Jaaaaa“, schreit Höller in den tobenden Saal hinein. „Wollt ihr wieder Begeisterung spüren? Wollt ihr wieder an euch glauben? Dann ruft euch zu: Ich bin ein Gewinner!“

Es kann so leicht sein, wenn man nur daran glaubt. Das tun viele: 1.500 Menschen sind zu Höllers „Power-Days“ in das Hamburger Congress Center gekommen, darunter ganze Führungsmannschaften, eine Gruppe von Selbstständigen im Vertrieb der Deutschen Vermögensberatung, der Autohausbesitzer, der Steuerberater, der Einzelkämpfer. Zwei Tage lang werden sie sich von den Höller'schen Imperativen beschallen lassen - angelockt von Versprechen, die sich auf Höllers Webseite finden. Er werde zeigen, wie man „wesentlich mehr verdient, mit weniger Aufwand“. „Mehr Selbstbewusstsein, ein stärkeres Auftreten, eine entwickelte Persönlichkeit“ - so lautet das in Aussicht gestellte Gesamtpaket.

„Ich bin ein Gewinneeeer!“, Markus Schütz, 58, schreit es heraus. Er hat einen der besten Plätze gebucht, steht jetzt in der ersten Reihe und jubelt Höller zu. Schütz ist Geschäftsführer der Schweizer Firma Orcos Medical - ein mittelständischer Betrieb, der medizinische Geräte verkauft. Vor ihm liegt ein Workbook, fester Bestandteil der Seminarausstattung für alle Teilnehmer. Wenn Höller eine seiner Weisheiten verkündet, macht sich Schütz eine Notiz. Am Ende des ersten Vormittags hat er drei Sätze zusammen: „Auch du bist einmalig, einzigartig, großartig. Ich habe mehr Potenzial, als mir eingeredet wird. Sorge dich nicht, lebe!“

Markus Schütz ist ein Gewinner. Er kann verkaufen und weiß, wie man ein Unternehmen führt. Er hat Karriere gemacht und kennt ganz offenbar die Gesetzmäßigkeiten des Erfolgs. Wozu braucht so jemand Jürgen Höller?

Schütz bucht Höllers Seminare regelmäßig. Was es bringt? Nach dem letzten Besuch habe er eine Veränderung bei sich beobachtet, sagt Schütz. „Neue Impulse, die Dinge von außen betrachten“ - das will er gelernt haben.

Es geht immer besser, immer höher. Das gilt selbst für diejenigen, die sich schon ganz oben wähnen. Ein Selbstoptimierungswahn hat die Gesellschaft erfasst, den die Motivationsgurus bedienen. Und so das große Geld machen.

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Jürgen Höller – das Auf und Ab eines Gurus

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Jeder kann sich Motivationscoach nennen

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3.000 Euro Seminargebühr

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  • Vor ca. 15 Jahren war ich selbst auf mehreren J.Höller Veranstaltungen. Ein Freund hatte mich überredet. Zugegeben, er hat mich beeindruckt. Letztlich ist er mit verantwortlich, dass ich damals meinen Job aufgegeben habe und etwas Neues angefangen habe. Es war aber für mich der falsche Schritt. Ich kann bis heute nicht verstehen, warum so viele hochgradig gebildete Leute zu seinen Seminaren strömen, die Herrn Höller vom Intellekt allemal in die Tasche stecken würden und sich dann mit sogenannten Seminarunterlagen befassen, die das Wort nicht verdient haben. Wie im Artikel erwähnt, stehen auf vielen Seiten gerade mal drei Wörter oder es gibt triviale Zeichnungen. Vor einer Sache ziehe ich allerdings den Hut, und somit vor Jürgen Höller selbst. Nachdem er damals ins Gefängnis musste, hätte ich alles darauf verwettet, dass er es nicht schafft, nochmal wiederzukommen. Das er jetzt wieder da ist und die Millionen wieder auf dem Konto hat, die er damals verloren hat, verdient meinen Respekt. Es ist ja jedem selbst überlassen, ob er/sie zu seinen Veranstaltungen geht oder nicht. Der Erfolg gibt ihm Recht. Solange er die Menschen nicht betrügt, in dem er Scheingeschäfte abschließt oder für den Einstieg als stiller Gesellschafter in seine Gesellschaft (wie damals in 1998/99) wirbt, soll er sein Geld machen. Jedem das seine.

  • klar ist manchmal etwas Input ganz gut; aber bitte nicht mit solchen für mich Schwachsinn. Strand und Sonne hab ich auch so in Brasilien; ´n Benz oder Porsche interessiert mich nicht, und was ist an Klitschko oder den anderen aufgezählten Typen so wichtiges und besonderes dran? Total bekloppt; aber der Moderator verkauft sich gut; hat irgendwie Ähnlichkeit mit den Kaffeefahrtentertainment.

  • Motivation ist per se ein Irrtum.

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