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Attraktivitätsforschung: „Die ist so schön, die kann doch nur blöd sein“

Attraktive Menschen verdienen mehr Geld und sind statistisch glücklicher. Attraktivitätsforscher Johannes Krause erklärt, wieso Männer sich vom „Kindchenschema“ angezogen fühlen und Miss Germany schnell vergessen wird.

Die junge Kate Moss: An ihr lassen sich nahezu alle Kriterien für Attraktivität festmachen. Quelle: dpa - picture-alliance
Die junge Kate Moss: An ihr lassen sich nahezu alle Kriterien für Attraktivität festmachen. Quelle: dpa - picture-alliance

DüsseldorfHandelsblatt Online: Dieses Wochenende wird die vermeintlich schönste Frau im Land, die Miss Germany gewählt. Ist ihr Erfolg vorprogrammiert?
Nein, das denke ich nicht. Denn besonders schöne Menschen müssen mit dem Klischee kämpfen: Die ist so schön, die kann doch nur blöd sein. Hinzu kommt, dass diese Schönheitsköniginnen bei der Eröffnung von Einkaufszentren ja auch nicht gerade ihren Intellekt unter Beweis stellen können.

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Auch die besonders Schönen haben ihre Sorgen?
Auf jeden Fall. Attraktive Frauen, die in Männerberufen arbeiten, müssen mit Vorurteilen kämpfen. „Beauty is beastly“ heißt es im Englischen – zu viel Schönheit kann eine abschreckende Wirkung haben. Deswegen haben übermäßig attraktive Frauen seltener einen Freund, die empfundenen Hürden sind zu hoch.

Miss Germany Wahl 2013

  • Anfänge

    Die erste Miss Germany wird 1927 gewählt. Die erste Siegerin war die damals 21-jährige Hildegard Quandt aus Ostpreußen. Teilnehmen dürfen alle Frauen zwischen 16 und 28 Jahren, die unverheiratet und kinderlos sind. Außerdem dürfen keine Nackt- oder Erotikaufnahmen der Teilnehmerinnen im Umlauf sein. Tattoos sind dagegen kein Problem.

  • Entwicklung

    Bereits in den 20er-Jahren entschied ein Gericht, dass der Titel „Miss Germany“ nicht geschützt werden kann. Es gab daher in mehreren Jahren mindestens zwei Miss Germanys. In den 50er-Jahren sicherten sich die „Opal-Feinstrumpfwerke“, Veranstalter und Hauptsponsor der Ursprungsveranstaltung, die internationalen Lizenzen für die Miss Europe, Miss World und Miss Universe. Andere Siegerinnen konnten somit nicht für solche Veranstaltungen angemeldet werden. Dadurch wurden Konkurrenz-Wettbewerbe unattraktiv.

  • NS-Zeit

    Während der NS-Zeit waren Wahlen zur „Miss Germany“ verboten. Laut der NS-Ideologie verkörperte die Wahl die „jüdisch-bolschewistische Dekadenz“. Dem glamourösen Frauentyp, der die internationalen Wahlen dominierte, sehe man nicht an, welches Land oder Volk die Teilnehmerin vertrete. Er würde nur eine städtische Elite repräsentieren. Die NSDAP propagierte dagegen lokale Wahlen zu Ernte-, Heide- und Weinköniginnen, die besser zur Blut-und-Boden-Ideologie passten.

  • Übergang

    Nach der Pleite der „Opal-Feinstrumpfwerke“ war auch die große Zeit der „Miss Germany“-Wahl vorbei. Ohne den Geldgeber ging nicht mehr viel. 68er-Generation und Frauenbewegung protestierten gegen den Wettbewerb als „Fleischbeschau“. Auch das allgemeine Interesse der Öffentlichkeit nahm ab. Erst Ende der 70er-Jahre kauften finanzstarke Veranstalter die Lizenzen von Opal. 1979 wurde in Rudi Carrells Show „Am laufenden Band“ wieder eine Miss gewählt, erstmals live im Fernsehen. Von 1985 bis 1999 gab es dann durch Konkurrenzveranstaltungen mindestens zwei „Miss Germanys“.

  • Bekannte Siegerinnen

    Viele spätere Promis nutzten die „Miss Germany“-Wahl als Sprungbrett. So wurde die spätere Fernsehmoderatorin Petra Schürmann (1933-2010) 1956 zur „Miss Germany“ und im gleichen Jahr zur „Miss World“ gekürt. 1977 wurde Dagmar Wöhrl gewählt, heute ist sie Mitglied der CSU im Bundestag. 1993 holte die spätere Werbe-Ikone Verona Feldbusch (heute Pooth) den Titel.

  • Wahl 2013

    Für die Wahl zur „Miss Germany 2013“ haben sich deutschlandweit bei 155 Vorwahlen 5115 Frauen beworben. „Die Sehnsucht nach Ruhm und Rampenlicht ist ungebrochen“, sagt Organisator Ralf Klemmer. Besonders seit Casting-Shows im Fernsehen für Furore sorgen, profitiert auch die Miss-Wahl von dem Boom. In der Jury im Europapark Rust sitzen wie jedes Jahr Prominente. Dieses Mal sind es unter anderem der frühere Fußball-Manager Rainer Calmund, Ex-Boxer Axel Schulz, Schönheitschirurg Werner Mang, Turnerin Magdalena Brzeska und Sänger Stefan Mross.

Sie meinen Frauen, die als „zu schön“ empfunden werden. Im Alltag gilt doch laut Ihrer Forschung: Schönheit bedeutet Erfolg, oder?
Attraktive Menschen haben zumindest in vielen Lebenslagen große Vorteile. Ihnen werden dem ersten Eindruck nach positive Eigenschaften wie Intellekt und Strebsamkeit zugeschrieben. Wir bewerten permanent das Aussehen und Auftreten unseres Gegenüber – ob wir jemanden attraktiv finden, entscheidet sich unbewusst.

Aber liegt Schönheit denn nicht im Auge des Betrachters?
Das sagt man gerne so. Die Forschung ist sich aber darüber einig, dass es gewisse objektive Kriterien gibt, die einen Menschen allgemein attraktiv erscheinen lassen. Wenn ungefähr zwei Dutzend Teilnehmer einer Studie die Attraktivität eines Menschen beurteilen, entsteht ein Durchschnittswert, der mit leichten Schwankungen für eine ganze Gesellschaft gilt.

Johannes Krause ist Diplom-Soziologe an der Universität Düsseldorf. Seit Jahren erforscht er den Zusammenhang von Attraktivität und Erfolg.
Johannes Krause ist Diplom-Soziologe an der Universität Düsseldorf. Seit Jahren erforscht er den Zusammenhang von Attraktivität und Erfolg.

Was gilt denn allgemein als attraktiv?
Schlanke, jugendlich wirkende, gesunde, körperlich fitte Menschen mit schönem Gesicht gelten als attraktiv. Bei den jeweiligen Geschlechtern gibt es hier noch deutliche Unterschiede. Bei Männern zählen volles Haar und markantes Kinn. Kate Moss ist das Musterbeispiel für das „Kindchenschema“, was bei Frauen die Attraktivität zusätzlich erhöht.

Was hat denn Kate Moss, was andere nicht haben?
Kein Fett, keine sichtbaren Falten und eine große Stirn machen ihr Gesicht attraktiv. Hinzu kommen Merkmale wie eine gerade Nase, die richtige Augenstellung und eine reine Haut. Die meisten Männer fühlen sich durch das „Kindchenschema“ – zum Beispiel große runde Augen, kleine kurze Nase, kleines Kinn und runde Wangen – angezogen. Vielleicht weil dadurch eine Art Beschützer-Instinkt aktiviert wird. Möglich ist auch, dass gesund und jugendlich wirkende Frauen als besonders fruchtbar eingeschätzt werden. Da ist sich die Wissenschaft noch uneins.

  • 24.02.2013, 11:05 UhrJohannVonBerkerrath

    Hinzu kommt, dass diese Schönheitsköniginnen bei der Eröffnung von Einkaufszentren ja auch nicht gerade ihren Intellekt unter Beweis stellen können.
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    Wobei denn sonst? Etwa im Physik-Examen?
    Und nebenbei: In jeder Straßenbahn sieht man schönere Mädels, denen gar nichts daran liegt, ihren Intellekt unter Beweis stellen zu müssen - weil sie mit diesem Thema längst durch sind, und längst eine natürliche Souveränität entwickelt haben, die dem gekünzelten und dämlichen Getue von sogenannten "Schönheitsköniginnen" meilenweit überlegen ist.

  • 24.02.2013, 11:43 Uhrhafnersp

    Unterschiede zwischen Mann und Frau? Das ist Sexismus!!!
    Wo bleibt hier die "Gendermainstreaming"-Emanzen-Polizei?
    Wir fordern den Schönheitskönig-Wettbewerb.

  • 24.02.2013, 12:47 UhrJulius

    Ja, und lange Haare und Titten herauskramen ist dann auch verboten! Alles schön glatt machen, damit jeder in dieselbe Jacke passt.

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