
BerlinFragt man bei einem der zahlreichen Volksläufe in Deutschland die anderen Teilnehmer an der Startlinie nach Doping, gibt es nur Kopfschütteln: „Das wäre doch Betrug“, sagt der eine. „In dem Bereich ein paar Minuten schneller laufen, dafür mache ich mich nicht kaputt“, kommt es von der anderen Seite.
Aber auch bei den Hobbyläufern ist der Anspruch an die eigene Leistung hoch. Um die persönliche Bestzeit zu toppen, ist manchen Läufern jedes Mittel recht. Die euphorische Nervosität und aufgeregte Anspannung vor dem Start werden begleitet von der Angst zu versagen, der Herausforderung doch nicht gewachsen zu sein, das Trainingsziel doch nicht erreichen zu können. Ob Fitnessstudio, Marathon oder Triathlon: Immer mehr Hobbysportler wollen ihre Grenzen ausloten. Warum sollte Doping bzw. Medikamentenmissbrauch da nicht eine ähnliche Rolle wie im Leistungssport spielen – zumal kaum Kontrollen drohen?
Ein Marathon ist eine Extrem-Belastung für den Körper. Sportmediziner Dr. med. Albert Fromme erklärt, was auf den 42,195 Kilometern im Körper des Läufers passiert.
Auf den ersten fünf Kilometern schießt der Puls in die Höhe – wenn der Läufer die Strecke im Übereifer zu schnell angeht, auf bis zu 180 Schläge pro Minute. Die Herzfrequenz pendelt sich dann konstant bei etwa 140 Schlägen pro Minute ein. Das ist auf der langen Strecke eine Belastungsprobe für das Herz.
Etwa bei der Hälfte der Strecke hat sich die Körpertemperatur auf 38 Grad erhöht. Je nach dem wie verbissen sich der Läufer voran treibt, kann seine Körpertemperatur nach der kompletten Distanz auf bis zu 40 Grad steigen.
Bei der Anstrengung und beim Schwitzen verliert der Körper Elektrolyte und Salze. Viele Läufer plagen daher Krämpfe in den Beinen. Beim Berlin-Marathon sind an den Versorgungspunkten Erst-Hilfe-Stationen eingerichtet, wo Physiotherapeuten betroffenen Läufern helfen.
Während des Marathons steigt der Cortisol-Wert, ein Hormon, das die Produktion von Immunzellen hemmt. Gut drei Tage braucht das geschwächte Immunsystem, um sich von dem Marathon zu erholen.
Die Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten beginnt mit dem Start, da die Beinmuskulatur viel Energie verbraucht. „Das Fett verbrennt im Feuer der Kohlenhydrate“, sagt der Volksmund.
Hobby-Läufer laufen im Training in der Regel keinen kompletten Marathon, die Anstrengung auf den letzten Kilometer trifft sie hart. Kritisch ist es für viele bei Kilometer 30 bis 32. Etwa nach der Strecke sind die Kohlenhydrate-Vorräte verbraucht, der Körper zieht die Energie allein aus den Fettvorräten. Diese Umstellung beschreiben Läufer als die Begegnung mit dem Mann mit dem Hammer. Um dem vorzubeugen, nehmen Läufer vor dem Wettkampf und während des Laufs besonders viele Kohlenhydrate zu sich.
Im Ziel hat der Läufer rund vier Liter Flüssigkeit verloren und etwa drei Kilo abgenommen.
Während des Laufs kommt es zu Umbauvorgängen in der Muskulatur und leichten Zerstörungen innerhalb der Muskelzellen, die folgenlos wieder ausheilen. Wenn Dr. Fromme von diesen Mikrotraumen spricht, beklagt sich der Läufer einfach über Muskelkater.
Das Bundesministerium für Gesundheit gab mit seiner in Auftrag gegebenen Kolibri-Studie vergangenes Jahr Entwarnung: Nicht mal ein Prozent der Deutschen habe schon mal Medikamente zur Leistungssteigerung im Breitensport genommen. „Es handelt sich um eine Befragung der Allgemeinbevölkerung“, ordnet das Ministerium die Ergebnisse auf Nachfrage ein. „Auch in der Kolibri-Studie wurden verschiedene Teilgruppen mit einem überdurchschnittlichen Medikamentenmissbrauch identifiziert.“ Heißt: Wenn man eine bestimmte Altersklasse oder eine bestimmte Sportlergruppe untersucht, kommt man zu dramatischeren Zahlen, und so wurde die Studie von Experten vielfach kritisiert, sie beschönige das Problem.
Verlässliche Erhebungen und belastbare Zahlen gibt es zu dem Thema kaum – schließlich werden kaum Kontrollen durchgeführt. „Im öffentlichen Diskurs tritt Doping zumeist in Gestalt leistungssportlicher Skandale in Erscheinung“, stellt Sportsoziologe Dr. Mischa Kläber von der TU Darmstadt fest. „Leistungssportler greifen auf verbotene Praktiken oder Substanzen zurück, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In Dopingkontrollen werden einige von ihnen überführt.“ Die Dopingsituation im Breiten- und Freizeitsport sei hingegen stark unterrepräsentiert.

"Fragt man bei einem der zahlreichen Volksläufe in Deutschland die anderen Teilnehmer an der Startlinie nach Doping, ..."
Wie naiv muss man eigentlich sein, um sowas zu tun bzw. zu schreiben?
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