Ressource 1: Krisenfestigkeit
Er hat die Fertigkeit entwickelt, Krisen zu meistern. Denn für den Betroffenen war es der schwerste Weg: Raus aus dem beruflichen Umfeld und System, sowie der Verzicht auf damit verbundene Anerkennung und Status. Wenn auch unfreiwillig, hat er - für die eigene Gesundheit – diesen Weg durchschritten. Die eigene Identität und die Selbstwertmechanismen werden hierbei immer mit auf den Kopf gestellt. Er hat es geschafft und ist wieder da.
Ressource 2: Übertragung der gelernten Stärken auf den Alltag
Wer diesen Weg gegangen ist und an den alten Arbeitsplatz zurückkehrt, den erschüttert so schnell nichts mehr. Vorausgesetzt ihm wird ermöglicht, diese Stärke in den Arbeitsalltag zu integrieren. Arbeitgeber sollten sich bewusst machen: Der Mitarbeiter hatte keinen Ausfall wegen einer Grippe, welche nach der Genesung einfach vorbei ist. Er hat in der Zwischenzeit beispielsweise gelernt mit der eigenen Persönlichkeit und mit Konflikten anders umzugehen. Geben Sie ihm die Chance - vielleicht mit einem Coach an der Seite – genau diese Stärken auf den Arbeitsalltag zu übertragen. Die Erfahrung zeigt, dass derjenige, der die Konfrontation mit Unsicherheit auf allen Ebenen überstanden hat, zu wesentlich authentischeren Kundenbeziehungen und Durchsetzungsstärke fähig ist. Vorausgesetzt, der Mensch Mitarbeiter hat die Rückendeckung und Stärkung durch seine Vorgesetzten.
Ressource 3: Experten Know-how im Unternehmen
Der ernst genommene Betroffene kann dem Unternehmen im offenen, authentischen Gespräch wertvolle Hinweise geben, wie dieses eventuell weitere Fälle von Burnout vermeiden kann.
Beispielsweise der Aspekt der Unternehmensstruktur, Arbeitsorganisation und Überlastung: Gerade in Zeiten der Globalisierung gehen die meisten Unternehmen dazu über, Unternehmensstrukturen mit flachen Hierarchiestufen zu etablieren. Doch dabei sollte die Persönlichkeitsstruktur der Mitarbeiter nicht außeracht gelassen werden. Denn die meist mit flachen Hierarchien verbundene Verschiebung von Verantwortung und Entscheidungen nach unten führt nicht selten dazu, dass ein Großteil der Mitarbeiter innerlich unter Stress steht. Immerhin bringt ein Viertel aller Menschen dann gute Leistung, wenn sie klare Rahmen und Zielvereinbarungen haben.
Und der Betroffene selbst? Für ihn stellt sich die Frage, ob er einen Burnout hatte, weil er am „falschen Ort“ war und seine Seele eigentlich etwas anderes im Leben möchte. Oder ob er etwas zu lernen hatte. Doch dies wird er nur im alten Umfeld erkennen können. Dafür ist es wichtig, dass er dem „alten Umfeld“ eine „neue Chance“ gibt und seinem Arbeitgeber die Gelegenheit gibt, die oben beschriebenen Ressourcen zu nutzen.
Die Autorin:
Sabine Mrazek ist internationaler Business Coach und Inhaberin von sabeconsult Coaching