Warum unehrliche Manager besser leben

Halunken im Management
Warum unehrliche Manager besser leben

Wer hat uns Lehman eingebrockt? Manager. Wer hat in Fukushima die Tsunami-Mauern nicht hoch genug bauen lassen? Manager. Wer hat die Ergo-Sexreisen organisiert? Manager. Und es wird immer schlimmer statt besser. Lernen die denn gar nichts dazu?
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DüsseldorfIrgendwann hat der Mensch aufgehört, aus Feuerstein Pfeilspitzen zu schnitzen und damit angefangen, sich sein Schnitzel beim Fleischer um die Ecke zu kaufen. Fortschritt nennen das die Soziologen. Fortschritt ist nur möglich, wenn der Neander lernt, dass es Besseres gibt. Seit 40.000 Jahren tricksen Manager. Lernen die denn nichts hinzu?

Das ist eine interessante Frage. Schade, dass sie nie gestellt wird. Wenn demnächst zu lesen ist, dass wieder ein Manager zwei Milliarden verzockt, verjubelt oder versenkt hat, dann wird wieder die Moral diskutiert, respektive ihre Absenz im Management. Die interessantere Frage wird so gut wie nie thematisiert. Sind Manager lernfähig?

Es ist schade, dass diese Frage so selten gestellt wird. Schade, aber nützlich. Denn wer sich diese Frage ernsthaft stellt, wird sich schnell fragen müssen, wer denn hier etwas hinzu zu lernen hat. Der Controller eines mittelständischen Unternehmens im Süden Deutschlands stellte sich diese Frage tatsächlich mal aus Anlass der 4,5 Millionen, die ein zockender Geschäftsführer in Osteuropa in den Sand gesetzt hatte.

Er rechnete gegen diese Millionen jene „Peanuts“ hoch, die dem Unternehmen in den letzten 20 Jahren durch Bagatelldelikte wie geklaute Packen Kopierpapier, „Schwund“ im Lager, Schlamperei und andere Nickligkeiten verloren gegangen waren und kam auf einen Betrag um die 8 Millionen. Die Lokalzeitung weigerte sich, das zu drucken. Sie schrieb lieber über die Villa des Zockermanagers mit der Begründung, dass die 8 Millionen bloß hochgerechnet seien.

Da hatte sie Recht: Wie groß der Betrag ist, ist allerdings völlig unerheblich. Entscheidend ist allein: Wo liegt, rein moralisch betrachtet, der Unterschied zwischen drei Packungen Kopierpapier und 4,5 Millionen? Fängt Moral erst ab 250.000 Euro an? Oder ab Abteilungsleiterebene? Die bittere Wahrheit lautet: Nicht bloß Manager, sondern wir alle müssten moralisch dazu lernen. Wie gut, dass wir das nicht müssen.

Denn solange wir mit dem Finger auf korrupte Manager zeigen, stellen wir sicher, dass weder wir noch sie was dazulernen. Niemand lernt sonderlich gut, wenn mit dem Finger auf ihn gezeigt wird, wie jeder Grundschullehrer weiß. Was nicht heißt, dass Manager nicht ständig zum Lernen verdonnert würden.

Kommentare zu "Warum unehrliche Manager besser leben"

Alle Kommentare
  • Herr Schuster, ich frage mich allen Ernstes wie Sie auf die Idee kommen, "wir" müssten alle dazulernen?
    Ein Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft eines MDAX Unternehmens hatte sich mal intensiv darüber ausgeheult, dass wegen Bestechung gegen ihn ermittelt wurde, weil er es ja schließlich nur für die Firma gemacht hatte. Dass er bei neuen Aufträgen u.a. über seinen ergebnisabhängigen Bonus selbst massgeblich davon profitiert, hatte er völlig aus den Augen verloren.
    Wie sollen heute "normale" Mitarbeiter ihren angeborenen Anstand beibehalten, wenn Sie sehen, welche Einstellung sich heute an der Spitze von Unternehmen breitmacht? Schauspieler, die die Unternehmenskasse als Selbstbedienungsladen auffassen - sowohl bei Geschäftsführern, Vorständen als auch Aufsichtsräten - und mit einem "sauschlechten" Beispiel vorangehen und sich über lange geltende Masstäbe einfach hinwegsetzen, leben es täglich vor, welchen Stellenwert moralisches Verhalten geniesst. Bei derart tollen Vorbildern braucht man sich nicht mehr wundern, wenn sich "Schütze Arsch" auch nicht mehr wie ein hanseatischer Kaufmann verhält.
    In unserer Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren an der Spitze eine römische Dekadenz breit gemacht, die die Erfinder derselben um Lichtjahre in den Schatten stellt.
    Jedes nur denkbare Mittel ist heute recht, wenn es darum geht sich die eigenen, meist schon überquellenden Taschen vollzustopfen. Andere unmoralisch zu übervorteilen ist die Regel. In Unternehmer- und Managerkreisen kann man sich excellent mit den neuesten Taschenspielertricks profilieren, mit denen man Geschäftspartner und Mitarbeiter über den Tisch gezogen hat. Wenn dabei die Grenze der Legalität überschritten wird, dann erhöht das nur den Kick. Man darf sich ja nur nicht erwischen lassen.
    Und wenn es dann doch soweit kommt, dann wird das schnell öffentlich zur Not etwas bedauert und die Regel als absolute Ausnahme und das Werk Einzelner dargestellt.
    Was wäre die römische Dekadenz ohne Heuchelei?

  • Zum Artikel ist grundsätzlich anzumerken :
    Wir praktizieren ein profitorientiertes, kapitalistisches
    Wirtschaftssystem, in dem der Darwinismus bestimmend ist -- mit einem sozialen Anstrich. Mal mehr, mal weniger.
    Die Frage nach der Moral ist damit beantwortet, obwohl der CEO von Goldman-Sachs, Herr Blankfein, behauptet :
    "Wir tun Gottes Werk".

    Allgemeinverbindlich kann für alle Beteiligten dieses Systems empfohlen werden :
    Jeder halte sich an getroffene vertragliche Vereinbarungen, beachte die möglicherweise strafrechtliche Relevanz seiner Aktivitäten und trage dafür Sorge, dass er nicht e r p r e ß b a r wird ----
    in welcher Art und Weise auch immer !!




  • 5.) Verhalten sich die Absolventen, die in Scharen in die öffentlichen Institutionen strömen und dort Überregulierung betreiben, moralisch? Als Motive werden regelmäßig genannt: (Arbeitsplatz-)Sicherheit, Rente, Vereinbarkeit Beruf+Familie. Fast nie habe ich gehört, daß jemand die überflüssigen Verwaltungspositionen für notwendig hielt - ist das moralisch? Oder bedient man sich nur auf andere Weise am System?
    6.) Hat der Autor (und mit ihm eine ganze Generation) sich nicht prächtig am „Wachstumshorror“ gelabt? Haben sie ihr Haus, ihren gedeckten Tisch, ihre Annehmlichkeiten nicht alle diesem Horror (Postkolonialismus, Schuldenmacherei, Umweltausbeutung, Ausbeutung der „Generation Praktikum“) zu verdanken? Mit vollen Bäuchen und ebensolchen Konten sitzen sie da und erfinden nun die Moral (neu). Predigen MORAL als neuen Maßstab, wohl wissend, daß es mit den alten Wachstumsraten vorbei ist und daß die nachrückende Generation keinen Job (denn Aufträge wird man auf moralische Weise weniger hereinholen können), keine Rente, kein Haus, kein volles Konto mehr haben wird. Vielleicht wird es zum Essen reichen. Das tolle Erbe, welches (mit Stolz als eigene Leistung betrachtet) in Aussicht gestellt wird, ist in Wirklichkeit gepumptes Geld. Denn vieles, was der Staat in den letzten Jahrzehnten großzügig verteilt hat und noch immer ausschüttet, steht heute auf der Schuldenuhr. Auch der Manager hat (natürlich) sein privates Häuschen früher in Teilen legal von der Steuer abgeschrieben (§ 7e EStG a.F.), andere haben die Eigenheimzulage kassiert. Nichts davon ist heute mehr möglich. Im Gegenteil: der Staat holt sich das Geld mit steigender Absch(r)öpfung und einem immer perfekter organisierten, unerbittlichem System dort, wo er es kriegen kann: bei denen, die immer noch leistungsbereit- und willig sind. Ist das der moralische Maßstab, der uns prägen und leiten soll??

  • Ich verstehe nicht:
    1.) Wer bekommt zukünftig den Auftrag? Offenbar der geläuterte, ruhig schlafende Manager, der notfalls in kurzen und immer kürzeren Zeitabschnitten pragmatisch den Job wechselt und lieber durch Qualität + Leistung überzeugt nicht. Wenn doch, dann nur, weil Qualität und Leistung so überzeugend sind, daß das Gegenüber gar nicht anders kann, wenn also das Angebot im globalen Wettbewerb schlicht unschlagbar ist. Das kann auf zwei Dingen beruhen: (1.) auf einer tatsächlichen Produktinnovation (=Leistung) oder alternativ/kumulativ (2.) auf einer unschlagbaren Qualität (=Marktführerschaft) bzw. auf einem konkurrenzlosen Preis/Leistungsverhältnis. In Ersterer Kategorie verliert Deutschland seinen Vorsprung: Produktinnovationen werden weniger und diese langsamer umgesetzt (s. Plattners Kritik an SAP). Die zweiten Kategorie bedeutet faktisch nichts anderes als moderne Ausbeutung (Stichwort: 16h-Tag als die Regel) - ist DIESES Abverlangen moralisch?
    2.) Wer übernimmt zukünftig den Bereichsleiterjob? Was, wenn sich keiner (notgedrungen) mehr die Finger schmutzig machen will, wenn alle ruhig schlafen wollen? Wer macht dann in Deutschland das Licht aus?
    3.) Was ist mit der Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber (Erhalt der Arbeitsplätze durch Heranschaffen von Aufträgen)? Hat das auch etwas mit Moral zu tun?
    4.) Verhält sich der Beamte, der auf einem hoch bezahlten Posten NICHTS TUEND der (fürstlichen) Rente entgegendämmert und genau wissend, daß sein "Job" (oder die ganze Behörde) schlicht überflüssig ist, moralisch? Oder müßte er nicht besser verzichten (nicht nur auf die Spesenpauschale, sondern auf den gesamten Job)?

  • Keine Ahnung, wer hier zum Feiertagsdienst beim Handelsblatt verdonnert wurde, so viel Bullshit in komprimierter Form selten nicht gelesen. Probe:

    "Das moralische Kollektivversagen liegt eher in der mehr als naiven Hoffnung, die die Gesellschaft in solche Organe der moralischen Aufsicht und Erziehung investiert. Als ob ein Grundschüler mit Abschluss der vierten Klasse plötzlich nie wieder verbotenerweise in die Keksdose fassen würde, bloß weil er jetzt aufs Gymnasium darf."

    Da hat der Autor wohl nicht mehr alle Kekse in der Dose....bzw. einen zuviel an der Waffel.

  • In dieser Gesellschaft ist an den Fleischtöpfen nur noch Platz für Halunken. einige von ihnen mögen sich einreden, sie seien ja immerhin noch besser als X oder Y, aber diejenigen, die entschieden für Vernunft und Gerechtigkeit eintreten, werden gerufmordet, terrorisiert, psychiatrisiert, mit Willkürjustiz überzogen oder gar gemordet.

    Insofern muss man den Artikel oben in die Kathegorie "Biedermann und die Brandstifter" einordnen; er soll wohl suggerieren: "Der Autor und das HB sind ja ganz anders!"

  • Eine Mitschuld an dieser Entwicklung m.E. der Staat.

    Konkret:
    Will man einen Manager wegen Betrug strafrechtlich verfolgen, so muss man ihm Vorsatz nachweisen. Gelingt es tatsächlich einen Vertrag mit seiner Unterschrift zu finden, entlastet er sich (zumindest bei der Staatsanwaltschaft in Hannover), in dem er behauptet, er sich auf seine Mitarbeiter verlassen, als er die Unterschrift leistet. Dies gilt auch, wenn der Vertrag mit dessen Schreibzeicen Versehen ist.

    Wer so Untaten verfolgen will, kann sich auch auf ein Schaukelpferd setzen, um auszureiten.

    Deutschland hat noch viel "zu tun", will es nicht gänzlich zum Mafiastaat verkommen.

  • ...ich habe selten so einen einfältigen Artikel gelesen. Lauter oberflächliche Verallgemeinerungen. Ist das der neue Stil des Handelblattes? Oder können Sie es nicht besser?

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