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Interview Haniel-Personalchef: „Deutsche Absolventen zeigen weniger Initiative“

Haniel ist ein Konzern, der in verschiedene Branchen investiert – vom Einzelhandel über Hygiene-Dienstleistungen bis hin zu Speziallogistik. Der Personal-Chef erkennt: „Bewerber glauben nicht mehr an Hochglanzprospekte.“

Haniel-Personalchef Peter Sticksel. Der Konzern ist unter anderem Großaktionär des Groß- und Einzelhändlers Metro. Quelle: PR
Haniel-Personalchef Peter Sticksel. Der Konzern ist unter anderem Großaktionär des Groß- und Einzelhändlers Metro. Quelle: PR

Herr Sticksel, Schuldenkrise und Konjunktureinbruch verwüsten die Wirtschaft in vielen Teilen Europas. Wie reagieren die Talente an den Hochschulen darauf?

Das ist sehr unterschiedlich. Im Süden Europas haben die Absolventen erkannt, dass sie Ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Sie rechnen nicht damit, dass ihnen jemand daheim ohne enorme Eigeninitiative einen erstrebenswerten Job anbietet. Sie sind sehr flexibel, sowohl fachlich wie regional.

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Können wir mit einer Einwanderungswelle von High Potentials nach Deutschland rechnen?

Von einer Welle würde ich noch nicht sprechen. Es gibt aber einen deutlichen Trend. Die europäische Jugend ist in den vergangenen Jahren mobiler geworden.

Studie Was Absolventen von Firmen erwarten

  • Studie: Was Absolventen von Firmen erwarten
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  • Studie: Was Absolventen von Firmen erwarten
  • Studie: Was Absolventen von Firmen erwarten

Gilt das auch für den deutschen Nachwuchs?

Nicht in diesem Maße. Die deutschen Absolventen verlassen sich vielfach noch darauf, dass die starke Wirtschaft ihnen einen Job verschafft. Sie zeigen daher weniger Initiative. Gleichwohl ist ihnen die Bedeutung von Auslandserfahrung für ihre Karriere bewusst und sie suchen Unternehmen, die ihnen das perspektivisch ermöglicht.

Angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland wird die Akquise talentierter Absolventen für Unternehmen überlebenswichtig. Wie lassen sich die Besten anlocken?

Durch Authentizität. Der Nachwuchs glaubt nicht mehr an Hochglanzprospekte, große Namen oder vollmundige Karriereversprechen. Durch die sozialen Netzwerke und Karriere-Bewertungsportale kennen sie die Realität in den Unternehmen oft sehr gut. Man kann ihnen nichts mehr vormachen.

Vergütung von Partnern in Unternehmensberatungen (2012)

  • Kleine Firmen

    Partner von kleinen Unternehmensberatungen mit weniger als 500.000 Euro Jahresumsatz verdienen durchschnittlich 85.000 Euro.

  • Mittlere Firmen

    In der Umsatzklasse der Firmen mit fünf bis 25 Millionen Euro verdienen Partner in Unternehmensberatungen durchschnittlich 135.500 Euro.

  • Große Firmen

    Bei den größten Unternehmensberatungen fällt die Durchschnittsvergütung mit 213.000 Euro besonders üppig aus. Damit ist jedoch nur die Festvergütung umschrieben, erfolgsabhängige Zulange können hinzu kommen. Und die haben es durchaus in sich - sie betragen im Durchschnitt noch einmal etwa 154.000 Euro.

  • Quelle

    Studie: Vergütung in der Unternehmensberatung 2012 des BDU

Wie kontaktieren Unternehmen Talente?

Wir haben eine Studie über den Nachwuchs aufgelegt. Eines der prägnantesten Ergebnisse war, das die meisten den Kontakt via Praktikum suchen. Unternehmen in Deutschland nutzen diese Tatsache viel zu wenig. Was wir brauchen, sind langfristig orientierte Praktikantenprogramme oder Praktikantenpools zur Rekrutierung. Vielfach trudeln Praktikanten noch eher zufällig ein, werden schlecht bezahlt und mit monotonen Arbeiten traktiert. Das muss sich ändern, möchte man diese Studenten für sich gewinnen.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

  • Insgesamt

    Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

    Quelle: Statistisches Bundesamt

  • Techniker und nichttechnische Berufe

    Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

  • Führungskräfte

    Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

  • Akademische Berufe

    Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

  • Handwerks- und verwandte Berufe

    Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

  • Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

    Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

  • Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

    Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

  • Hilfsarbeitskräfte

    Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

  • Dienstleistungsberufe und Verkäufer

    Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

  • Bürokräfte und verwandte Berufe

    Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

Wie tickt die neue Generation? Sind das Träumer oder Realisten?

Eindeutig Realisten. Sie erwarten ehrliche Aussagen und keine leeren Versprechungen, was ihren Karriereweg betrifft. Außerdem sind sie Karriereindividualisten. Frühere Generationen wurden im Unternehmen sozialisiert. Die neue Generation hat feste Vorstellung zu Betriebsklima, Arbeitsablauf und Familienverträglichkeit des Jobs.

  • 27.01.2013, 22:41 UhrMrX

    Selten so einen Unsinn gelesen...

    "Der Nachwuchs glaubt nicht mehr an Hochglanzprospekte, große Namen oder vollmundige Karriereversprechen. Durch die sozialen Netzwerke und Karriere-Bewertungsportale kennen sie die Realität in den Unternehmen oft sehr gut. Man kann ihnen nichts mehr vormachen. "

    "Wir haben eine Studie über den Nachwuchs aufgelegt. Eines der prägnantesten Ergebnisse war, das die meisten den Kontakt via Praktikum suchen."

    Unsere Bewerber haben von der beruflichen Realität weniger Ahnung, als die Kollegen vor 10 Jahren. Genau deswegen suchen sie Praktika und sind als Generation-Praktikum bekannt. Leute, denen wir mehrere Tausend Euro Brutto zahlen würden, arbeiten für 50 Euro pro Tag für uns... ohne jede Form von Sicherheit. LOL

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