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Karriere: Muss man zum Leittier geboren sein?

Führen, verantworten, delegieren - wer aufsteigen will, muss Teams leiten können. Unzählige Seminare versprechen, Nachwuchskräften das dafür nötige Handwerkszeug beizubringen. Aber kann man „Chefsein“ wirklich lernen?

von Verena Lugert und Xenia von Polier
Wer beruflich aufsteigen will, muss früher oder später auch lernen, Mitarbeiter zu führen. Quelle: dpa
Wer beruflich aufsteigen will, muss früher oder später auch lernen, Mitarbeiter zu führen. Quelle: dpa

DüsseldorfWie kommt man an Wasser, ohne dafür zu bezahlen? An Essen - ohne Geld? Ist es gefährlich, nachts im Freien zu schlafen? 48 Stunden lang waren das die wichtigsten Punkte auf der Agenda von Verena Fink, Geschäftsleiterin des Werbesenders QVC.

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An normalen Arbeitstagen führt die 32-Jährige mit dem Titel "Direktorin Kundenfokus" in ihrem Unternehmen 1.700 Mitarbeiter. Sie verantwortet den Bereich Kundenzufriedenheit und muss sich dabei weder um das Buchen von Flügen noch um die Kaffeeversorgung bei Konferenzen kümmern. Jetzt hatte Fink nichts von alldem, was ihrem Leben sonst Struktur gibt: kein Smartphone, keinen Laptop, keine Businesskleidung, vor allem aber: kein Geld.

Rezension Boris Grundl Die Zeit der Macher ist vorbei

Sie hießen Schrempp, Hunold oder Wiedeking: Doch die Zeit der Macher ist vorbei. Der Bulldozer hat als Typ Chef ausgedient, sagt Top-Berater Boris Grundl in seinem neuen Buch. Was die Führungsfigur von heute ausmacht.

Zwei Tage lang war die Managerin vollkommen mittellos und musste zusehen, wie sie trotzdem an Wasser, Nahrung und einen Schlafplatz kam. Was klingt wie ein Überlebenstraining, war ein Führungskräfteseminar auf der spanischen Insel Formentera, bei dem es allein um Finks Grundbedürfnisse gehen sollte. Sie folgte ihren Instinkten, bat Touristen um Nahrung, suchte sich nachts im Gebüsch einen nicht einsehbaren Platz zum Schlafen.

"Wovor habe ich Angst? Mehr vor der Ungewissheit, Ziel- und Planlosigkeit, als vor konkreter Bedrohung, das habe ich damals festgestellt. Denn eigentlich bin ich ein strukturierter Mensch, der viel durchplant", sagt Fink. Auf der Insel erkannte sie aber auch: Ich überlebe, selbst wenn ich auf alles verzichten muss.

So treiben Sie Ihren Chef auf die Palme

Warum das wichtig war? "Meine ureigene Persönlichkeit und individuelle Prägung beeinflussen die Art, wie ich Menschen führe. Deswegen habe ich diese bewusste Selbsterfahrung gesucht: Wenn ich mir meiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst bin, kann ich mich viel besser in meine Mitarbeiter einfühlen. Und dieses Einfühlen ist essenziell, um das Potenzial der Mitarbeiter zu entwickeln", sagt Fink.

  • 08.12.2012, 18:52 UhrLilly_Marlen

    Gut, dass es die Frauen heute einfacher haben, in die oberen Etagen zu kommen...es reicht halt, wenn man zur Quote gehört...da erspart man sich das restliche bla bla !

  • 22.09.2012, 16:08 UhrNewHuman

    Vielen Dank für Ihre differenzierte Antwort. Natürlich habe ich sehr fokussiert argumentiert. Der Hauptpunkt, den ich machen wollte war, dass das „Können“ (die Kompetenz) stärker vom inneren „Wollen“ (der Motivation) abhängt, als gemeinhin angenommen wird. Mit anderen Worten: Die tollsten erlernten Kompetenzen sind nutzlos, wenn keine innere Bereitschaft vorhanden ist, diese auch anzuwenden. Und diese Bereitschaften sind verankert in der Persönlichkeit.

    Ich glaube nicht, dass eine HR-Abteilung annehmen muss, dass „alles trainier- und lernbar“ ist, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Ganz im Gegenteil: Erst wenn man erkennt, dass die (nicht trainierbare) Motivation ein erfolgslimitierender Faktor der Personalentwicklung ist, lassen sich gezielt und effizient Potenziale erkennen und fördern.

  • 22.09.2012, 14:58 UhrHagen_von_Tronege

    @NewHuman
    Ich stimme Ihrem neo-genetischen Ansatz teilweise zu. Denn es trifft den alten zynischen Spruch unter Vertriebsleitern: Kann man einem Schaf das Apportieren beibringen? Antwort: Nein.

    Es ist allerdings klar: wenn Sie ihr Geld mit Trainings in den HR Abteilungen der großen Organisationen verdienen, müssen Sie glauben, dass alles trainier- und lernbar ist.

    Die "Wahrheit" liegt irgendwo in der Mitte. Wenn es um das Vermitteln von Sozialtechniken geht, haben die HR Abteilungen auch Ihre Berechtigung. Ob sie als Talent-Scouts taugen, wage ich zu bezweifeln. Denn die Talente sind ja aufgaben- und kontextbezogen auf das zukünftige Team zu "optimieren" (maximieren geht nicht, wird aber oft probiert).

    Bei einem haben Sie allerdings ganz recht: die Motivation zur nachhaltigen Verantwortungsübernahme (= nachhaltiges Führen) kann man nicht in Führungszirkeln lernen.

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