
DüsseldorfWie kommt man an Wasser, ohne dafür zu bezahlen? An Essen - ohne Geld? Ist es gefährlich, nachts im Freien zu schlafen? 48 Stunden lang waren das die wichtigsten Punkte auf der Agenda von Verena Fink, Geschäftsleiterin des Werbesenders QVC.
An normalen Arbeitstagen führt die 32-Jährige mit dem Titel "Direktorin Kundenfokus" in ihrem Unternehmen 1.700 Mitarbeiter. Sie verantwortet den Bereich Kundenzufriedenheit und muss sich dabei weder um das Buchen von Flügen noch um die Kaffeeversorgung bei Konferenzen kümmern. Jetzt hatte Fink nichts von alldem, was ihrem Leben sonst Struktur gibt: kein Smartphone, keinen Laptop, keine Businesskleidung, vor allem aber: kein Geld.
Zwei Tage lang war die Managerin vollkommen mittellos und musste zusehen, wie sie trotzdem an Wasser, Nahrung und einen Schlafplatz kam. Was klingt wie ein Überlebenstraining, war ein Führungskräfteseminar auf der spanischen Insel Formentera, bei dem es allein um Finks Grundbedürfnisse gehen sollte. Sie folgte ihren Instinkten, bat Touristen um Nahrung, suchte sich nachts im Gebüsch einen nicht einsehbaren Platz zum Schlafen.
"Wovor habe ich Angst? Mehr vor der Ungewissheit, Ziel- und Planlosigkeit, als vor konkreter Bedrohung, das habe ich damals festgestellt. Denn eigentlich bin ich ein strukturierter Mensch, der viel durchplant", sagt Fink. Auf der Insel erkannte sie aber auch: Ich überlebe, selbst wenn ich auf alles verzichten muss.
Wer statt seines Gehalts den Blutdruck seines Chefs in die Höhe treiben will, der sollte folgende Negativargumente beherzigen. Alle anderen sollten lieber einen großen Bogen um solche und ähnliche Sätze bei der Gehaltsverhandlung machen.
Ihr Chef ist kein Schuldenberater, also verschonen Sie ihn besser mit derart privaten Problemen. Außerdem bestätigt ein solches Eingeständnis, dass Sie nicht mit Geld umgehen können. Sie sind ein Risikofaktor für die Firma, die Gehaltserhöhung können Sie vergessen.
Sie wissen doch genau, dass Ihr Chef es nicht mag, wenn sich seine Angestellten hinter seinem Rücken gegenseitig zuflüstern, was sie verdienen. Er bezahlt nur nach Leistung, das ist sein Gerechtigkeitsbegriff.
Die Forderung nach einem Sitzfleisch-Bonus wird bei Ihrem Chef auf taube Ohren stoßen.
Mit dieser Art von Erpressung kommen Sie bei Ihrem Chef nicht weiter. Sogar wenn Sie ein guter Mitarbeiter sind und er Sie braucht, wird er nicht auf dieses Angebot eingehen, um sein Gesicht nicht zu verlieren. Er würde nie eingestehen, dass er von jemandem abhängig ist.
Ihr Chef wird die Vermischung von Privatem und Beruflichem nicht goutieren. Vielmehr wird er sich fragen, ob Sie sich nur bei ihm eingeschleimt haben, um Kapital daraus zu schlagen.
Ihr Chef wird sich fragen, warum Sie Ihre Kollegen schlecht machen. Er wird Sie auch für einen Sprücheklopfer und Spalter halten, dafür hat keiner eine Gehaltserhöhung bekommen.
Das klingt für Ihren Chef, als hätten Sie sich innerlich schon von Ihrem Arbeitsplatz verabschiedet. Dafür gibt es nicht mehr Geld, sondern höchstens eine Abmahnung.
Ihr Chef wird Ihnen Realitätsverlust attestieren und Ihnen unter keinen Umständen noch mehr Geld geben, sonst könnten Sie noch vollends abheben. Er wird sich fragen, ob Sie auch in Ihrem Büro-Alltag so leichtfertig mit Fakten umgehen. Sie hätten mit so einem Spruch sein Vertrauen verloren.
Warum das wichtig war? "Meine ureigene Persönlichkeit und individuelle Prägung beeinflussen die Art, wie ich Menschen führe. Deswegen habe ich diese bewusste Selbsterfahrung gesucht: Wenn ich mir meiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst bin, kann ich mich viel besser in meine Mitarbeiter einfühlen. Und dieses Einfühlen ist essenziell, um das Potenzial der Mitarbeiter zu entwickeln", sagt Fink.

Gut, dass es die Frauen heute einfacher haben, in die oberen Etagen zu kommen...es reicht halt, wenn man zur Quote gehört...da erspart man sich das restliche bla bla !

Vielen Dank für Ihre differenzierte Antwort. Natürlich habe ich sehr fokussiert argumentiert. Der Hauptpunkt, den ich machen wollte war, dass das „Können“ (die Kompetenz) stärker vom inneren „Wollen“ (der Motivation) abhängt, als gemeinhin angenommen wird. Mit anderen Worten: Die tollsten erlernten Kompetenzen sind nutzlos, wenn keine innere Bereitschaft vorhanden ist, diese auch anzuwenden. Und diese Bereitschaften sind verankert in der Persönlichkeit.
Ich glaube nicht, dass eine HR-Abteilung annehmen muss, dass „alles trainier- und lernbar“ ist, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Ganz im Gegenteil: Erst wenn man erkennt, dass die (nicht trainierbare) Motivation ein erfolgslimitierender Faktor der Personalentwicklung ist, lassen sich gezielt und effizient Potenziale erkennen und fördern.

@NewHuman
Ich stimme Ihrem neo-genetischen Ansatz teilweise zu. Denn es trifft den alten zynischen Spruch unter Vertriebsleitern: Kann man einem Schaf das Apportieren beibringen? Antwort: Nein.
Es ist allerdings klar: wenn Sie ihr Geld mit Trainings in den HR Abteilungen der großen Organisationen verdienen, müssen Sie glauben, dass alles trainier- und lernbar ist.
Die "Wahrheit" liegt irgendwo in der Mitte. Wenn es um das Vermitteln von Sozialtechniken geht, haben die HR Abteilungen auch Ihre Berechtigung. Ob sie als Talent-Scouts taugen, wage ich zu bezweifeln. Denn die Talente sind ja aufgaben- und kontextbezogen auf das zukünftige Team zu "optimieren" (maximieren geht nicht, wird aber oft probiert).
Bei einem haben Sie allerdings ganz recht: die Motivation zur nachhaltigen Verantwortungsübernahme (= nachhaltiges Führen) kann man nicht in Führungszirkeln lernen.
| Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser: | ||
| 1. Ingenieur | 6. Bauingenieur | |
| 2. Geschäftsführer | 7. Marketing | |
| 3. Financial Analyst | 8. Jurist | |
| 4. Controller | 9. Volkswirt | |
| 5. Steuerberater | 10. Designer | |
16 Kommentare
Alle Kommentare lesen