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Manager im Sog der Sucht: „Eigentlich sind das die richtig armen Schweine“

Heute blau, morgen blau, und übermorgen wieder: Sucht in der Führungsetage bleibt ein großes Tabuthema. Betroffene entscheiden selbst über Heilung oder Rückfall. Wie Führungskräfte wieder ihr Glück finden können.

Rund 9,5 Millionen Menschen konsumieren „in gesundheitlich riskanter Form“ Alkohol. Quelle: dpa
Rund 9,5 Millionen Menschen konsumieren „in gesundheitlich riskanter Form“ Alkohol. Quelle: dpa

Düsseldorf„Eigentlich sind das die richtig armen Schweine“, sagt eine, die auf gar keinen Fall genannt werden will. Weil sie sich als Suchtcoach um die ganz Großen kümmert in der Geschäftswelt. Ob Abteilungsleiter, CEO oder Vorstand: Für ihre Klientel ist Diskretion mehr als nur Ehrensache.

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Weil ein Top-Manager sich im Gegensatz zu strauchelnden Stars und Sternchen wie Jenny Elvers-Elbertzhagen, so ihre Erfahrung, niemals als alkohol- oder medikamentenabhängig outen würde. „Stellen Sie sich einen Dax-Chef vor. Der wird einen Teufel tun, in der Öffentlichkeit eine Alkoholbeichte abzulegen.“ Dabei handelt es sich um eine Krankheit wie Diabetes oder Herzleiden.

Wie erkenne ich Alkoholprobleme?

  • Arbeitsverhalten

    Bei folgenden Anzeichen könnte riskanter Alkoholkonsum oder eine Abhängigkeit vorliegen: Häufige Abwesenheit während der Arbeitszeit, Entschuldigungen durch Dritte und (zunehmende) Unzuverlässigkeit.

    (Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen)

  • Persönlichkeit

    (Extreme) Stimmungsschwankungen, Überreaktion auf (vermeintliche) Kritik oder Überangepasstheit sowie zunehmender Rückzug und Isolation.

  • Trinkverhalten

    Alkoholkonsum bei (unpassenden) Trinkgelegenheiten, viel Alkohol bei feierlichen Anlässen, „heimliches“ Trinken, Alkoholfahne und Versuch, Geruch zu tarnen und die demonstrative Vermeidung von Alkohol.

Die Psychotherapeutin weiß, wie einsam es an der Spitze sein kann. Dort, wo Leistungsdruck, Konkurrenz und Tempo den Takt vorgeben, wo sich die Top-Manager im Hamsterrad die Pfoten wund laufen. Und wo es noch immer ein Tabu ist, über Schwäche zu sprechen. „In meiner Praxis kommt es nicht selten vor, dass Betroffene mir zunächst mitteilen, dass sie sich lieber töten würden, als sich mit ihrer Sucht zu outen“, erzählt der Kölner Psychiater Thomas Schmitt. „Das ist sogar nachvollziehbar, denn in manchen beruflichen Positionen kommt eine Offenlegung der eigenen Suchterkrankung einem beruflichen Suizid gleich.“

Wie gehen Sie mit Stress und Ärger um?

  • Den Stress erkennen

    Denken Sie darüber nach, welche Faktoren Stress auslösen und bringen Sie diese in eine Rangfolge. Nicht alle Gründe wiegen gleich schwer. Stressauslöser, die bisher als unumgänglich gelten, könnten zu körperlicher und seelischer Beeinträchtigung führen.

  • Die Gesundheit leidet

    Viele vermeiden es über Jahre, sich Erschöpfung einzugestehen. Ein Burnout kann ein schleichender Prozess sein. Jahrelanger Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch, Autoimmunerkrankungen oder psychische Auffälligkeiten weisen auf Erschöpfung hin.

  • Neue Energie gewinnen

    Hinterfragen Sie, wo Sie wie viel Energie investieren und ob es sich lohnt. Hinterfragen Sie Ihre innere Motivation und konzipieren Sie um. Schaffen Sie es, Ihr Energielevel unter Kontrolle zu halten, bleibt mehr für die Freizeit übrig.

  • Sich selbst leiden können

    Eine positive Selbstbewertung senkt das Stresslevel. Fangen Sie morgens an mit einer positiven Grundstimmung und versuchen Sie, dieses Gefühl den Tag über zu halten. Positive Selbstgespräche oder kurze tägliche Rituale helfen dabei. Auch malen, schreiben oder eine freundliche Büroeinrichtung wirken positiv.

  • Lähmenden Ärger loswerden

    Ärger kann in kürzester Zeit zu Antriebslosigkeit führen. Das Take-Care-Prinzip soll helfen, sich weniger zu ärgern: Versuchen Sie zunächst, Ärger von sich fernzuhalten. Nicht jede Meinungsverschiedenheit mit Kollegen oder den Nachbarn ist einen Streit wert. Falls es doch dazu kommen sollte, distanzieren Sie sich innerlich. Einen Witz machen kann helfen. Sollte es doch heftiger kommen, ist es wichtig, sich beim Sport oder über einen Urschrei abzureagieren.

  • Das Leben wieder in die eigene Hand nehmen

    Wer sich aufgibt, wird zum Spielball der Umgebung. Bestärken Sie sich jeden Tag darin, dass Sie über Ihr eigenes Lebens bestimmen. Conen empfiehlt: „Lernen Sie, mitten im Geschehen zu sein und doch darüber zu stehen.“ Sie kommen mit Störungen besser zurecht, wenn Sie sich als freier und selbstbestimmter Mensch fühlen.

Ein Blick in jüngste Statistiken, Stress- und Suchtberichte lässt nichts Gutes erahnen. Mehr als 40 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland leiden unter Termin- und Leistungsdruck, fast 20 Prozent fühlen sich körperlich und emotional erschöpft. Alle wissen, dass etwas schief läuft.

  • 07.08.2013, 17:22 Uhrarmodillo

    Ganz großes Kino, wie hier kollektiv auf "Manager" draufgehauen wird. Doch was sind Manager eigentlich? Leute, die keine operative Tätigkeit ausüben sondern lediglich den Overhead, die Organisation Kommunikation usw. regeln. Damit die Belegschaft in Ruhe arbeiten kann. Sind das automatisch schleche Menschen? Bin ich als Manager ein schlechter Mensch? Nö - ich habe lediglich mein Schicksal in die Hand genommen, mich weitergebildet und mich weiterentwickelt. Management an sich kann man sehr schlecht, kann man aber sehr gut machen. Meist sind unfähige Manager in der Position wo sie sind, weil alle Anderen sich blenden lassen und sie nicht die eigentliche fachliche Qualifikation hinterfragen / probieren. Thema Oberflächlichkeit. Ist das die gleiche Oberflächlichkeit, die viele dazu verleitet, eine gesamte Berufsgruppe zu verteufeln?
    Was mich persönlich interessieren würde: Ein Querschnitt durch die Bevölkerungsgruppen der jeweiligen Suchtarten. Ich denke doch, dass sich für jede Drogen-Sucht eigene "Zielgruppen" herausfinden lassen.

  • 18.02.2013, 22:01 Uhrmon_yburns@central.banktunnel.eu

    Die wirklich armesligen Penner sind unfähige "Business-School" - "Gesellen-Meister". Ich habe noch nie so viel Schwachsinn gehört wie von "Wirtschafstwissenschaftlern".

  • 18.02.2013, 16:06 Uhrmaximilian@baehring.at

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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