
KölnSteffen M. kann es nicht fassen: Eben ist einer der Mitarbeiter des 31-Jährigen wutentbrannt aus dem Büro gestürmt. Nur weil er als Vorgesetzter das noch nicht ganz ausgereifte Konzept aus dem Marketing kritisiert hat. Er hatte seine Einwände sachorientiert und auf konstruktive Weise geäußert – wie früher, als er noch Teamkollege des Mitarbeiters war.
„Früher“, das war die Zeit vor der Umstrukturierung seines Start-ups, die Zeit der kurzen Kommunikationswege, der Auseinandersetzungen auf Augenhöhe, der gemeinsamen Entscheidungen. Die Zeit also, bevor Steffen M. sich selbst zum delegierenden Vorgesetzten ernannte, um sein schnell wachsendes Softwareunternehmen zu professionalisieren. Und seitdem läuft gar nichts mehr wie früher.
Das Coaching soll vom Volumen her überschaubar sein. "Never-Ending-Stories" sollen vermieden werden auch, um Abhängigkeitsverhältnissen vorzubeugen.
Ein guter Coach prüft, ob Coaching für seinen Adressaten überhaupt die richtige Maßnahme ist. Das Interesse des Auftraggebers (also der Oraganisation oder des Unternehmens) muss sich mit den Interessen des Coachees nicht decken. Ein guter Coach muss aber die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen.
Ein guter Coach lehnt Aufträge ab, wenn sie nicht seinen Kompetenzen entsprechen oder sich nicht mit seinen Schwerpunktthemen befassen. Damit gemeinsam definierte Ziele erreicht werden können, muss die Leistungserwartung des Klienten und das Leistungsvermögen des Coaches einander entsprechen.
Ein guter Coach benennt die einzelnen Prozessphasen explizit und stellt in Grundzügen sein methodisches und konzeptionelles Vorgehen dar. Der Auftraggeber soll genau überblicken können, worauf er sich einlässt.
Die Entscheidung für ein Coaching soll der Klient bewusst und ohne Druck treffen - deshalb gibt ein guter Coach dem Klienten nach dem Kennenlerngespräch Bedenkzeit.
Ein guter Coach erkennt Themen und Umstände, die zusätzlicher Beratung bedürfen und leitet diese ein. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Therapie, Eheberatung oder medizinische Behandlung handeln.
Deutscher Bundesverband Coaching e.V. (Hrsg.): Checkliste für Auftraggeber und Klienten. Vorgelegt vom Fachausschuss Mittelstand. Osnabrück: 2010.
Im Frühjahr 2011 hatte Steffen M. den Schritt gewagt und sein eigenes Unternehmen gegründet: Zusammen mit vier Mitstreitern optimierte er die von ihm entwickelte Personalerfassungssoftware und brachte sie erfolgreich auf den Markt. Um Vertrieb, parallel laufende Neuentwicklungen und Kundenbetreuung zu gewährleisten, rekrutierte er innerhalb kurzer Zeit zusätzlich mehrere qualifizierte Mitarbeiter. Sein Plan war, mit ihnen vor allem den Kundensupport zu intensivieren und Neuakquise umzusetzen.
Doch was sich auf dem Papier personaltechnisch so erfolgversprechend planen ließ, funktioniert in der Praxis nur bedingt. Mitarbeitern, die von Anfang an dabei sind, fällt es schwer, Steffen M. in seiner Vorgesetztenposition zu akzeptieren, neue Mitarbeiter nutzen die scheinbare Führungsschwäche des kollegialen Chefs aus.
Er fühlt sich immer mehr unter Druck, agiert mal autoritär, mal betont kollegial, spürt immer mehr Widerstand und sieht sich mit massiven Akzeptanzproblemen konfrontiert. Nun sitzt Steffen M. wieder einmal fassungslos an seinem Schreibtisch und hat nicht die geringste Ahnung, wie es soweit kommen konnte.
| Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser: | ||
| 1. Ingenieur | 6. Bauingenieur | |
| 2. Geschäftsführer | 7. Marketing | |
| 3. Financial Analyst | 8. Jurist | |
| 4. Controller | 9. Volkswirt | |
| 5. Steuerberater | 10. Designer | |