
DüsseldorfManchmal dauern sie nur wenige Minuten, manchmal Stunden: Vorträge, Präsentationen oder Reden sind ein wichtiges Element in der modernen Geschäftswelt – doch häufig auch sehr langweilig. In Deutschland ist das Problem besonders groß: 84 Prozent der Präsentationen werden als langweilig bzw. einschläfernd empfunden, ganze 97 Prozent werden als verbesserungswürdig bewertet. Vor allem US-Amerikaner trauen ihren Augen und Ohren nicht, wenn sie hierzulande eine Präsentation zu sehen bekommen.
Michael Moesslang kennt die Probleme aus langjähriger Erfahrung. Früher war er Inhaber einer Werbeagentur, heute 5-Sterne-Redner, Dozent an der Hochschule München und Coach. Moesslang hat seine Erfahrungen in einem Buch zusammengefasst: „So würde Hitchcock präsentieren“.
Die Kernidee ist – wie der Titel erahnen lässt – Spannung zu erzeugen. Was sich leicht anhört, bedingt viele kleine Schritte. Es beginnt mit der Analyse, was falsch gemacht wird. Kennzeichnend für schlechte Präsentationen oder Vorträge sind Zeitmangel, mangelnde Vorbereitung und fehlende Gedanken über Dramaturgie bzw. Spannungsbogen. Moesslang rät: Wenn zu wenig Zeit ist, sollte man lieber ganz auf den Vortrag verzichten. Doch das geht ja häufig nicht. Dann sollte man zumindest folgende Kardinalfehler vermeiden:
Wenn Sie - wie es meistens vorkommt - die meisten Zuhörer ohnehin schon begrüßt haben, sollten Sie auf diese Anrede dringlich verzichten, weil sie unnatürlich wirkt. Wenn Sie vor einer großen Gruppe referieren und eine Begrüßung sein muss, machen Sie diese erst nach einem flotten Einstieg.
„Es freut mich sehr, dass Sie so zahlreich erschienen sind.“ Sagen Sie diesen Satz niemals! Erstens interessiert keinen der Zuhörer, was Sie persönlich freut. Und zweitens sitzen die meisten ohnehin nicht freiwillig dort.
Man fängt zu spät an, der Beamer ist nicht hundertprozentig, die Luft ist schlecht, der Kaffee kalt und am besten entschuldigen Sie sich auch noch für die wenige Zeit, die für die Vorbereitung zur Verfügung stand. Lassen Sie es!
Manchmal muss man erklären, wer man ist und woher das Wissen kommt, das hier vermittelt wird. Aber halten Sie diese Passage so kurz wie möglich!
„Bevor ich zum Thema komme, lassen Sie mich kurz die Inhalte vorstellen...“ Werfen Sie die Inhaltangabe niemals an die Wand, nehmen Sie nicht die Spannung weg! Das raubt nur Zeit und das gerade am Anfang der Präsentation. Vergeuden Sie die jetzt noch starke Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer nicht mit einem langweilig Überblick!
„Ich bitte Sie, Ihre Fragen bis zum Schluss aufzuheben.“ Völlig falsch. Erstens nimmt das der Präsentation die Abwechslung, zweitens ist es unhöflich und drittens wirken Sie dadurch angreifbar. Außerdem müssen Verständnisfragen sofort geklärt werden.
Fachbegriffe, Anglizismen – na wer so redet hat doch Ahnung, oder? Verzichten Sie darauf, machen Sie es den Zuhörern möglichst einfach!
Auf der anderen Seite gehört Jugend- und erstrecht Fäkalsprache auch nicht in eine Präsentation. Verzichten sie auf Coolness, das gilt auch für das lässige Sitzen auf der Tischkante.
Niemals Witze erzählen! Erstrecht nicht über Minderheiten.
Dunkeln Sie niemals den Raum zu sehr ab, egal wie die Leinwand rüberkommt! Das ermüdet die Zuhörer und Sie selbst geraten häufig auch noch aus dem Blickfeld.
Ihre Hände sind ein wichtiges Kommunikationsmittel. Verzichten Sie daher wenn irgend möglich auf Notizen in der Hand! Auch Kugelschreiber gehören dort nicht hin. Gestikulieren Sie im Gegenteil, allerdings nicht übertrieben.
Viele Redner schauen, wenn sie unsicher sind, über die Köpfe der Zuhörer hinweg. Vermeiden Sie das, schauen Sie den Menschen vor Ihnen ins Gesicht!
„Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“ – am besten nicht nur sagen, sondern auch noch auf die letzte Folie geschrieben. Lassen Sie das!
Langweilige Präsentationen gehören zum Alltag in Unternehmen. Auf der anderen bringt es allein nichts, Show zu machen. Show ist kein Selbstzweck. Entscheidend ist die Persönlichkeit des Vortragenden, sonst könnte er die Informationen ja auch per Email versenden. „Der Faktor Mensch prägt mehr als alles andere das Image von Unternehmen und Produkten“, schreibt Moesslang.
Der Vortragende muss also die Sinne reizen. Das Zwischenhirn reagiert nicht auf Mittelmaß. Zwar reagiert jeder Zuhörer unterschiedlich auf einen Reiz, aber wirklich entziehen kann sich keiner Bildern und Emotionen.
Mir ist nicht klar, wie die zu Beginn beschriebenen Floskeln zu einem langweiligen Präsentieren führen können. Einige Floskeln, wie bspw. das Bedanken für das zahlreiche Erscheinen, gehören einfach zum guten Ton und dürfen nicht weggelassen werden. Dazu gehört auch, dass man das Auditorium begrüsst. Denn auch wenn die meisten aus dem Publikum den Referenten schon kennen, sollte man denen, die ihn noch nicht kennen, nicht "auf den Schlips treten". In diesem Fall sollte man ggf. eine abgewandelte Begrüßung á la "die meisten von Ihnen kennen mich ja bereits. Für diejenigen unter Ihnen, die ich hier zum ersten mal begrüßen darf, mein Name ist...." inszenieren.
Pauschal kann man also überhaupt nicht sagen, was eine langweilige Präsentation ausmacht. Vielmehr muss man sich dem Publikum, welches als dynamische Masse zu sehen ist, anpassen und seine Präsentationsart daran orientieren.
Und auch wenn der Herr, der dieses Buch verfasst hat, an der Hochschule München referiert, ist dies noch lange kein Indikator für Expertise – was nicht zuletzt durch die starre Sichtweise und die herablassenden "Tips" untermauert wird.
MfG
Ein Student
Schlechte Qualität und (Schleich-) Werbung für ein Buch. Bitte auf Niveau bleiben.
wirklich schlechte Qualität. Und obendrein noch (Schleich-) Werbung für ein Buch. Bitte auf Niveau bleiben!
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