
Wie lernt man denn, korrekt zu zitieren?
Debora Weber-Wulff: Übung! Und Feedback bekommen über eigenes Schreiben. Nur: Wenn in einem Proseminar 100 Studierende oder noch mehr sitzen, dann gibt es zu wenig Feedback. Es gibt auch sehr viele Bücher zum Thema – einfach mal lesen.
John C. Maxwell ist einer der meistgefragten Coaches für Mitarbeiterführung in den USA. In seinem Buch „So denken Erfolgsmenschen“ gibt er seine Erfahrungen aus 40 Jahren Beobachtung wieder: Erfolgreiche Menschen haben etwas gemeinsam, nämlich ihre Art zu denken. Es folgen die elf wichtigsten Hinweise in aller Kürze.
Denken in großen Zusammenhängen ist eine Grundvoraussetzung. Dafür muss man ständig dazulernen, anderen bewusst zuhören, über den Tellerrand hinausschauen. Das große Ganze zu sehen hilft, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und leichter in Führungspositionen zu kommen. Dafür braucht es Einsichten aus verschiedenen Quellen und die Abkehr von Sicherheitsdenken.
Fokussiertes Denken bündelt Energien und führt Sie auf ein einziges Ziel hin. Zudem betont Maxwell, dass es Ideen ausreichend Zeit gibt, um sich zu entwickeln. Prioritäten setzen, Ablenkungen vermeiden, klare Ziele und Zeit für Reflektion. Hinterfragen Sie Ihre Fortschritte!
Kreatives Denken ist Gold wert, aber nicht zu verwechseln mit originellem Denken, wie man es zum Beispiel von Künstlern kennt. Dazu gehört die Offenheit für neue Ideen und anderen Möglichkeiten zur Problemlösung. Kreative Denker bürsten gegen den Strich, verbinden Unverbundenes und haben keine Angst vor dem Scheitern. Dazu gehört auch eine kreative Umgebung.
Jeder Akademiker weiß: Die Unterschiede zwischen Studium und Alltagswelt können immens sein. Bei allem Sinn für das Mögliche: Realistisches Denken verringert Ihr Risiko abzustürzen. Es verleiht Sicherheit und steigert die Glaubwürdigkeit. Also Liebe zur Wahrheit, zwischen Pro und Contra abwägen und fleißig sein bei der Informationsbeschaffung.
Strategisches Denken hilft bei der Planung, steigert die Effizient und verringert Risiken. So wird es Ihnen leichter gelingen, sich auf neue Situationen einzustellen. Zerlegen Sie dafür Sachverhalte in kleine Einheiten, fragen Sie nach dem Warum und identifizieren Sie die wesentlichen Ziele.
Auch wenn Barack Obamas Umfragewerte derzeit nicht gut sind – das „Yes we can“ des US-Präsidenten bleibt. Chancen sehen, wo andere nur Risiken vermuten: Das möglichkeitsorientierte Denken verleiht Energie und hält vom Aufgeben ab. Also den Ist-Zustand ständig hinterfragen, eine Nummer größer planen und sich von Leistungsträgern inspirieren lassen.
Halten Sie inne und denken Sie über Ihr Denken nach! Reflektieren verleiht emotionale Integrität und stärkt das Vertrauen. Den Terminkalender ständig überprüfen und die richtigen Fragen stellen. Maxwell gibt hier konkrete Beispiele.
Ein eingefahrener Trott ist selten die effizienteste Arbeitsweise. Hinterfragen Sie das berühmte „Das-Haben-Wir-Schon-Immer-So-Gemacht“. Übernahmen Sie das gängige Denken nicht automatisch! Akzeptieren Sie andere Meinungen und stellen Sie Ihre eigene immer wieder in Frage.
Mehrere Köpfe denken schneller als einer und gemeinsam ist man innovativer. Also: Laden Sie die richtigen Leute ein, setzen Sie eine effiziente Tagesordnung an, belohnen Sie engagierte Leute und setzen Sie auf Kooperation statt Konkurrenz.
Uneigennütziges Denken ist nicht nur gut für andere, sondern gibt einem auch selbst Erfüllung. Manchmal tun Sie sich selbst einen Gefallen, wenn Sie anderen den Vortritt lassen. Setzen Sie sich Situationen aus, in denen andere Sie brauchen. Überprüfen sie ständig Ihre persönlichen Beweggründe.
Jede Tätigkeit hat ein Ergebnis, auf die sie ausgerichtet sein sollte. Was sich trivial anhört, ist im Alltag kompliziert. Ein Strategieplan, um das gewünschte und klar definierte Ziel zu erreichen, hilft dabei. Schwören Sie Ihre Mitarbeiter auf das Ziel ein.
Steffen Stock: An vielen Hochschulen werden auch Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten angeboten, die oft schon in die Curricula eingebunden und auch teilweise verpflichtend sind. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man sich nach solchen Veranstaltungen erkundigen, die teilweise von den einzelnen Fachbereichen auch auf freiwilliger Basis angeboten werden. Immer mehr Hochschulen haben aber auch zentrale Einrichtungen, die auch solche Kurse anbieten.
Ein großes Problem für die Studenten ist, dass beinahe jedes Institut und jeder Dozent seine eigenen Zitierregeln hat. Der eine will Flattersatz, der andere Blocksatz, der nächste wieder lieber einen linksbündigen Text. Manche wollen die Zitate als Fußnoten am Seitenende, manche Klammern im Text. Lässt sich das nicht vereinheitlichen?
Debora Weber-Wulff: Das sind nicht Zitierregeln, sondern die Regeln, wie die Quellenangaben und Texte zu gestalten sind. Das sind zwei verschiedene Sachen. Blocksatz hat absolut nichts mit Quellenangaben zu tun. Es muss nicht eine Form für alles geben, die Form ist oft fachspezifisch. Nur innerhalb einer Arbeit oder eines Journals sollte es einheitlich sein.
Mitglieder der Enthüllungsplattform Vroniplag, die unter anderem Plagiate in der Arbeit der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin nachwiesen, legen eine Website zu Schavans vor 30 Jahren verfasster Doktorarbeit "Person und Gewissen" an. Sie entscheiden sich jedoch dagegen, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil die gefundenen Textstellen dies nicht rechtfertigten.
Ein anonymes Mitglied des Vroniplag-Netzwerks, das sich "Robert Schmidt" nennt, veröffentlicht die Vorwürfe gegen die CDU-Politikerin auf einer Website namens "schavanplag". Schavan erklärt sich bereit, sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen und versichert, die Arbeit "nach bestem und Gewissen" angefertigt zu haben. Auf Bitten Schavans beginnt der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät ihrer alten Uni ein Prüfverfahren.
"Robert Schmidt" gibt bekannt, er habe die Suche nach Fehlern in Schavans Arbeit abgeschlossen. Insgesamt kritisiert er nun 92 Stellen in der mehr als 350 Seiten umfassenden Doktorarbeit.
Der "Spiegel" zitiert aus einem vertraulichen Gutachten des Vorsitzenden des Promotionsausschusses der Uni Düsseldorf. Laut dem Bericht wirft der Religionswissenschaftler Stefan Rohrbacher darin Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" vor. Schavan erfährt von der Existenz des Gutachtens erst durch einen Journalisten des Magazins. In der "Süddeutschen Zeitung" weist sie die Unterstellung einer Täuschungsabsicht "entschieden zurück". Sie räumt ein, sie habe "hier und da noch sorgfältiger formulieren können".
Wegen des durchgesickerten Gutachtens hat die Universität Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Uni-Rektor Michael Piper kündigt an, die Universität werde von nun an keine Informationen zum Verfahrensstand mehr geben. Ranghohe Wissenschaftsfunktionäre kritisieren schwere Verfahrensfehler der Uni und fordern das Einholen eines externen Gutachtens. Schavans Doktorvater Gerhard Wehle verteidigt die Doktorarbeit als "in sich stimmig".
Erneut gelangen Informationen aus den Uni-Gremien an die Öffentlichkeit. Der "Spiegel" berichtet, dass die Promotionskommission geschlossen hinter einem Aberkennungsverfahren stehe.
Ein externer Gutachter stärkt der Uni den Rücken. Der Bonner Wissenschaftsrechtler Klaus Gärditz kommt zu dem Ergebnis, dass keine "rechtlich relevanten Verfahrensfehler" festzustellen sind.
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Universität ihren Vorwurf abgeschwächt hat. Der Promotionsausschuss wirft Schavan demnach nicht mehr vor, absichtlich getäuscht zu haben. Dennoch empfiehlt die Kommission laut dem Bericht dem Fakultätsrat, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten.
Steffen Stock: Auf den ersten Blick scheint es wirklich so, als ob jeder seine eigenen Zitierregeln hätte. Jedoch stellt man bei genauerer Prüfung fest, dass es eine Systematik – wenn auch mit unterschiedlichen Varianten – gibt, welche hinter all diesen Regeln steckt. Welche Variante man nimmt, ist strenggenommen egal, solange nicht gegen das Prinzip der Einheitlichkeit verstoßen wird. Damit ist gemeint, dass eine einmal gewählte Variante auch in der ganzen Arbeit konsistent beibehalten werden muss. Ich rate den Studierenden aber immer, sich frühzeitig nach den Anforderungen des jeweiligen Prüfers zu erkundigen und diese nach Möglichkeit umzusetzen. Eine Vereinheitlichung ist schwierig, da es die Freiheit von Forschung und Lehre gibt.
Was kann passieren, wenn man gegen die richtigen Regeln verstößt?
Debora Weber-Wulff: Sanktionen regeln die Prüfungsordnungen der Hochschulen.
Steffen Stock: Solange die wissenschaftlichen Prinzipien einheitlich in der ganzen Arbeit verwendet werden, kann aus meiner Sicht kaum was passieren. Es kann maximal zu einem Notenabzug kommen. Wichtig ist, dass die Einheitlichkeit beachtet wird. Kein Studierender muss Angst vor einem Plagiatsvorwurf haben, solange er die Quellen, aus denen er Gedankengut übernommen hat, korrekt zitiert – unabhängig davon, in welcher Notation dies erfolgt.
Frau Weber-Wulff, Herr Stock, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Weber-Wulff ist Medieninformatikerin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, außerdem gehört sie zum Kernteam von „VroniPlag“, Deutschlands größter Enthüllungsplattform. Die FDP-Politiker Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis verloren ihre Titel, nachdem „VroniPlag“ deren Doktorarbeiten analysiert hatte.
Steffen Stock ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Europäischen Fachhochschule (EUFH) in Brühl und lehrt dort u.a. auch wissenschaftliches Arbeiten. Er ist Mitherausgeber des Ratgebers „Erfolgreich promovieren“