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Richtig zitieren: Von der Angst, unbewusst zu plagiieren

Nach Karl-Theodor zu Guttenberg fürchtet Annette Schavan um ihr Lebenswerk – wegen Abschreibens. Haben sie es nicht besser gewusst? Studenten sind verunsichert. Zwei Experten erklären, worauf beim Zitieren zu achten ist.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) droht der Verlust ihres Doktortitels. Quelle: dapd
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) droht der Verlust ihres Doktortitels. Quelle: dapd

DüsseldorfHandelsblatt Online: An deutschen Unis herrscht Verunsicherung. Immer mehr Studenten und Doktoranden fragen sich, ob sie auch wirklich alles richtig gemacht haben. Sie haben Angst, dass sie unbewusst klauen. Was raten Sie so jemandem?

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Debora Weber-Wulff: Wer korrekt gearbeitet hat, gut exzerpiert hat und in eigenen Worte formuliert hat, braucht keine Angst zu haben. Wer aber per Copy & Paste große Brocken hier und da ohne Quellenangabe übernommen hat, könnte unter Umständen ein Problem haben.

So zitieren Sie richtig!

  • Direktes Zitat

    Ein direktes Zitat ist wortwörtlich. Es muss in Anführungszeichen gesetzt werden. Man sollte direkte Zitate nicht zu häufig verwenden, sondern nur, wenn sie griffig und gut formuliert sind. Danach zum eigenen, akademischen Schreibstil zurückkehren.

    (Quelle: Esther Breuer, Leiterin des Kompetenzzentrums Schreiben an der Kölner Universität im www.ksta.de)

  • Indirektes Zitat

    Bei einem indirekten Zitat gibt man die Gedanken eines Anderen wieder. Unbedingt die Quelle nennen. Man sollte versuchen, eigene Formulierungen zu verwenden.

  • Gegenstimmen

    Es sollten immer auch Gegenstimmen mit einbezogen werden.

  • Kritischer Blick

    Mit den wissenschaftlichen Texten sollte man kritisch umgehen: Nur durch die aktive Auseinandersetzung mit den Positionen Anderer kann sich die Wissenschaft weiterentwickeln.

  • Eigene Gedanken abgrenzen

    Es ist wichtig, die eigenen Gedanken von denen der anderen klar abzugrenzen, damit sich Eigen- und Fremdleistung für den Leser nachvollziehen lassen.

Steffen Stock: Die Studierenden und Absolventen sollen sich durch die aktuelle Diskussion nicht verrückt machen lassen. Natürlich ist es notwendig, dass sie sorgfältig arbeiten. Damit meine ich, dass bei der Übernahme von fremden Gedankengut auch die entsprechende Quelle in der Arbeit korrekt aufgeführt wird. Es darf nicht passieren, dass eine Quellenangabe versehentlich aus der Arbeit verschwindet.

Annette Schavan im Interview „Meine Dissertation ist kein Plagiat“

Trotz Plagiatsaffäre ist Schavan optimistisch bei ihrer Hochschulreform.

Besonders groß ist die Angst davor, dass ein indirektes Zitat ein direktes sein könnte – weil man vielleicht zu viele gleiche Wörter im Satz hat wie der Ideengeber. Was kann man tun, wenn man unsicher ist?

Debora Weber-Wulff: Das ist so gut wie ausgeschlossen. Deutsch ist eine so vielfältige Sprache, es ist extrem unwahrscheinlich, dass jemand über mehr als fünf bis sechs Wörter identisch formuliert, über ganz Seiten schon gar nicht. Auch wenn der Sachverhalt identisch ist – jeder Mensch formuliert leicht anders, setzt andere Schwerpunkten. Meine Studierenden schreiben zum Beispiel für jede Vorlesung eine Zusammenfassung der Inhalte. Ich bekomme 40 komplett unterschiedliche Versionen – bis auf diejenigen, wo Anfang des Semesters noch von Wikipedia abgeschrieben wurde.

Zehn Grundregeln zum wissenschaftlichen Schreiben

  • Thema

    Wählen Sie ein Thema, das Sie interessiert. Finden Sie Fragen, die Sie gern beantworten möchten und auch können. Tauschen Sie sich von Anfang an mit Bekannten darüber aus, egal ob diese Experten sind oder nicht.

    (Quelle: Kompetenzzentrum Schreiben der Universität Köln)

  • Fragen? Fragen!

    Sprechen Sie Ihr Thema mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten in einer Sprechstunde ab. Machen Sie sich vorher einen Notizzettel, auf dem steht, was Sie erfahren möchten. Verlassen Sie die Sprechstunde erst, wenn Sie alle Fragen geklärt haben.

  • Keine Panik!

    Machen Sie sich einen Zeitplan mit Start- und Enddatum. Planen Sie dabei auch Erholungsphasen ein und belohnen Sie sich nach den getanen Arbeitsschritten.

  • Lesen, lesen, lesen

    Überlegen Sie vor der Bibliographie, welche Aspekte für Ihre Aufgabe wichtig sind und suchen Sie danach die Literatur. Die bibliographische Liste sollten Sie mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten absprechen, da sie/er Sie auf weitere, wichtige Texte aufmerksam machen kann.

  • Der rote Faden

    Entwickeln Sie einen roten Faden für die Arbeit (z.B. anhand von Leitfragen), bevor Sie anfangen zu schreiben. Malen Sie diesen auf und hängen Sie ihn vor Ihren Schreibtisch, damit Sie ihn nie aus den Augen verlieren.

  • Struktur vor Inhalt

    Stellen Sie anhand dieses roten Fadens eine Gliederung auf und besprechen Sie diese mit Ihrer Dozentin/Ihrem Dozenten.

  • Zeit sparen

    Arbeiten Sie von Anfang an organisiert. Halten Sie neue Ideen, Fragen und relevante Auszüge aus der vorhandenen Literatur schriftlich fest. Sie sparen sich so viel Zeit.

  • Start mit dem Hauptteil

    Beginnen Sie mit dem Hauptteil. Schreiben Sie einen zusammenhängenden Text. Die Inhalte müssen aufeinander aufbauen. Einleitung und Schluss ergeben sich hieraus.

  • Die Korrigierer

    Schreiben Sie klar und präzise. Nur so können Sie Erkenntnisse vermitteln. Schreiben Sie grammatikalisch und orthographisch korrekt und lesen Sie mehrmals Korrektur. Fragen Sie auch Freunde, ob die Sie bei dieser Arbeit unterstützen können.

  • Dagegen sollten Sie niemals verstoßen!

    Halten Sie die von Ihrem Institut vorgegebenen Richtlinien ein. Viele Institute haben Leitfäden, die Sie in den Sekretariaten erhalten oder im Internet downloaden können.

Steffen Stock: Solange bei dem indirekten Zitat die korrekte Quelle angegeben ist und dies mal ausnahmsweise vorkommt, könnte es auch als Fehler beim wissenschaftlichen Arbeiten gewertet werden, was zu einem Notenabzug führen könnte. Aber dies lässt sich so pauschal nicht sagen, hier muss der Einzelfall geprüft werden. Wichtig ist, dass bei der Entnahme des Gedankengutes aus der Quelle sehr sorgfältig gearbeitet wird. Diese Sorgfalt, die natürlich Zeit kostet, kann den Studierenden aber die Unsicherheit nehmen.

Promis und Plagiate Alles nur geklaut?

  • Promis und Plagiate: Alles nur geklaut?
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  • Promis und Plagiate: Alles nur geklaut?
  • Promis und Plagiate: Alles nur geklaut?

Ab wann ist eigentlich die Rede vom Plagiat? Macht man sich schon des Betrugs schuldig, wenn man beim Zitieren fremder Gedanken ein, zwei falsche Fußnötchen setzt?

Debora Weber-Wulff: Betrug ist juristisch mit einem geldwerten Vorteil verbunden, es geht höchstens um Täuschung über die Urheberschaft. Ich finde den Begriff „Fußnötchen“ nicht in Ordnung. Man zitiert oder verwendet Fußnoten, um Beweise für unsere Aussagen zu liefern, um zu zeigen, was Kollegen bereits dazu geschrieben haben, um eine Aussage nachvollziehbar zu gestalten, um zu zeigen, dass man mit aktuellen Quellen arbeitet, die auch noch korrekt sind; man zeigt, dass man auch breit recherchiert hat und sich nicht nur auf eine Quelle verlässt – und natürlich als Schutz gegen Plagiatsvorwürfe. Man muss einfach klar stellen: Was ist von mir, was ist von anderen. Beginn und Ende markieren, Referenz setzen, fertig. Wo ist das Problem? Die Aufzählung oben stammt von Jude Carroll, eine englische Forscherin und Beraterin in Sachen Plagiat.

12 Karriere-Mythen

  • Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

    Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

    Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

  • Ohne Doktortitel geht es nicht

    „Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

  • Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

    Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

  • Nur wer sich anpasst kommt weiter

    Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

  • Der MBA ist ein Karriere-Turbo

    Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

  • Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

    Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

  • Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

    Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

  • Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

    Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

  • Der erste Job muss der richtige sein

    Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

  • Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

    Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

  • Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

    Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

  • In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

    „In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Steffen Stock: Bei zwei falschen Fußnoten wird sicherlich keine Geldstrafe verhängt. Sollte aber jemand eine falsche Versicherung an Eides statt abgeben, droht ihm nach § 156 Strafgesetzbuch (StGB) eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, sofern die eidesstattliche Erklärung im Landeshochschulgesetz festgeschrieben ist. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise können die Hochschulen eine solche Versicherung verlangen. Wer dagegen vorsätzlich verstößt, handelt ordnungswidrig. Für diese Ordnungswidrigkeit kann man eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro auferlegt bekommen.

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