Beruf + Büro

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Sexismus im Büro: „Hellblond, schwarz, feuerrot – das weckt Männerphantasien“

Eine Managerin eines Großunternehmens schildert anonym den Alltag der Anzüglichkeiten im Büro. Nach wie vor helfe Frauen gutes Aussehen beim Karriereeinstieg. Doch auch wer zu schön ist, hat es schwer.

Sexismus im Büro: Eine Debatte tobt. Quelle: Getty Images
Sexismus im Büro: Eine Debatte tobt. Quelle: Getty Images

Seit dem Stern-Artikel über anzügliche Bemerkungen des FDP-Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle tobt in Deutschland eine Debatte über Alltags-Sexismus. Eine Top-Managerin eines Großunternehmens mit Milliardenumsatz hat ihre Erfahrungen mit sexuellen Anspielungen im Büro in einem Buch mit dem Titel „Ganz oben. Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft“ aufgeschrieben. Aus Angst um ihre Karrierechancen, will sie anonym bleiben und schreibt unter dem Pseudonym „Anonyma“. Der Text ist das erste Kapitel aus dem Buch „Weniger ist mehr“, das im Januar 2013 im Verlag C.H. Beck erschienen ist.

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Eine schöne und attraktive Frau zu sein gilt im Leben nicht unbedingt als Nachteil, für den beruflichen Aufstieg in die Führungsetagen deutscher Wirtschaftsunternehmen stellt sehr gutes Aussehen jedoch oft ein Hindernis dar. Ich bin 1,75 m groß, nicht wirklich schlank und habe kurz geschnittenes, dunkles Haar. Ich finde mich durchaus nicht hässlich, entspreche aber mit meinem Aussehen nicht den klassischen oder stereotypen Kategorien weiblicher Schönheit. Das wird mir besonders dann bewusst, wenn ich mit Kolleginnen auf Dienstreise bin. Sind besonders hübsche Frauen darunter, drehen sich wildfremde Männer nach ihnen um, sprechen sie an, halten ihnen die Tür auf. Ich löse solche Reaktionen bei Männern in der Regel nicht aus und bleibe doch nicht unbemerkt.

Grundregeln für die Büro-Beziehung

  • Tratsch und Klatsch

    Flirten Sie nicht ganz so ungehemmt wie sonst. Jede Firma hat ihren Tratsch und Klatsch und Ihrer beruflichen Reputation wird es nichts nützen, wenn Sie die Medaille für den „Flirt des Jahres“ bekommen.

  • Zurückhaltung, bitte!

    Wenn Sie gezielt auf der Suche nach kurzfristigen Affären sind, so suchen Sie sich lieber ein anderes Spielfeld dafür.

  • Keine Vorteile

    Verschaffen Sie sich durch einen Flirt oder eine Beziehung keine Vorteile am Arbeitsplatz.

  • Bleiben Sie professionell

    Bleiben Sie auch in einer Beziehung professionell und behandeln Sie den anderen im beruflichen Kontext als Kollegen, Einkäufer, Dienstleister oder was auch immer und nicht als Partner. Wenn Sie das nicht schaffen, weil Sie dann zum Beispiel nicht so hart verhandeln können, dann lassen Sie sich in diesen Situationen vertreten oder Sie lassen sich ganz versetzen.

  • Missverständnisse vermeiden

    Lassen Sie besondere Vorsicht und Sorgfalt walten, wenn es sich um einen Flirt und vielleicht mehr mit einem Vorgesetzten oder Untergebenen kommt. Hier ist es besonders wichtig, von vornherein dafür zu sorgen, dass es keine Missverständnisse gibt und sich Dienstliches nicht mit Privatem vermischt.

  • Händchen halten

    Achten Sie auch in einer besonders verliebten Phase auf Ihre Kommunikation und Ihr Verhalten vor Kollegen. Händchen haltenden Kollegen sind nicht unbedingt gerne gesehen.

  • Auf die Arbeit konzentrieren

    Denken Sie daran, dass es Ihre bezahlte Arbeitszeit ist, die Sie im Unternehmen verbringen und dass Sie sich selbst große Probleme bereiten können, wenn Sie zu oft im Gespräch mit Ihrer neuen Liebe gesehen werden. Bedenken Sie auch, dass Ihre E-Mails gelesen werden könnten!

  • Zum richtigen Zeitpunkt öffentlich machen

    Überlegen Sie gut, wann ein geeigneter Zeitpunkt ist, die Kollegen darüber zu informieren, dass Sie nun ein Paar sind. Warten Sie auf jeden Fall einige Zeit ab, bis Sie diesen Schritt tun. Sie beide sollten sich sicher sein, dass Sie nun in einer festen Beziehung sind. Dann ist es auch wichtig, sich dazu zu bekennen, um eventuelle Gerüchte nicht erst aufkochen zu lassen und auch vorzubeugen, dass man Ihnen Interessenskonflikte vorwerfen könnte.

  • Gefühle sind Privatsache

    Sprechen Sie mit Kollegen nicht ausführlich über Ihre Beziehung und Ihre Gefühle – weder in einer frisch verliebten Phasen, noch wenn Sie sich doch trennen sollten. Bleiben Sie professionell, lächeln Sie und biegen Sie das Gespräch in eine andere Richtung, falls die Fragen zu hartnäckig sind.

  • Kommen und gehen

    Achten Sie darauf, nicht zusammen zu kommen und zu gehen, wenn Sie noch kein offizielles Paar sind.

  • Arbeitsessen oder Date?

    Sorgen Sie auch bei sich selbst dafür, dass Ihnen in einer Phase des Kennenlernens klar ist, ob Sie nun ein Arbeitsessen oder ein „Date“ haben.

  • Betriebsfeste

    Weihnachtsfeiern oder andere Betriebsfeste sind keine gute Möglichkeit, nach einigen Gläsern Wein all seinen Mut zusammen zu nehmen und vor der reizenden Kollegin aus der Buchhaltung auf die Knie zu sinken um ihr endlich zu sagen, wie wunderbar sie ist.

  • Die Zeit nach der Beziehung

    Bedenken Sie bei einer Beziehung im beruflichen Umfeld immer deren mögliche Endlichkeit (auch wenn das nicht sehr romantisch ist), schließlich wird inzwischen rund jede zweite Ehe geschieden. Das Haltbarkeitsdatum für Beziehungen ist also zumindest im Durchschnitt noch kürzer. Bedenken Sie einfach die Konsequenzen, was das für Konsequenzen für Sie, Ihren Beruf und Ihre Karriere hat, wenn Sie Ihre Beziehung nun öffentlich machen und diese in sechs Monaten wieder zu Ende ist. Die Erfahrung lehrt, dass Frauen meist den Kürzeren ziehen und mit negativen Folgen rechnen müssen.

    Quelle: Nandine Meyden, „Karrierekiller. Versteckte Fallen auf dem Weg nach oben“, Berlin 2011, ISBN: 978-3-430-20118-6

Meine 1,75 m Körperlänge und meine eher kräftige Statur sorgen dafür, dass man mich wahrnimmt. Ich falle durch meine Körperlichkeit auf, ohne bei fremden Männern sofort das Interesse an mir als Frau zu wecken. Anders ausgedrückt, sieht man in mir nicht primär die Frau, sondern mehr eine ernst zu nehmende, weil körperlich sehr präsente Person. Solche Einschätzungen laufen bei den Männern natürlich nicht bewusst ab; selbstverständlich würde keiner von ihnen behaupten wollen, eine große und starke Frau mehr ernst zu nehmen als eine, die eher klein und dünn ist. Und doch entspricht genau das der Wahrheit. Ich werde wahrgenommen, wenn ich einen Raum betrete, nicht weil ich ungewöhnlich schön bin, sondern weil ich durch meine Physiognomie auffalle.

Wer bei sexueller Belästigung hilft

  • AGG

    Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) soll Menschen schützen, die aufgrund der ethnischen Herkunft oder aus rassistischen Gründen, aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Weltanschauung, aufgrund einer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Identität Benachteiligungen erfahren. Es schafft die rechtliche Grundlage, wonach Diskriminierung verboten ist.
    Hauptsächliche Anwendung findet das AGG in der Arbeitswelt. Das bezieht beispielsweise Auswahlkriterien bei Bewerbungsverfahren, berufliche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Höhe der Arbeitsvergütung mit ein. Darüber hinaus gilt das Gesetz auch für Situationen im Alltag, in denen Diskriminierung stattfinden kann, beispielsweise bei Einkäufen, Gaststätten- oder Diskothekenbesuchen, sowie bei Rechts-, Versicherungs- und Bankgeschäften.

  • Antidiskriminierungsstelle

    Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist eine unabhängige Anlaufstelle für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Sie wurde 2006 eingerichtet, nachdem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten war.

    Zu den Aufgaben der ADS zählt:
    •über Ansprüche zu informieren
    •Möglichkeiten des rechtlichen Vorgehens zum Schutz vor Benachteiligungen aufzuzeigen
    •Beratungen durch andere Stellen zu vermitteln
    •eine gütliche Einigung zwischen den Beteiligten anzustreben.

    Außerdem macht die ADS Öffentlichkeitsarbeit, führt wissenschaftliche Untersuchungen durch und schreibt Berichte an den Deutschen Bundestag, die einen Überblick über Benachteiligungen geben und Empfehlungen beinhalten.

  • Hilfe

    Wer Opfer von Diskriminierung geworden ist, kann den Fall bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter der Hotline 030 / 18 555 / 1865 oder per Kontaktformular melden.

  • Diversity

    Diversity-Management ist ein Konzept, das die Vielfalt der Belegschaft berücksichtigt (z.B. Geschlecht, Alter, Behinderung, Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung, Lebensstil, biografischer Background), sie explizit fördert und wertschätzt.

Für meine Karriere war es ein unschätzbarer Vorteil, so auszusehen, wie ich aussehe. Dadurch, dass ich eher groß und nicht zu schmal bin, vermittle ich allein optisch, dass ich mich durchsetzen kann. Durch meine Körpergröße begegne ich den männlichen Kollegen im ganz konkreten Sinne auf Augenhöhe, ohne sie zu überragen. Das alles läuft ab, bevor überhaupt das erste Wort auf der inhaltlichen Ebene gewechselt wurde. Allein durch meine körperliche Beschaffenheit werde ich erst mal als gleichwertig ernst genommen, ohne auf der anderen Seite bei den meisten Männern an ihrem Selbstwertgefühl zu kratzen, was dann eintreten kann, wenn eine Frau sie alle überragt.

Verhängnisvolle Seitensprünge Die Sex-Affären mächtiger Männer

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Mit hohen Absätzen sieht es schon wieder anders aus. Bin ich dann größer als mein Gesprächspartner, schafft das eine unangenehme Atmosphäre. Man mag mich dann nicht. High Heels trage ich daher selten, was manchmal schade ist, denn auch ich interessiere mich durchaus für schöne Schuhe. Der dann kleinere Mann fühlt sich in meiner Anwesenheit nicht wohl. Ich merke das besonders, wenn kontrovers über etwas diskutiert wird. Er gibt dann häufig den dominanten Kollegen, der versucht, durch aggressives und lautes Gebaren den Raum zu erobern, der ihm körperlich nicht zufällt. Gerne bedient sich der kleinere Mann dann einer eindeutigen Körpersprache, er plustert sich auf, setzt den ausgestreckten Zeigefinger ein und verwendet harte Gesten. Eher schüchterne kleinere Männer vermeiden den direkten Blickkontakt mit mir.

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