50 Jahre Stiftung Warentest
Die unkontrollierten Tester

Seit 50 Jahren testet Stiftung Warentest Produkte – und immer wieder werden die Methoden kritisiert. Die Politik hat das Problem der unkontrollierten Tester erkannt und versucht gegenzusteuern.
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DüsseldorfVor 46 Jahren war die Stiftung Warentest noch ganz zahm. Als 1968 das erste Heft der Tester mit Qualitätsurteilen erschien, hießen die schlimmsten Bewertungen noch „weniger zufriedenstellend“ und „nicht zufriedenstellend“. Heute ist das Vokabular etwas drastischer: „Mangelhaft“ lautet das schlechteste Urteil, das ein Produkt bekommen kann. Immer wieder klagen Firmen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Ein halbes Jahrhundert ist es inzwischen her, dass die Stiftung Warentest vom damaligen Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker (CDU) ins Leben gerufen und mit ihrer ersten Satzung ausgestattet wurde. Seitdem hat die Stiftung in mehr als 5.000 Tests etwa 100.000 Produkte geprüft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte die Stiftung bei einer Feierstunde als „verlässliche Säule der Verbrauchermündigkeit“.

Doch gerade in den letzten Monaten wurde die Kritik an den Methoden lauter. Auslöser war ein Test von Nussschokoladen. Eine davon stammte vom deutschen Hersteller Ritter Sport. Stiftung Warentest hatte in der Sorte Voll-Nuss das Aroma Piperonal gefunden und behauptet, das Aroma müsse künstlich hergestellt worden sein – obwohl Ritter Sport damit wirbt, keine künstlichen Stoffe für seine Produkte zu verwenden.

Der Schokohersteller wehrte sich gegen die Behauptung, ein Gericht untersagte schließlich der Stiftung, sie weiter zu verbreiten. Ein großer Imageschaden für die Tester. Kritiker bemängeln zudem immer wieder, dass die Stiftung etwa bei Tests bei Schadstoffen eigene Qualitätskriterien anlegt, die teilweise deutlich strenger als die gesetzlichen Grenzwerte sind.

Darum rückte die Stiftung zuletzt auch in den Blick von Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD), der in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ Anfang Dezember Kritik an den Stiftung übte: „Wir haben uns die Frage gestellt: Wer testet eigentlich die Tester?“ Herausgekommen ist zum 1. Dezember eine freiwillige Selbstverpflichtung, die bereits die Stiftung Warentest, Ökotest und das Computermagazin c’t unterzeichnet haben. Darin verpflichten sich die Prüfer zu scheinbaren Selbstverständlichkeiten wie „Die Identität des Auftraggebers eines Tests wird offengelegt und muss klar erkennbar sein“ und „die Testkriterien, die Testmethoden, das Testverfahren und das Testurteil müssen transparent und für unbeteiligte Dritte nachvollziehbar sein“. „Die Verbraucher sollten wissen, woran sie sind“, sagt Maas.

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  • Das größere Problem der Stiftung ist wohl, daß viele Tests eine Show sind.
    Da werden ülötzlich bevor die Aufgaben an Testlabohrs verteilt wurden, Produkte in den Regalen ausgetauscht und so besteht das Establishment der Industrie glänzend. Danach kommen die üblichen Produkte, mit den üblichen Hakeleien in die Regale und die werden wegen der guten Tests glänzend abverkauft. Wer dafür verantwortlich ist, leigt im Dunklem, das können Mitarbeiter der Stiftung sein, deren Urlaub dann plötzlich üppiger ausfällt,,vielleicht werden manche auch wie Viele Politiker mit Beraterverträgen geködert, oder es verfallen plötzlich Mitarbeiter der Prüflabohrs oder die Einkäufer der zu testenden Produkte in hektische Telefonaktivität, sowas,geht nahezu ohne Risiko!
    Man sollte schon eine Menge an Testberichten und Erfahrungsberichten studieren, da ist mal Amazon ein gutes Beispiel, nur diejenigen, die ein Produkt gekauft haben, können eine Beurteilung hinterlassen, dass macht es für,die Schlitzohren von Industrie und Handel schwieriger, diese Foren durch diverse Internetagenturen zu verfälschen.

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