Abertis
Hochtief stellt sich auf lange Übernahmeschlacht ein

Die geplante Übernahme des Mautstraßen-Anbieters Abertis wird Hochtief noch lange beschäftigen. Konzernchef Fernandez Verdes rechnet mit einer Entscheidung in der Bieterschlacht erst in der ersten Jahreshälfte 2018.
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DüsseldorfDer Bauriese Hochtief stellt sich auf ein langes Tauziehen um den spanischen Mautstraßen-Betreiber Abertis ein. „Die Einreichung des Übernahmeangebots ist erst der Anfang eines formalen Prozesses“, heißt es in einer internen Mitteilung von Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes an die Mitarbeiter, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag. Dieser werde wohl bis „in die erste Jahreshälfte 2018“ andauern. Hochtief hatte am Mittwoch eine rund 17,1 Milliarden Euro schwere Offerte aus Barmitteln und Aktien für Abertis vorgelegt. Doch auch der italienische Atlantia-Konzern hat die Spanier im Visier und könnte sein Angebot noch einmal nachbessern, um Hochtief aus dem Rennen zu werfen.

„Gemeinsam mit Abertis können wir einen integrierten Infrastrukturkonzern mit einzigartiger globaler Ausrichtung schaffen“, begründete der Hochtief-Chef die milliardenschwere Offerte, für die ein Kreditrahmen von 15 Milliarden Euro bereitsteht. Zudem steht eine Kapitalerhöhung im Raum, die einen Gesamtwert von 3,6 Milliarden Euro umfassen könnte. Rechnet man von Abertis gehaltene eigene Aktien hinzu, wird der spanische Konzern insgesamt mit rund 18,6 Milliarden Euro bewertet. Der spanische Aufseher CNMV muss die Hochtief-Offerte nun prüfen, dies dürfte bis zu drei Monaten dauern.

Hochtief will mit einer Übernahme seine Wertschöpfungskette verlängern – der Essener Konzern könnte dann mit Abertis gemeinsame Projekte mit der öffentlichen Hand wie Maut-Autobahnen planen, bauen und betreiben. Hochtief winke damit Wachstum – unter anderem in Nordamerika und Australien, erklärte Fernandez Verdes. Pläne für Stellenstreichungen gebe es nicht, unterstrich er in dem Brief an die Mitarbeiter erneut. Vielmehr biete eine Verbindung mit Abertis „zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter auf allen Ebenen“.

Hochtief umgarnt die Investoren auch mit dem Versprechen höherer Dividenden. Ab 2018 könnte sich die Ausschüttungsquote in Richtung von 90 Prozent des Gewinns entwickeln. Independent Research-Analysten sehen dies als „äußerst attraktiv“ an. Doch sei der Milliarden-Kaufpreis nur dann vertretbar, wenn die von Hochtief versprochenen Synergien mit einem Nettobarwert von sechs bis acht Milliarden Euro tatsächlich erreicht werden könnten. Dies erscheine derzeit aber „sehr optimistisch“.

Die Hochtief-Offerte rief auch Atlantia auf den Plan. Das Angebot des von der Benetton-Familie kontrollierten Konzerns hat auf vergleichbarer Basis einen Wert von rund 15,7 Milliarden Euro. Atlantia sei bereit, alle Optionen für Änderungen an dem Angebot für Abertis zu prüfen, sagte Atlantia-Chef Giovanni Castellucci der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“. Eine Verbindung zwischen Atlantia und Abertis schaffe Werte für die Aktionäre.

Der Abertis-Vorstand erklärte, er sehe „industrielle und strategische“ Vorteile in der Atlantia-Offerte. Eine Kombination der beiden Unternehmen mache diese wettbewerbsfähiger und ergebe Wachstumsmöglichkeiten. Es gebe aber noch Raum für Verbesserungen, auch angesichts des konkurrierenden Hochtief-Angebots. Der größte Abertis-Anteilseigner, Criteria Caixa, sei aktuell bereit, die Atlantia-Offerte anzunehmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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