ADAC-Skandal
„Gelber Engel“ seit 2009 manipuliert

Ein Prüfbericht zeigt, dass der ADAC bereits seit fünf Jahren bei der Preisverleihung betrogen hat. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass sich der Skandal für den Autoclub auch darüber hinaus noch ausweiten könnte.
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MünchenDer Autofahrerclub ADAC hat fast zehn Jahre lang die Ergebnisse seiner Leserwahlen gefälscht. Zwischen 2005 bis 2013 sei die Rangliste des „Lieblingsautos“ der Deutschen zum Teil gravierend manipuliert worden, fanden die Wirtschaftsprüfer von Deloitte heraus, wie der ADAC am Montag mitteilte. So seien die Teilnehmerzahlen geschönt und auch die Reihenfolge der Gewinnermodelle verändert worden.

„Durch diese bewussten Veränderungen wurde eine größere Markenvielfalt in den Top-5-Ergebnissen erreicht“, hieß es. „Für sämtliche Jahre, die wir auswerten konnten, können wir eindeutig belegen, dass sowohl die Teilnehmerzahlen als auch die Stimmergebnisse bei der Wahl zum 'Lieblingsauto' des 'Gelben Engels' umfangreich manipuliert wurden“, erklärte Deloitte-Experte Frank Marzluf.

Den Ergebnissen zufolge kürte der ADAC etwa im Jahr 2010 die E-Klasse von Mercedes zum Lieblingsauto der Deutschen, obwohl die Leser der ADAC-Verbandszeitschrift „Motorwelt“ das A5-Cabrio von Audi zu ihrem favorisierten Modell gewählt hatten.

Bereits in der vergangenen Woche hatten die Prüfer erklärt, dass bei der jüngsten Preisverleihung getrickst worden sei. Nach dem mutmaßlich hauptverantwortlichen Kommunikationschef räumte auch Club-Präsident Peter Meyer im Streit mit seinen Präsidiumskollegen den Posten. Die Autokonzerne BMW, Volkswagen und Daimler kündigten an, ihre „Gelben Engel“ zurückzuschicken.

Der verbliebene ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair will sein Haus mit Transparenz aus der Krise führen. „Wenn wir unsere Glaubwürdigkeit wiederherstellen wollen, müssen wir für die vergangenen Jahre alle Preiskategorien so umfassend wie möglich auf Manipulationen untersuchen und die Ergebnisse veröffentlichen“, erklärte er. Deloitte nimmt derzeit noch die Ergebnisse der anderen Kategorien, in denen der „Gelbe Engel“ vergeben worden ist, unter die Lupe. Anfang kommender Wochen wollen die Prüfer dann ihre Resultate vorlegen.

Aus der Politik, die der ADAC zuletzt mit seinem Widerstand gegen die Pkw-Maut gegen sich aufgebracht hatte, ertönten erneut Forderungen nach tiefgreifenden Reformen. „Das sind jetzt Erkenntnisse, die alle Befürchtungen bestätigen. Das heißt, der ADAC muss wirklich klar Schiff machen“, verlangte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Der ADAC hat noch erhebliche Aufarbeitung vor sich.“ Es sei fraglich, „ob man weiterhin einen großen Konzern mit dem Mäntelchen eines Vereins umgeben kann“. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer schlug in die gleiche Kerbe. Der ADAC brauche „eine Reform an Haupt und Gliedern“, sagte der CSU-Chef.

Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer attackierte ADAC-Geschäftsführer Obermair. Der sei seiner Verantwortung nicht gerecht geworden, urteilt der Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen. „Da der Vorsitzende der Geschäftsführung des ADAC Obermair auch zukünftig die operativen Geschicke des ADAC lenken soll, stellt sich schon die Frage, wie neu tatsächlich die Neuausrichtung des ADAC ist.“

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " ADAC-Skandal: „Gelber Engel“ seit 2009 manipuliert"

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  • Unabhängig hiervon stellt sich für mich nach Betrachtung der öffentlich zugänglichen Daten zur Studie folgendes dar:

    Es wurden 5.092 Kunden von 49 Versicherungsunternehmen online befragt. Hierbei handelt es sich nach eigenen Angaben der Agentur um eine Stichprobe, die aufgrund der weiteren Beschreibung der Studie zufällig erfolgte.
    Es ist jedoch weder zu erkennen, wie diese zufällige Auswahl erfolgte (sprich ob es die Möglichkeit zu einer Manipulation gab) noch wieviele Personen überhaupt zu einer einzelnen Versicherung befragt worden sind. Rein statistisch betrachtet wären das 104 Kunden pro Gesellschaft gewesen. Allerdings wurde in der Studie nicht geprüft, ob die Angaben des Befragten stimmen, also ob er auch tatsächlich bei dem genannten Unternehmen versichert ist.

    Der ADAC sollte bis auf weiteres auf jegliche Auszeichnungen verzichten, bis der Skandal, der bereits zwei Rücktritte nach sich gezogen hat, vollständig aufgeklärt ist.
    Alles andere wird den Vertrauensverlust in den größten deutschen Automobilclub nur weiter verstärken.

  • Ich bin gerade dabei ein Gutachten zu den Leistungen des ADAC-Schutzbriefs zu erstellen.

    Das erste was mir bei meiner Recherche auffällt, ist die Homepage des ADAC. Gemäß dem Impressum wird die Seite vom ADAC e.V. betrieben, also einem eingetragenen Verein. Von diesem "Verein" ist aber nicht viel zu erkennen. Vielmehr geht es um Versicherungen, Finanzdienstleistungen, Reisevermittlung, Autovermietung und Mobilfunktarife.

    Weil der ADAC ein Verein ist, werden nur 10% seiner Mitgliedsbeiträge als steuerpflichtige Einnahmen angesehen. 90% kassiert der ADAC steuerfrei!

    Vielleicht sollte ich statt einem Gutachten über die Leistungen des ADAC-Schutzbriefes besser ein Gutachten darüber schreiben, wie Reisebüros, Finanzdienstleister und Mobilfunkanbieter sich ins Vereinsregister eintragen lassen können und damit auch 90% ihrer Einnahmen nicht mehr versteuern müssen.

    Aber es ist schon höchst interessant, was man auf der ADAC-Internetseite so alles findet:
    Auf der "Siegeltapete" (O-Ton) sind von 18 erhaltenen Auszeichnungen ganze 3 Stück Produktbezogen, 15 davon beruhen ausschließlich auf Kundenbefragungen bzw. Leserwahl.

    Ein Pressesprecher, der sowohl bei der Leserwahl als auch bei der Pannenstatistik die Zahlen "geschönt" hat, wird hoffentlich nicht die Zeit gehabt haben, auch bei diesen Ratings am ein oder anderen Rädchen "gedreht" zu haben.

    Wie kann eine Ratingagentur den Nachhaltigkeitspreis 2014 für Verantwortung und Kundenbetreuung bereits am 14.11.2013 verleihen..???

    Unabhängig hiervon stellt sich für mich nach Betrachtung der öffentlich zugänglichen Daten zur Studie folgendes dar:

  • Die Autokonzerne sollen mal nicht so scheinheilig tun. Wieso geht die Presse nicht den Fragen nach, warum und für wen der ADAC die Rangfolge er Pkw's manipuliert hat. Wollt ihr uns tatsächlich für dumm verkaufen? Was soll jetzt dieses zurückgeben der "Gelben Engel"? Die Autokonzerne werden doch für die Manipulation des Rankings Geld an den ADAC rübergeschoben haben. Die haben doch das Ranking nicht zum privaten Vergnügen gefälscht. Das Rusiko, dass die Nummer auffliegen könnte und das Vertrauen in den ADAC dann beschädigt ist, geht man doch nicht aus Spaß an der Freude ein. Trauen sich die Medien nicht da mal ein bisschen tiefer nachzubohren? Traurig, traurig!!

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