Airbnb

Angriff auf den Städtetrip nach Berlin

In Berlin darf Wohnraum ab dem 1. Mai nicht mehr als Ferienwohnung angeboten werden. Die Betreiber sind empört. Sie ziehen vor Gericht – und wollen die Europäische Union einschalten. Was hinter dem Airbnb-Gesetz steckt.
Der Städtetripp nach Berlin soll gesetzlich geregelt werden. Wohnraum darf dann nicht mehr an Touristen vermietet werden. Quelle: dpa
Frühling in Berlin

Der Städtetripp nach Berlin soll gesetzlich geregelt werden. Wohnraum darf dann nicht mehr an Touristen vermietet werden.

(Foto: dpa)

Berlin/FrankfurtDie Empörung kann und will Bernd Muckenschnabel nicht verbergen. Er ist Berliner. Und das, was in seiner Geburtsstadt derzeit passiert, empört den Aufsichtsratsvorsitzenden des Ferienwohnungs-Spezialisten Novasol – beruflich wie privat. „Das sind Restriktionen, wie es sie in keinem anderen Land Europas gibt. Und keiner sagt Stopp.“

Die Restriktionen – das ist die Neufassung des sogenannten Zweckentfremdungsverbots, das 2014 in Kraft trat, und am 1. Mai seine volle Wirkung entfaltet. Am kommenden Sonntag endet die zweijährige Übergangsfrist für Ferienwohnungsbetreiber. Wohnraum darf dann in Berlin nicht mehr an Touristen vermietet werden, es sei denn, man hat eine Ausnahmegenehmigung.

Es gibt solche Regelungen auch in anderen Städten. So haben etwa Hamburg und Köln bereits entsprechende Vorschriften. Auch in Paris gibt es klare Grenzen für die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen – mit dem Ziel, den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt in den bei Touristen wie bei Bürgern beliebten Metropolen zu entlasten.

Doch tatsächlich ist die neue Berliner Vorschrift besonders restriktiv. Wer dagegen verstößt, kann mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro belangt werden. Damit nicht genug: Die Berliner Senatsverwaltung hat eine Website geschaltet, auf der Nachbarn solche zweckentfremdeten Wohnungen melden können. „Wollen wir in Berlin wirklich ein Denunziantentum wie einst bei der Stasi“, wettert Muckenschnabel.

Welche Städte Reisende lieben – und welche nicht
Platz 10: Leipzig
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Der Tourismus in Deutschland boomt – auch weil viele Bundesbürger angesichts der internationalen Sicherheitslage lieber im eigenen Land urlauben. Mehr als 433 Millionen Übernachtungen verzeichneten das Internetportal Billiger.de und die statistischen Landesämter 2015, 12 Millionen mehr als im Vorjahr.

Den Anfang der Top-Ten macht Leipzig. Die größte Stadt Sachsens verbuchte 2015 mit 2.232.282 Übernachtungen ein Plus von 2,3 Prozent und damit 64.973 Hotelbuchungen mehr.

Quelle: Billiger.de/Statistische Landesämter

Platz 9: Nürnberg
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3.013.201 Übernachtungen verbuchte Nürnberg 2015, satte 188.947 Gäste mehr als 2014. Die Hoteliers der fränkischen Metropole verbuchten damit ein Plus von 6,7 Prozent.

Platz 8: Stuttgart
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2015 wurden in der Heimat von Spätzle und Mercedes 3.561.490 Übernachtungen gebucht. Das sind 2,7 Prozent beziehungsweise 95.162 Gäste mehr.

Platz 7: Dresden
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Ein guter siebter Platz für Dresden? Von wegen! Die regelmäßigen Aufmärsche der Pegida-Bewegung haben ihre Spuren hinterlassen. Zwar verbuchte Dresden im letzten Jahr 4.308.631 Übernachtungen. Das waren jedoch 133.265, beziehungsweise 3 Prozent Buchungen weniger.

Platz 6: Düsseldorf
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Der andere Verlierer in den Top-Ten heißt Düsseldorf, wenn auch nicht im selben Ausmaß wie Dresden: 4.403.960 Übernachtungen verbuchten die Hoteliers der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt 2015 – das waren 88.591 weniger als 2014.

Platz 5: Köln
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Platz 5 der deutschen Tourismus-Städte, Düsseldorf geschlagen: In der Domstadt darf man sich freuen. 5.984.881-mal blieben in Köln Gäste 2015 über Nacht. 247.905 Buchungen und damit 4,3 Prozent mehr als 2014.

Platz 4: Frankfurt am Main
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Den prozentual deutlichsten Zuwachs an Buchungen unter den zehn Top-Städten verzeichnet Frankfurt am Main. 630.816, beziehungsweise 7,8 Prozent mehr Übernachtungen verbuchte die hessische Landeshauptstadt 2015. Insgesamt registrierte Mainhattan 8.676.721 Übernachtungen.

Auch Olaf Bölte ist wütend. Der frühere Manager bei Sony Music bewirtet heute Gäste. Er fühle sich als „Räuber und Sittenstrolch“ verunglimpft, sagt er. Es ist etwas mehr als zehn Jahre her, dass er drei Wohnungen von der landeseigenen Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag erworben hat, um sie als Ferienwohnungen zu vermieten. Beim Notar habe man ihn noch zu seiner Idee beglückwünscht, sagt Bölte. Damals gab es in der Bundeshauptstadt noch einen Wohnungsleerstand. Und erst zwölf Millionen Übernachtungen im Jahr. Heute sind es knapp 30 Millionen.

Viele davon schlafen lieber in Ferienwohnungen als im Hotel. Nach Angaben des Deutschen Ferienhausverbandes entfallen jährlich 3,6 Millionen Übernachtungen auf die Branche. Die Gäste generieren einen Umsatz in der Stadt und der näheren Umgebung von immerhin 359 Millionen Euro. Das sind Ausgaben von 99,70 Euro, die jeder Tourist in der Stadt lässt.

„Ich habe Berlin auch gefördert“, sagt Bölte. Der Vermieter kann sich aber nun einen neuen Job suchen – und seine Investitionen begraben.

Auch auf Seiten der Politik gibt es starke Argumente. Die Mieten in Berlin steigen, junge Familien und alteingesessene Bewohner haben es immer schwerer, eine Wohnung in Innenstadtlage zu bezahlen. In Berlin-Kreuzberg gebe es mehr Ferien- als Mietwohnungen, beklagt der Berliner Mieterverein.

Die Betreiber von Ferienwohnungen streiten das ab. „Es geht um 14.000 Wohnungen, das sind 0,2 Prozent aller Wohnungen. Das soll wirklich helfen“, kontert etwa Göran Holst, Managing Director von Travanto Ferienwohnungen. Viele Ferienwohnungen seien zudem eher hochwertig ausgestattet, dort werde also kaum Wohnraum für sozial Schwache entstehen. Tatsächlich geht selbst der Berliner Senat davon aus, dass lediglich 4.000 Ferienwohnungen in regulären Wohnraum zurückgewandelt werden können.

Verfassungswidrige Zusätze
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