Aktionäre setzen sich durch
GSW feuert Führungsduo Kottmann und Freyend

Die Aktionäre des Wohnungsbaukonzerns GSW werfen den Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat Vetternwirtschaft vor. Den Rücktritt von Freyend und Kottmann forderte auch der Betriebsrat. Nun hat der Aufsichtsrat gehandelt.
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BerlinDer Wohnungskonzern GSW Immobilien macht nach der Investoren-Revolte einen personellen Neuanfang: Vorstandschef Bernd Kottmann und Chefaufseher Eckart John von Freyend würden ausscheiden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats mit. Nachfolger gebe es noch nicht.

Das Unternehmen war in eine Führungskrise geraten, nachdem Kottmann auf Betreiben des niederländischen Pensionsfonds PGGM bei der Hauptversammlung vor einer Woche von den Aktionären das Vertrauen entzogen worden war. Bei Freyend war der Versuch gescheitert. Das Votum war nicht bindend, aber ein starkes Signal an den Aufsichtsrat. Kottmann war erst seit April im Amt.

Kottmann und John von Freyend haben den Vorwurf der Vetternwirtschaft wiederholt zurückgewiesen. Beide kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim Büroimmobilienkonzern IVG, der inzwischen als Sanierungsfall gilt.

Kottmann werde mit sofortiger Wirkung freigestellt, sein Vertrag werde zum 15. Juli einvernehmlich aufgelöst, teilte GSW mit. Man sei aber weiterhin davon überzeugt, mit ihm einen hervorragenden Manager zur Führung der GSW gefunden zu haben. Die Suche für die Nachfolge werde unter Berücksichtigung externer und interner Kandidaten und Einschaltung eines Personalberaters erfolgen. Die Geschäfte würden zunächst von den Vorständen Jörg Schwagenscheidt und Andreas Segal geführt.

John von Freyend werde per Ende Juli zurücktreten, hieß es. Er scheide auf eigenen Wunsch aus. Die Nachfolge-Suche werde unter Einschaltung eines externen Personalberaters kurzfristig erfolgen.

Der Aufsichtsrat beschloss GSW zufolge zudem, ein unabhängiges Rechtsgutachten in Auftrag zu geben, das den gesamten vorangegangenen Auswahlprozess extern untersucht. Die GSW als einst größte Wohnungsbaugesellschaft des Landes Berlin hat ein Portfolio von rund 60 000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Aktionäre setzen sich durch: GSW feuert Führungsduo Kottmann und Freyend"

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  • Tatsache ist, dass GSW mit Dr. Kottmann einen ausgezeichneten Immobilienmanager verloren hat.
    Die erhobenen Vorwürfe im Hinblick auf seine frühere Tätigkeit bei der IVG oder die angeblich mangelnde Erfahrung im Berliner Wohnungsmarkt waren nichts anderes als Scheingeschäfte.

    Hier sollte ein Exempel statuiert werden, um den Einfluss ausländischer Aktionäre zu stärken. Jetzt wird jede Heuschrecke auf diesen Zug aufspringen.

    Wer schützt Unternehmen wie die GSW eigentlich vor durchgeknallten Kleinaktionären?

  • O-Ton GSW
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    GSW feuert Führungsduo Kottmann und Freyend
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    Das war allerhöchste Eisenbahn.

    Wer Aktien an einem Bestandhalter von Wohnimmobilien kauft der will wirtschaftliche Bestandhaltung, und gegebenenfalls den einen oder anderen opportunistischen Zukauf zum oder Verkauf aus dem Portfolio.

    Der alte von der Gagfah abgeworbene Vorstandsvorsitzende Zinnöcker hatte das vorzüglich gemacht.

    Während die - jetzt gechasten - Manager aus der IVG-Garde für Hochglanzprospekte, Frontloading, überteuerte Prestigeprojekte und Anlegerabzocke standen.

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    O-Ton GSW-Aufsichtsrat
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    Der Aufsichtsrat beschloss GSW zufolge zudem, ein unabhängiges Rechtsgutachten in Auftrag zu geben, das den gesamten vorangegangenen Auswahlprozess extern untersucht.
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    Blödsinn!

    Solange Entscheidungen von Menschen getroffen werden, gibt es falsche Entscheidungen.

    Das muß man leider hinnehmen - es kommt darauf an aus Fehlern zu lernen.

    Der neumodische Kinderglaube an die richtigen Prozesse wird daran nichts ändern - gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.

    Der Aufsichtsrat will sich hier nur auf Kosten der Aktionäre, die ja letztlich das Rechtsgutachten bezahlen müssen, einen Persilschein ausstellen.

    Rechtsgutachten und "richtige Prozesse" sind kein Ersatz für kaufmännisches Urteilsvermögen.

    Daran scheint es auch im Restaufsichtrat zu mangeln.

    Für die Eigentümer besteht deshalb weiter Handlungsbedarf.

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