Analyse Was die Abertis-Übernahme für Hochtief bedeutet

Die Übernahme des spanischen Mautbetreibers Abertis durch Hochtief, ACS und Atlantia bringt den Deutschen mehr finanziellen Spielraum für Großprojekte.
Update: 15.03.2018 - 19:21 Uhr Kommentieren

„In trockenen Tüchern“ – Hochtief übernimmt Abertis

„In trockenen Tüchern“ – Hochtief übernimmt Abertis

MadridUrsprünglich hatten weder der Essener Baukonzern Hochtief noch seine spanische Mutter ACS etwas mit dem spanischen Autobahnbetreiber Abertis am Hut. Doch jetzt wollen sie ihn zusammen mit der italienischen Atlantia übernehmen – und sehen in dem Deal auch noch wie die Gewinner aus.

Dabei haben sie erst ein Gebot abgegeben, nachdem die spanische Regierung zunächst heimische Unternehmen dazu ermuntert hatte. Madrid sah nicht gerne, dass seine Autobahnen in ausländische Hände geraten. Und das drohte, nachdem Atlantia im vergangenen Mai ein Kaufangebot für Abertis abgegeben hatte.

Zwar hat die spanische Regierung keine rechtliche Handhabe, einen solchen Kauf zu verhindern. Doch der Betrieb von Autobahnen ist ein Geschäft, bei dem die Betreiber tagtäglich mit der Regierung zu tun haben. Sie ist der Eigentümer der Straßen, sie schreibt den Betrieb dafür aus. Es ist für die Unternehmen der Branche deshalb wichtig, gute Beziehungen zur Politik zu pflegen. Das weiß der Mautbetreiber Atlantia genau.

Und so ließ er sich auf einen Deal mit ACS und Hochtief ein, statt das Hochtief-Gebot für Abertis zu toppen und einen kostspieligen Bieterwettbewerb zu riskieren. Die drei Unternehmen übernehmen die hochprofitable Abertis nun gemeinsam. Atlantia erhält 50 Prozent plus eine Aktie und kann Abertis daher in seinen Büchern konsolidieren, übernimmt allerdings auch die Schulden von Abertis in Höhe von 15 Milliarden Euro. Darüber hinaus zahlen die Italiener rund 2,5 Milliarden Euro, um rund 24 Prozent an Hochtief zu kaufen.

Für die Deutschen hat die Konstruktion keine offensichtliche Kehrseite. Im Gegenteil: Sie erhalten über eine Kapitalerhöhung 941Milliarden Euro von der Mutter ACS, die Hochtief-Aktien kauft. Anschließend verkauft ACS zwar 24 Prozent an Hochtief an die Italiener, behält aber weiterhin die Mehrheit an den Deutschen. Hochtief hat dadurch noch denselben Haupteigentümer, aber mit Atlantia einen neuen und vor allem finanzstarken Großaktionär.

Zusammen mit der stattlichen Dividende, die Abertis jedes Jahr ausschüttet, haben die Essener dadurch künftig viel mehr Spielraum, um große Projekte zu stemmen. Hochtief hat vor allem Infrastrukturprojekte der öffentlichen Hand im Sinn, die der Konzern im Verbund mit Abertis und Atlantia bauen und später auch betreiben will.

Wie das aussehen soll, hat sich bereits im Januar gezeigt: Da hat der Flughafen Los Angeles ein von ACS und Hochtief geführtes Konsortium zum bevorzugten Bieter für den Bau und anschließenden Betrieb einer Hochbahn ernannt, die zwischen den Terminals verkehren soll.

Atlantia, ACS und Hochtief haben große Pläne: Sie wollen der weltweit führende Konzern für Infrastrukturen werden und allein in den kommenden vier Jahren Aufträge im Wert von 200 Milliarden Euro an Land ziehen. Diese Projekte sind bereits in der Ausschreibungsphase, ließ Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes wissen, der seine Leute vor Ort bereits darauf angesetzt hat.

Atlantia wiederum könnte über Hochtief Zugang zu neuen Märkten bekommen, in denen die Italiener noch nicht vertreten sind, etwa in Nordamerika oder Australien. In wieweit diese Rechnung aufgeht bleibt abzuwarten. Bislang sieht es zumindest so aus, als hätten ACS und Hochtief einen für sich äußerst lukrativen Deal verhandelt.

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