ARD-Bericht
Briefunternehmen zahlen häufig Niedriglöhne

Viele Postfirmen stellen offenbar ihre Mitarbeiter nicht direkt an, sondern beauftragen Subunternehmen – und die zahlen viel zu wenig. Die Post sagt, sie könne das Lohnniveau der Servicepartner nicht beeinflussen.
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BerlinBei Briefunternehmen werden einem Bericht zufolge in vielen Fällen Niedriglöhne an die Arbeitnehmer gezahlt. Wie in der Paketbranche griffen viele Postunternehmen auf Subunternehmen zurück, die ihre Beschäftigten nur schlecht bezahlten, berichtete das ARD-Magazin „Kontraste" am Donnerstag. Ein Dienstleister der Deutschen Post etwa zahle Stundenlöhne zwischen sechs und sieben Euro - je nach Geschwindigkeit der Mitarbeiter.

In einem anderen Fall verdiene die Briefträgerin eines Subunternehmers des Post-Konkurrenten TNT Post lediglich 5,50 Euro pro Stunde. Die Briefe müsse sie zuhause sortieren und nicht in einem Zustellzentrum. Die Bundesnetzagentur, die für den Briefmarkt zuständig ist, zählt laut „Kontraste" rund 850 Postunternehmen.

Wie viele Subunternehmen diese beschäftigen, ist demnach unklar. Der Arbeitsrechtler Peter Schüren von der Universität Münster sagte in einem Interview mit dem Magazin, die Zustände bei Postfirmen zeigte "deutlich, wie dringend wir einen gesetzlichen Mindestlohn brauchen".

Die Deutsche Post erklärte auf Anfrage, sie selbst zahle „keine Dumpinglöhne", das Lohnniveau in dem Konzern liege zwischen 40 und 50 Prozent über dem der Wettbewerber. Einige Dienstleistungen seien allerdings - mit Zustimmung der Gewerkschaften - an „Servicepartner" ausgelagert. Dies helfe der Post, im Wettbewerb mit der Konkurrenz mithalten zu können.

„Diese Servicepartner erhalten eine Vergütung, die es ihnen erlaubt vernünftige, faire Löhne zu zahlen", sagte ein Post-Sprecher. „Wir haben aber keine Möglichkeit, auf das Lohnniveau der Servicepartner einzuwirken." Der Konzern achte aber darauf, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen strikt eingehalten würden. „Die Unstimmigkeiten bezüglich der uns von 'Kontraste' genannten Firma werden wir zum Anlass nehmen, den Sachverhalt vor Ort zu klären", fügte er hinzu.

Bei der Zustellung und dem Sortieren setze die Post keine Subunternehmer ein. Dies sei hingegen unter anderem beim Leeren von Briefkästen der Fall. Dort greife die Post unter anderem auf Apothekenlogistiker und Taxiunternehmen zurück. TNT Post konnte sich zu den Vorwürfen von „Kontraste" zunächst nicht äußern.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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