Asklepios
Klinik-Rivalen beharken sich mit juristischen Mitteln

Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen Asklepios-Manager. Ihnen wird Marktmanipulation und Nötigung vorgeworfen. Hintergrund ist der gescheiterte Versuch von Fresenius, Rhön-Klinikum zu übernehmen.
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Frankfurt Das juristische Tauziehen um die Vorherrschaft auf dem deutschen Krankenhausmarkt geht in die nächste Runde. Rhön-Klinikum -Gründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch habe Anfang Juli in München Strafanzeige gegen den Gründer und Gesellschafter des Hamburger Klinik-Rivalen Asklepios, Bernard Broermann, gestellt, bestätigte ein Sprecher von Münch am Montag. Der Vorwurf lautet auf Marktmanipulation und Nötigung. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Neben Broermann richtet sich die Anzeige auch gegen weitere Asklepios-Manager. Münch wird von der Anwaltskanzlei Bub, Gauweiler & Partner vertreten.

Die „Süddeutsche Zeitung“ (Montagausgabe) hatte zuerst über die Namen berichtet, nachdem die Münchener Staatsanwaltschaft am Freitag lediglich den Eingang der Anzeige und die Aufnahme von Ermittlungen bestätigt hatte.

Asklepios wies die Vorwürfe zurück. „Unsere Handlungen sind bekannt und transparent und wir können uns auch nicht einmal im Ansatz begründete Vorwürfe vorstellen“, sagte ein Sprecher. Alle Schritte und Äußerungen seien nur in Abstimmung mit einer im Kapitalmarktrecht erfahrenen Kanzlei vorgenommen worden. Asklepios werde mit der Staatsanwaltschaft Kontakt aufnehmen, um die Angelegenheit zu klären. Neben Broermann richtet sich die Strafanzeige unter anderem auch gegen Asklepios-Chef Ulrich Wandschneider sowie gegen den Finanzchef des Krankenhauskonzerns, Stephan Leonhard.

Hintergrund der Anzeige ist der gescheiterte Versuch des Gesundheitskonzerns Fresenius im vergangenen Jahr, Rhön-Klinikum zu übernehmen. Fresenius wollte zusammen mit dem eigenen Klinikbetreiber Helios den mit Abstand größten deutschen Krankenhauskonzern schmieden. Als entscheidendes Hindernis erwies sich eine in der Satzung von Rhön festgeschriebene 90-Prozent-Hürde für alle wichtigen unternehmerischen Entscheidungen. Denn der Rhön-Rivale Asklepios und der Medizintechnikkonzern B. Braun, die das Vorhaben verhindern wollten, brachten sich mit größeren Aktienpaketen in Stellung.

Auch ein geplanter zweiter Anlauf von Fresenius kam nicht zustande, bei dem sich der Gesundheitskonzern mit einer einfachen Mehrheit zufrieden geben wollte. Um dennoch die strategische Kontrolle zu bekommen, sollten allerdings Rhön-Aufsichtsratsmitglieder zugunsten von Fresenius bestellten Leuten zurücktreten. Durch einen Anwalt hatte Asklepios damals darauf hingewiesen, dass ein Rücktritt eine persönliche Haftung auslösen könnte. Darauf bezieht sich der Vorwurf der Nötigung in der Strafanzeige von Münch. Die Münchener Staatsanwaltschaft hat im Rahmen ihrer Ermittlungen auch die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet, die dem Vorwurf der Marktmanipulation nachgegangen ist. Wie eine Sprecherin am Freitag erklärte, fand die BaFin keine Anzeichen für eine Marktmanipulation.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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