Bahn-Vorstand Pofalla zum Klimagipfel
„Umweltfreundlichkeit muss bezahlbar sein“

Deutsche-Bahn-Vorstand Ronald Pofalla mahnt ein Klimaschutzabkommen an, das für die Industrie „vergleichbare Ausgangsbedingungen“ schafft. Die Bahn stellt sich schon jetzt auf den Klimawandel ein – etwa auf Stürme.

BerlinEx-Kanzleramtschef Ronald Pofalla ist im Januar zur Deutschen Bahn gewechselt. Seit dem 1. August ist er dort als Vorstand für Wirtschaft, Recht und Regulierung zuständig. Am Samstag fuhr der frühere CDU-Politiker gemeinsam mit Bundesministerin Barbara Hendricks (SPD) mit dem Sonderzug „Train to Paris“ zum Klimagipfel in die französische Hauptstadt.

Herr Pofalla, was erwarten Sie von Paris?
Meine Hoffnung ist, dass die Weltgemeinschaft die Chance nutzt und sich auf anspruchsvolle und zugleich realistische Ziele einigt – auf ein internationales Klimaschutzabkommen, mit dem Staaten rechtlich verbindliche Emissionsminderungen eingehen, damit es vergleichbare Ausgangsbedingungen für die Industrie geben kann.

Sie sind erst seit gut drei Monaten im Vorstand der Bahn – was für ein Ziel werden Sie sich setzen, um die Emissionen weiter zu senken?
Wir sind jetzt bereits sehr gut unterwegs: für 2020 hatte sich die DB ein Ziel von 20 Prozent spezifischer CO₂-Einsparungen gegenüber 2006 gesteckt. Das haben wir mit 23 Prozent schon 2014 übertroffen. Wir beraten gerade über neue Etappen und Ziele. Das muss aber auch bezahlbar sein.

Was ist entscheidend für Sie: CO₂-Emissionen in absoluter Höhe einzusparen oder auf den Umsatz bezogen?
Bei der DB wollen wir generell die Emissionen absenken. Unser Kurs dafür lautet: energieeffizient wirtschaften und auf erneuerbare Energien setzen. Im Schienenverkehr in Deutschland zählen wir fünf Millionen Tonnen weniger CO₂-Emissionen als 1990. Wir könnten aber sicher noch mehr leisten.

Könnten Sie mit gesetzlichen Vorgaben leben, um Unternehmen zu einem strikteren grünen Kurs zu bewegen?
Wenn es im Gegenzug Anreize und Ausgleich gibt, dann können wir damit umgehen. Nicht nachvollziehbar ist, dass gerade der klimafreundliche Schienenverkehr besonders belastet wird. Über 200 Millionen Euro im Jahr muss alleine die DB AG für die EEG-Umlage und CO₂-Emissionen zusätzlich aufwenden. Wir werden für unsere Klimafreundlichkeit quasi bestraft.

Werden Sie auch Zulieferer beziehungsweise Frachtunternehmen in die Pflicht nehmen?
Die Wahrung von Klimaschutz in der Lieferkette wird sich zu einem wichtigen Thema entwickeln, da bin ich mir sicher. Wir helfen unseren Kunden bei der Verbesserung ihres ökologischen Footprints, indem wir spezielle Angebote machen. Oder: Mit einigen großen Reedereien haben unsere Logistiker langfristige Verträge geschlossen, die eine Absenkung der CO₂-Emissionen pro transportiertem Seecontainer um 20 Prozent vorsehen. Die Schiffe fahren langsamer und energiesparender.

Gerade hat eine Studie der Bundesregierung gezeigt, dass durch Hitzewellen Schäden an der Infrastruktur drohen, also auch an der Schieneninfrastruktur. Welche Maßnahmen müssen Sie ergreifen, um sich an den schon jetzt unvermeidbaren Klimawandel anzupassen?
Nur ein kleines Beispiel: Die seit einigen Jahren zunehmenden Sturmtiefs setzen uns zu. Um Streckensperrungen durch umgestürzte Bäume auf Oberleitungen zu vermeiden, betreiben wir ein konsequentes Vegetationsmanagement. Wir arbeiten aber auch an Konzepten, wie bei Neubauprojekten extreme Witterungserscheinung baulich besser abgefangen werden können.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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