Bats überholt Nasdaq
Großfusion in US-Börsenbranche

Elektronische Börsen haben in den vergangenen Jahren enorm an Akzeptanz gewonnen – und werden immer mehr zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für klassische Handelsplätze. Nun fusionieren zwei elektronische US-Börsen.
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New York/FrankfurtNächste Großfusion in der internationalen Börsenlandschaft: Der US-Anbieter Bats Global Markets will mit dem kleineren Rivalen Direct Edge verschmelzen und so den zweitgrößten Handelsplatz für Aktien in Amerika schaffen. Die Deutsche Börse, die über ihre US-Derivate-Tochter ISE 31,5 Prozent an Direct Edge hält, unterstützt den Zusammenschluss. "Wir werden auf diese Weise Größenvorteile und Synergien erzielen und die Expansion des fusionierten Unternehmens vorantreiben", sagte ISE-Chef Gary Katz am Montag.

Die ISE ist derzeit größter Anteilseigner von Direct Edge und will auch an dem fusionierten Unternehmen beteiligt bleiben. Wie hoch der Anteil nach der Verschmelzung sein wird, wollten die Unternehmen nicht sagen - und hielten sich zunächst auch zu vielen anderen Details bedeckt. Allerdings deutet viel darauf hin, dass Bats den Ton bei dem neuen Unternehmen angeben wird. Alle Börsen, die der neue Konzern betreiben wird, sollen die Systeme von Bats nutzen. Die Firmenzentrale des Unternehmens soll im Großraum von Kansas City liegen, wo Bats beheimatet ist. Vorstandschef wird Bats-Chef Joe Ratterman, Direct-Edge-Chef Bill O'Brian ist als Präsident vorgesehen.

Eine fusionierte Börse könnte mehr Liquidität anziehen und ihr so mehr Handelsdaten bescheren - das würde die Umsätze erhöhen. Nyse Euronext, Nasdaq und Direct Edge nehmen bereits Gebühren für ihre Daten. Für die Börsen ist das eine stabilere Einnahmequelle als Gebühren aus dem Wertpapierhandel, die mit den Märkten schwanken. Runde 15 Prozent der 2,3 Milliarden Umsatz, die die Nyse macht, kamen 2012 aus dem Datengeschäft. Bats lässt sich von seinen US-Kunden erst seit dem 1. Juli für den Datenfluss bezahlen.

Bats und Direct Edge hätten schon mehrfach in Kontakt gestanden, aber die Bewertung von Direct Edge sei jeweils der Streitpunkt gewesen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen. Bats hatte im März 2012 Schlagzeilen gemacht, als der geplante Börsengang auf der eigenen Börsenplattform zum Fiasko wurde. Nach einer Serie technischer Pannen und einem Kurseinbruch beim Debüt zog Bats die Notbremse und sagte das IPO kurzerhand ab.

Mit der Fusion überholt der neue Konzern laut Firmenangaben die Nasdaq und wird hinter der Nyse zweitgrößter US-Handelsplatz für Aktien. Da die Deutsche Börse im US-Aktienhandel nicht aktiv ist, dürfte die Fusion für sie kaum Auswirkungen haben. Konkurrenz macht Bats den Frankfurtern aber mit der europäischen Handelsplattform Bats Chi-X Europe sowie einer US-Options-Börse. Die Transaktion, der die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen müssen, soll im ersten Halbjahr 2014 über die Bühne gehen.

Die Branche der Börsenbetreiber ist derzeit im Umbruch. Für die meisten Schlagzeilen sorgt dabei die US-Derivatebörse ICE, die den Rivalen Nyse übernimmt. Die europäische Mehrländerbörse Euronext könnte anschließend entweder an die Börse gebracht oder verkauft werden. Die Deutsche Börse hat deutlich gemacht, dass sie kein Interesse an der Euronext hat. Sie will künftig vor allem in Schwellenländern in Asien und Lateinamerika wachsen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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