Baubranche erholt sich: Phönix aus der Asche

Baubranche
Der Phönix aus der Asche

Die Baubranche erholt sich langsam, aber stetig. Die Verbände zeigen sich vorsichtig zuversichtlich. Die Unternehmen haben gute Gründe für die positive Stimmung – wären da nicht einige Sorgenkinder.
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BerlinWenn seine Zeit gekommen ist, dann verbrennt der Phönix, um aus seiner Asche wiedergeboren zu werden. Zumindest will es die griechische Mythologie so. Ein wenig erinnert die Baubranche in Deutschland derzeit an den Sagenvogel. Zwar ist nicht tot und war es nie. Aber die Industrie hat gelitten und ist geschrumpft, und das massiv.

Seit 2005 ist der Abwärtstrend gestoppt – und die Branche verzeichnet wieder Zuwachs, wenn auch nur leicht. 2016 konnten die deutschen Bauunternehmen erneut zulegen, und die Prognosen sehen für das laufende Jahr sehen nicht schlecht aus: Man gehe mit großer Zuversicht in das neue Jahr, sagten die Präsidenten der Branchenverbände HDB und ZDB, Peter Hübner und Hans-Hartwig Loewenstein, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. Und Zuversicht ist für die Branche schon viel. „Wir rechnen 2017 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent.“

Dass sich die Baubranche erholt, hat konkrete Gründe. Erstens: Der Wohnungsmarkt, der den stärksten Zuwachs verzeichnen konnte. Das liegt am steigenden Bedarf an Wohnungen durch Flüchtlinge, an der anhaltenden Binnenwanderung in die Städte, den niedrigen Zinsen und daran, dass Immobilien als Kapitalanlage weiterhin sehr gefragt sind.

Bis Oktober 2016 wurden nach Angaben der Verbände rund 20 Prozent mehr Wohnungsbauten genehmigt als im Vorjahr. Dadurch steigen auch die Umsätze. Die Verbände prognostizieren für 2017 ein Umsatzwachstum von rund sieben Prozent im Bauhauptgewerbe durch den Wohnungsbau. Und rechnen vor, dass der Bedarf damit immer noch nicht gedeckt sein wird.

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der HypoVereinsbank kommt zu dem Schluss, dass die Baubranche sogar bis 2020 wachsen wird, wenn auch nur vergleichsweise langsam mit 1,5 Prozent. Das Wachstum soll vor allem der Wohnungsbau bescheren, dort sei der Bedarf längst nicht gedeckt.

Zweitens: Auch der öffentliche Bau hat erneut zugelegt, denn es gab mehr Mittel für Investitionen vom Bund. So prognostizieren die Verbände ein Umsatzplus von fünf Prozent – und hoffen auch auf die Investitionsfreude der Länder und Kommunen.

Doch trotz der guten Prognosen sehen die beiden Präsidenten der Bauverbände nicht ganz glücklich aus: Der Wirtschaftsbau bleibt das Sorgenkind, denn die gewerbliche Wirtschaft will nicht investieren.

Warum? Faktoren gibt es aus Sicht der Verbandspräsidenten viele. Vor allem sind es außenpolitische Unsicherheiten: Die kriselnde EU, das in weite Ferne gerückte Freihandelsabkommen oder der Konflikt in der Ukraine. Auch innenpolitisch sehen sie Gründe für die fehlende Investitionslust der Wirtschaft. Trotzdem hoffen die Verbände auf ein leichtes Plus von drei Prozent beim Wirtschaftsbau.

Ein weiteres Sorgenkind: Der Nachwuchs in der Branche. Denn es gibt nicht genug – und wenn, dann wird er nach der Ausbildung von anderen Branchen abgeworben. Fachkräftemangel ist das Stichwort. Und das schlechte Image der Branche. Doch wie lässt sich das ändern? Noch haben die Verbände darauf keine zufriedenstellende Antwort.

Vielleicht auch deshalb sind die Gesichter nicht so glücklich. Peter Hübner: „Die Steigerungen sind auf niedrigem Niveau“, sagt er. Niemand wisse, wie lange es so weitergehe. „Geht es uns schlecht, geht es uns gut? Es geht uns halbgut.“

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