Baudienstleister
Gute Prognose für insolvente Imtech

Der vorläufige Insolvenzverwalter des Baudienstleisters bekommt viele Angebote von Kaufinteressenten – auch, weil er die Misere gut verpackt. Die Skandale um den Konzern klammert er vorerst aus.

HamburgFür den insolventen Baudienstleister Imtech zeichnet sich eine Lösung ab. Das meint zumindest der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt. Zahlreiche Interessenten stünden bereit, die die deutsche Tochter des niederländischen Konzerns übernehmen wollten – trotz der Skandale, in die Imtech vor der Insolvenz verwickelt war.

„Für uns ergibt sich ein weitaus positiveres Bild von Imtech, als wir es der Presse entnehmen“, sagte der Jurist vor Journalisten in Hamburg. „Wir haben in etlichen Gesprächen mit Kunden festgestellt, dass die Leistungen von Imtech hoch gelobt werden.“

Statt über Ermittlungen des Kartellamts, einen mutmaßlich bestechlichen Manager auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER und geschönte Bücher sprach er lieber über die Chancen des Unternehmens. Schließlich will Borchardt das Unternehmen bis Anfang November verkauft haben, um möglichst wenige Aufträge zu verlieren.

Imtech spielt vor allem bei der technischen Gebäudeausrüstung eine Rolle. Am 6. August meldete die deutsche Tochter Insolvenz an, kurz darauf die niederländische Mutter. 2014 kam Imtech in Deutschland mit 4210 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 860 Millionen Euro und machte einen operativen Verlust vor Abschreibungen von 126 Millionen Euro.

Bisher laufe das Insolvenzverfahren vielversprechend, sagte Borchardt. Gut 650 Bauprojekte liefen weiter, rund 150 unprofitable Projekte habe er nach der Insolvenzanmeldung gestoppt. Von den 4400 Service-Verträgen, bei denen Imtech etwa Gebäudetechnik wartet, hätte nur ein Kunde wegen der Insolvenz gekündigt. Daher nehme das Unternehmen aus diesen Quellen verlässlich Geld ein. „Der aktuelle Cashflow ist außergewöhnlich gut“, sagte Borchardt. Dennoch sei Eile geboten, um neue Aufträge akquirieren zu können.

Das Interesse von Investoren sei groß: 150 qualifizierte Anfragen seien eingegangen. Davon hätten 40 Interessenten in die Bücher geschaut. Fünf unverbindliche Angebote seien über den Partner EY bereits eingegangen, vor allem von Unternehmen aus der Branche, darunter auch ausländische Spieler, die einen Marktzugang suchten.

Im engeren Kreis der Investoren sei auch ein Finanzinvestor aus den Niederlanden. Daher sei davon auszugehen, dass Imtech als Ganzes erhalten bleiben könne. „Eine Zerschlagung ist nicht angestrebt. Im Gegenteil: Wir wollen das Unternehmen als Ganzes erhalten.“ Ziel sei neben der Befriedigung der Gläubiger auch, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Weitere Angebote sind möglich – entsprechend schilderte Borchardt die Lage rosig. Durch die Insolvenz sei Imtech die unrentablen Projekte losgeworden. Damit hat sich gewissermaßen die Restrukturierung der deutschen Tochter beschleunigt, die die Konzernmutter zuletzt nicht mehr bezahlen konnte. Jetzt arbeite das Unternehmen stabil weiter – etwa dank eines Fortführungsvertrags mit 140 Mitarbeitern am BER. Dank des Insolvenzgeldes der Arbeitsagentur sei die Liquidität gesichert.

Über 90 Prozent der Lieferanten seien dem Unternehmen in der Insolvenz treu. Auch die Auftragsbücher seinen gefüllt: Von Januar bis Juli 2015 seien bereits Aufträge im Wert von 330 Millionen Euro eingegangen. Im gesamten Vorjahr waren es 626 Millionen Euro.

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Gute Prognose für insolvente Imtech

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Rechtliche Aufarbeitung wohl erst nach dem Verkauf

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