Baudienstleistungen gehen an EQT
Bilfinger verkauft seine Ertragsperle

Der krisengeschüttelte Bilfinger-Konzern trennt sich von seinem Herzstück: Der Finanzinvestor EQT zahlt 1,2 Milliarden Euro für das Bau- und Immobiliengeschäft. Jetzt will Bilfinger wieder schwarze Zahlen schreiben.

Mannheim Der Baukonzern Bilfinger kappt in der Krise die letzten Wurzeln zu seiner bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Tradition. Das angeschlagene Mannheimer Unternehmen verkauft sein Bau- und Immobiliengeschäft für 1,2 Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT, wie Bilfinger am Donnerstag mitteilte. Bilfinger trennt sich damit von 40 Prozent seines Umsatzes und wird zerschlagen.

Übrig bleibt das Geschäft mit Industriediensten, das unter dem niedrigen Ölpreis und Investitionszurückhaltung in wichtigen Branchen leidet. Mit einem wesentlichen Teil des Erlöses soll die Sparte, die vor allem Anlagen im Energiesektor und in der Industrie konstruiert und wartet, wieder fit gemacht werden, wie Interims-Chef Axel Salzmann erklärte. Der Preis sei „sehr gut“. „Das schafft für Bilfinger den größten Wert und stärkt unsere Finanzkraft erheblich.“

Aufsichtsratschef Eckhard Cordes, vom Großaktionär und schwedischen Finanzinvestor Cevian installiert, erklärte, das Kontrollgremium stehe hinter dem Beschluss. Der Vorstand unter dem neuen Chef Thomas Blades, der noch nicht im Amt ist, werde attraktive Investitionsmöglichkeiten für das Industriegeschäft finden. „Und ich bin mir sicher, dass Cevian als Ankeraktionär dieses Vorgehen unterstützt.“

Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat hatten sich lange gegen den Verkaufsplan gesperrt. Die darin vertretenen Gewerkschaften IG BAU und IG Metall bezeichneten die Entscheidung als Fehler. "Wir warnen seit langem davor, dass der einst stolze Konzern Bilfinger durch ein chaotisch agierendes Management nicht zur Ruhe kommt", kritisierte der IG-BAU-Vizechef Dietmar Schäfers.

Bilfinger hatte seit Jahresbeginn einen Verkauf des Geschäftsfeldes geprüft. Insidern zufolge war neben den Arbeitnehmern auf der Eignerseite auch der frühere BASF-Vorstand John Feldmann im Aufsichtsrat mit dem Plan nicht einverstanden. Cevian habe den Abschied von "Building and Facility" dagegen vorangetrieben. Nachdem Feldmann im Streit sein Mandat kürzlich niederlegte, war der Weg frei.

Mit einer operativen Rendite von 4,8 Prozent war die Sparte im vergangenen Jahr die Stütze des Konzerns, die Industriedienste verdienten 3,5 Prozent. Die Bilfinger-Aktien legten als größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax am Donnerstag um mehr als acht Prozent auf 41 Euro zu.

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Konzern soll wieder schwarze Zahlen schreiben

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