Baukonzern beantragt Aufschub
Auch Imtech-Mutter kann nicht mehr zahlen

Nachdem Imtech Deutschland einen Insolvenzantrag gestellt hat, streicht nun auch die niederländische Mutter die Segel. Der Milliardenkonzern beantragt einen Zahlungsaufschub. Betroffen sind mehr als 22.000 Mitarbeiter.
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DüsseldorfEs ist vorbei. Noch vor zwei Wochen gab der Gebäudeausrüster Imtech bekannt, er befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit seinen Hausbanken über einen neuen Kredit. 150 Millionen Euro frisches Geld sollten dem Konzern zufließen, 75 Millionen davon innerhalb einer Woche. Doch statt einer Entspannung folgte ein dramatische Verschärfung der Lage.

Am 4. August meldete Imtech, die Verhandlungen mit den Banken kämen nicht voran. Die eingeplanten 75 Millionen Euro, die vor allem für die deutsche Tochter von Imtech benötigt wurden, trafen nicht ein. Am 7. August stellte die deutsche Imtech in Hamburg einen Insolvenzantrag.

Dann wurde es nur noch schlimmer. Freitag, das ganze Wochenende und auch am Montag verhandelte Imtech fieberhaft mit seinen Banken. Mehr als 40 Kreditinstitute mussten einen Kompromiss finden, fanden ihn aber nicht. Die Schulden von Imtech wurden am Finanzmarkt wie alte Schuhe gehandelt – teilweise gaben sich die Gläubiger mit fünf Prozent des Nominalwertes zufrieden, nur um die toxischen Papiere loszuwerden.

Der Aktienkurs von Imtech brach erneut ein. Innerhalb von nur zehn Tagen verlor die Aktie 90 Prozent ihres Wertes. Zuletzt lag der Kurs von Imtech, einem Unternehmen mit vier Milliarden Euro Jahresumsatz und 22.000 Mitarbeitern, bei 43 Cent.

Nun erfolgt der Radikalschnitt. Der Vorstandsvorsitzende Gerard van de Aast beantragte am frühen Dienstagmorgen beim District Court Rotterdam Zahlungsaufschub. „Leider mussten Vorstand und Aufsichtsrat das Unausweichliche tun und heute diesen Antrag stellen“, sagte van de Aast. „Es ist sehr enttäuschend, dass es nach all den Bemühungen von so vielen Beteiligten nicht möglich war, diese Situation zu vermeiden.“ Aber der Antrag sei vielleicht die beste Möglichkeit, um die Substanz des Unternehmens zu retten. Ein Antrag auf Zahlungsaufschub gilt dennoch als Vorstufe der Insolvenz.

Für die Aktionäre allerdings kommt jede Rettung zu spät. Noch im Oktober 2014 hatten sie bei einer Kapitalerhöhung neue Aktien im Wert von 600 Millionen Euro gezeichnet. Da der Markt kaum Interesse daran zeigte, mussten die beteiligten Banken einspringen, drei niederländische Geldinstitute und ein deutsches hielten anschließend insgesamt 47 Prozent der Anteile. Auf deutscher Seite erwischte es die Commerzbank – sie hält allein 11,8 Prozent an dem maroden Unternehmen.

Die Aktien, die einmal 70 Millionen Euro wert waren, brachten am Montag nur noch sechs Millionen Euro auf die Wage – und auch die muss die Commerzbank voraussichtlich abschreiben.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Baukonzern beantragt Aufschub: Auch Imtech-Mutter kann nicht mehr zahlen"

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  • Wie heißt es so schön? "Der Teufel sch.... immer auf den gleichen Haufen."

    Und das ist regelmäßig da, wo Papa Staat sich mal wieder als Unternehmer versucht.

  • Frau Anna Buschmann@
    Danke, das ist ein schöner Tag.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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