BER und Co.: Bestechung
Sauberer Norden, korrupter Süden

In Deutschland ist Bestechung auf dem Rückzug – auch dank Strafverfolgung und Ethikregeln in Firmen. Ganz anders sieht es in den südeuropäischen Ländern aus. Doch auch deutsche Firmen agieren längst nicht sauber, zeigt eine neue Studie.
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Neben „Pfusch am Bau“ gilt „Korruption am Bau“ als ebenso geflügeltes Wort. Tatsächlich gilt die Branche noch immer als besonders anfällig für Bestechung. Das zeigten zuletzt die Skandale am Pannenflughafen Berlin-Brandenburg BER. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in einem weiteren Fall: Ein ehemaliger Bereichsleiter des Flughafens soll Ende 2012 einen hohen zweistelligen Millionenbetrag ohne weitere Prüfung an den Gebäudeausrüster Imtech weitergeleitet und dafür Geld von dem niederländischen Unternehmen kassiert haben. Zuvor schon hatte ein Korruptionsskandal um den ehemaligen BER-Topmanager Jochen Großmann den neuen Berliner Hauptstadtflughafen erschüttert.

Derartige Fälle sorgen stets für großes Aufsehen in der Öffentlichkeit. Doch insgesamt scheint der Kampf gegen Korruption im Geschäftsleben in Deutschland erfolgreich zu sein – das zumindest beobachten führende Manager, die von der Unternehmensberatung EY befragt wurden. Die aktuelle Studie zeigt einen deutlichen Trend: Nur noch jedes vierte Unternehmen hält Bestechung und korrupte Methoden hierzulande für weit verbreitet. Vor zwei Jahren waren es noch 30 Prozent, vor vier Jahren sogar 46 Prozent.

Ein wesentlicher Grund für diesen Rückgang dürfte die Bekämpfung in den Unternehmen selber sein. Wir die EY-Untersuchung zeigt, ist die Zahl der Firmen mit Anti-Korruptionsregeln in den vergangenen Jahren deutlich auf 66 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte drohen ihren Mitarbeitern mit klaren Strafen im Bestechungsfall, 37 Prozent sind bereits gegen Mitarbeiter vorgegangen, die interne Compliance-Regeln verletzt haben. Diese Strategie der Firmen gilt als Grundlage für die ebenfalls verstärkte strafrechtliche Verfolgung von Korruption. Aus Sicht vieler Manager könnten die ethischen Regeln im eigenen Unternehmen aber noch durchaus härter formuliert werden.

Ganz anders als in Deutschland zeigt sich das Bild in den südeuropäischen Ländern. EY hat insgesamt 3800 Manager in Europa gefragt, ob sie Bestechung und korrupte Methoden im Geschäftsleben ihres Landes für weit verbreitet halten. So antworteten in Kroatien 92 Prozent auf diese Frage mit Ja, in Serbien waren es 84 Prozent. Aber auch in Portugal, Griechenland, Spanien und Italien ist Korruption aus Sicht der Manager noch immer ein fester Bestandteil des Geschäftslebens.

Sauberer Norden – korrupter Süden: Diese Trennlinie in Europa zeigt sich in der Studie deutlich. Als sauberstes Land gilt Dänemark, dort halten nur vier Prozent der Manager Bestechung für verbreitet, auf den weiteren Plätzen folgen Schweden, Finnland und der Schweiz. Deutschland kommt auf 26 Prozent.

Allerdings agieren die deutschen Unternehmen keineswegs sauber – so sind Tricks zur Schönung von Finanzergebnissen durchaus verbreitet. Rund ein Drittel der befragten deutschen Manager beobachtet dieses Phänomen. Dazu zählen Experten etwa Verhandlungen mit Lieferanten über rückwirkende Rabatte, eine zu geringe Ansetzung von Kosten und die vorgezogene Buchung von Umsätzen. Für EY ein klares Signal dafür, dass in Sachen Compliance Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinanderklaffen.

 

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