Berliner Flughafen Abriss nötig? BER-Chef kontert Lufthansa-Schelte

Der Berliner Flughafen erhitzt wieder die Gemüter: Ein Lufthansa-Manager prognostiziert den Abriss der Dauerbaustelle – der Flughafen-Chef hält dagegen.
Update: 18.03.2018 - 14:13 Uhr 6 Kommentare
Für Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ist die Abriss-Diskussion „Unsinn“. Quelle: dpa
BER-Chef

Für Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ist die Abriss-Diskussion „Unsinn“.

(Foto: dpa)

Berlin/New YorkLufthansa-Manager Thorsten Dirks hat eine neue Debatte über die Zukunft des Berliner Flughafens losgetreten. „Meine Prognose ist: Das Ding wird abgerissen und neu gebaut“, erklärte der Vorstand laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS).

„Das ist Unsinn“, entgegnete Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup in einem Gespräch mit dem „Tagesspiegel“. Er mahnte mehr Engagement der größten deutschen Airline für den Standort Berlin an. Nach mehreren Verschiebungen ist die Eröffnung des Flughafens im Herbst 2020 geplant – ursprünglich war diese für 2012 terminiert.

Dirks äußerte sich am Freitag auf dem „Unternehmertag am Tegernsee“. Die Lufthansa stehe vor dem Problem, dass ihre Ausstattung im Hauptstadtflughafen zwar installiert, nach jahrelanger Verzögerung der Eröffnung inzwischen aber bereits überholt ist, sagte er laut FAS. „Es war ja alles fertig zum ersten Eröffnungstermin, unsere Schalter, das Mobiliar“, sagt Dirks. 

Der ehemalige Telefónica-Chef wechselte im Mai 2017 zur Lufthansa. Quelle: Jödpa
Thorsten Dirks

Der ehemalige Telefónica-Chef wechselte im Mai 2017 zur Lufthansa.

(Foto: Jödpa)

Unterstützung erfährt Dirks von der Vize-Vorsitzenden des Verkehrsausschusses im Bundestag, Daniela Kluckert (FDP). „Angesichts der unseriösen Aussagen des Berliner Senats und der anderen Gesellschafter zu den bisherigen Eröffnungsterminen halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass die Lufthansa-Prognose zutreffend ist“, sagte Kluckert dem Handelsblatt.

Kluckert, die auch Vize-Vorsitzender der Berliner FDP ist, sprach sich vor diesem Hintergrund dafür aus, den Flughafen Tegel dauerhaft offen zu halten. „Unabhängig davon, ob der BER jemals eröffnet – was ich natürlich sehr hoffe –, wird der Flughafen Tegel gebraucht, da der BER ohnehin zu klein ist“, sagte Kluckert. „Es ist unverantwortlich, dass der Berliner Senat noch keine Vorkehrung getroffen hat, um den ab den 1. Januar 2020 fälligen Lärmschutz für die Tegel-Anwohner zu realisieren.“

Erst am Donnerstag hatte die Flughafengesellschaft bekanntgegeben, dass 750 Monitore für die Fluggastinformation ausgetauscht werden. Sie seien vor der 2012 geplanten Eröffnung eingebaut worden, sechs Jahre mit der allgemeinen Stromversorgung mitgelaufen und hätten nun das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Kosten der Austauschaktion: 500.000 Euro.

Die Lufthansa bemühte sich, die Aussagen des Managers zu relativieren. „Das war eine zugespitzte Äußerung, um auf das Ausmaß der Probleme am Flughafen hinzuweisen“, ein Sprecher der Billigfluglinie Eurowings, die Dirks leitet. Lufthansa habe auch keinen solchen Ratschlag geben wollen.

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup bekräftigte, dass der Flughafen im Oktober 2020 in Betrieb gehen sollen. Zwar gebe es erneut Verzögerungen, erklärte er gegenüber dem „Tagesspiegel“, betonte aber: „Die Baumaßnahmen sind weitestgehend fertiggestellt. Wir sind schon länger in der Phase der Sachverständigengutachten und der Mängelbeseitigung.“

Der Manager warf der Lufthansa vor, sich nicht ausreichend für den Standort zu engagieren. Hintergrund: Der Konzern stellt die Verbindung zwischen Berlin und New York ein. Diese hat er nach der Air-Berlin-Pleite in den Flugplan aufgenommen, um eine Lücke zu füllen. Die Flugzeiten sind jedoch unattraktiv, so beginnt der Hinflug um 5:35 Uhr.

Auch der Berliner Senat wies die Äußerungen von Dirks zurück. „Die drei Gesellschafter sind sich einig: Der Flughafen wird fertiggebaut“, erklärte eine Senatssprecherin gegen über der Nachrichtenagentur dpa. Am Bau des BER sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie die Bundesrepublik Deutschland beteiligt.

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6 Kommentare zu "Berliner Flughafen: Abriss nötig? BER-Chef kontert Lufthansa-Schelte"

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  • Ein Symbol des irrwitzigen Niedergangs Deutschlands.

  • Der Luftverkehr und dort insbesondere die Piloten kennen und wenden sicherheitsrelevante Strategien an. Bei Startproblemen gibt es ein Abbruch-Szenarion bis zum Punkt of no return. D.h. man hat eine mögliche Umkehr des ablaufenden Prozedur immer im Hinterkopf, falls unabwnedbare Gefährdungen auftreten. Warum soll mann immer mehr gutes Geld in einem nicht beherrschbaren Chaos versenken. Ein Abbruch oder auch ein Teilabbruch des Hauptgebäudes zur Auflösung der "selbstverschuldeten" Brandschutzkomplexität, könnte den Flughafen dann wohl doch noch eioner Nutzung zuführen. ...in abshebarer Zeit und mit kalkulierbereren Ressourcen.
    Kompliment an die Luftfahrtleute, dass der Mut für diesen unkonventionellen aber möglicherweise am besten zielführenden Vorschlag öffentlich platziert wurde.

  • Ist doch schön! Der BER wird ein einzigartiges Industriedenkmal. So wie die Zechen im Ruhgebiet. Nur dass er nächsten Generationen alles ohne Gebrauchsspuren zeigen kann. Das gibt es auf der Welt nur ein mal.

  • Großmäulige Sprüche, das ist das Einzige, was "Berlin" kann.

  • "Auch der Berliner Senat wies die Äußerungen von Dirks zurück. „Die drei Gesellschafter sind sich einig: Der Flughafen wird fertiggebaut“, erklärte eine Senatssprecherin gegen über der Nachrichtenagentur dpa."

    Wie wäre es, wenn man einen Teil des Flughafens zum Hochsicherheits-Gefängnis umbaut und dort alle Entscheider des Projekts einsperrt - mit Panoramascheibe für die Fluggäste die ab 2030 (???) dort landen können?

  • Ist doch ein offenes Geheimnis, dass der BER abgerissen werden muss!!!

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