Bilfinger
Auflösungserscheinungen beim Krisenkonzern

Bilfinger schreibt weiter rote Zahlen und kommt nicht zur Ruhe: Zwei Mitglieder des Aufsichtsrats verlassen den Konzern. Nach dem Rückzug von Vorstandschef Per Utnegaard ist das ein weiterer Schlag ins Kontor.

MannheimDie Quartalszahlen, die Bilfinger am Mittwochmorgen veröffentlicht hat, sind kein Grund zur Entwarnung. Der angeschlagene Dienstleistungskonzern schrieb auch im ersten Quartal 2016 rote Zahlen. Von Januar bis März belief sich der Verlust auf 76 Millionen Euro, nach 17 Millionen Euro im Vorjahr. Operativ erzielte Bilfinger einen kleinen Gewinn von 7 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 5 Prozent auf 1,348 Millionen Euro zurück.

Der Auftragseingang – im Vorjahr von großen Serviceaufträgen im Geschäftsfeld Building and Facility geprägt – verringerte sich um 14 Prozent auf 1,404 Millionen Euro, während sich der Auftragsbestand um 3 Prozent auf 4,741 Millionen Euro erhöhte. Das bereinigte Ebita lag mit 7 Millionen in der Größenordnung des Vorjahres.

Am Dienstagabend gab es allerdings schon wieder einen Paukenschlag in Mannheim: Nur einen Monat, nachdem Vorstandschef Per Utnegaard seinen Rückzug von der Konzernspitze bekanntgegeben hat, verlassen zwei Mitglieder des Aufsichtsrates das Unternehmen. Zum einen steht John Feldmann wegen unterschiedlicher Auffassungen im Aufsichtsrat zu Strategie und Positionierung von Bilfinger nicht mehr zur Verfügung. Zum anderen möchte Hans Peter Ring kurzfristig „aus persönlichen Gründen“ nicht mehr kandidieren. Ring soll ein Duzfreund von Aufsichtsratschef Eckhard Cordes sein.

Dass sich gleich zwei Mitglieder des Aufsichtsrates zurückziehen, wird in Unternehmenskreisen nicht gerade als Vertrauensbeweis für die Strategie des schwedischen Finanzinvestors Cevian gewertet. Cevian ist mit etwa 26 Prozent der größte Einzelaktionär. John Feldmann ist Vorstandschef der Kion Gruppe, einem Hersteller von Gabelstaplern. Hans Peter Ring war lange Jahre Finanzchef der Airbus Gruppe. Aufsichtsratschef Eckhard Cordes steht dagegen für eine Wiederwahl zur Verfügung. Drei neue Kandidaten stellen sich zur Wahl, darunter auch Marion Helmes, zuvor unter anderem Sprecherin des Vorstands des Arzneimittel-Großhändlers Celesio.

Die Rücktritte kamen einen Tag, nachdem Bilfinger mitgeteilt hat, die Konzernzentrale in Mannheim kräftig verschlanken zu wollen. Außerdem sollen die Divisionen und Gesellschaften im Segment Industrial reduziert, Unternehmensprozesse standardisiert und IT-Systeme harmonisiert werden. Mit diesen zusätzlichen Einschnitten im Industriegeschäft sollen bis zu 100 Millionen Euro eingespart werden.

Ursprünglich hatte Bilfinger angekündigt, bis zur Hauptversammlung bekannt zu geben, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Große Teile des Unternehmens stehen zum Verkauf. Zum einen das Kraftwerksgeschäft, das jedoch nur schwer einen Käufer finden dürfte, zum anderen die Sparte für Gebäudedienstleistungen Building and Facility, deren Verkauf immer noch geprüft wird. Angeblich sollen noch zwei Bieter im Rennen sein.

Sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Anlegern hatte der überraschende Abgang des Norwegers Per Utnegaard mitten in dem tiefgreifenden Umbau für zusätzliche Unsicherheit gesorgt. Linde-Manager Thomas Blades soll den Posten spätestens vom dritten Quartal an übernehmen.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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