Bilfinger: Baukonzern droht die Zerschlagung

Bilfinger
Baukonzern droht die Zerschlagung

Der kriselnde Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger erwägt den Verkauf wichtiger Unternehmensteile. Es geht um zentrale Bereiche der leistungsstärksten Sparte. Analysten halten eine Zerschlagung für möglich.

DüsseldorfDie Nachricht kam um Mitternacht: Der angeschlagene Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger habe von verschiedenen Interessenten Angebote für große Teile der Sparte Building and Facility erhalten. Die Sparte steht für Bau, Betrieb und Wartung von Gebäuden. Der Vorstand werde diese Angebote „im besten Sinne der Gesellschaft und ihrer Aktionäre einer näheren Prüfung unterziehen.“

Offenbar hatten potenzielle Käufer ihr Interesse an der Bilfinger-Sparte bekundet. Daraufhin habe Bilfinger professionelle Berater damit beauftragt, den Markt zu. Das hat wohl mehrere Angebote eingebracht, die nun „ergebnisoffen“ geprüft werden sollen. Wer die Bieter sind und ob sie nur einzelne Teile der Sparte oder größere Einheiten kaufen wollen, ist nicht bekannt.

Die Nachricht ist insofern ziemlich überraschend, als die Verantwortlichen bei Bilfinger immer beteuert hatten, an einer Zerschlagung des Unternehmens nicht interessiert zu sein. Bislang besteht Bilfinger aus drei Sparten: Gebäudemanagement, Bau und Wartung von Industrieanlagen sowie die Kraftwerkssparte. Letztere ist hochdefizitär, weshalb der neue Unternehmenschef Per Utnegaard bereits kurz nach seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer verkündet, sie zu verkaufen. Das Unternehmen sollte mit den verbleibenden beiden Sparten weitergeführt werden. Die jetzt zum Verkauf stehende Sparte Building and Facility wäre der Stützpfeiler der neuen Konstruktion gewesen. Hier erwirtschaften 23.000 Beschäftigte einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro.

Mit dem Verkauf der lukrativen Sparte wäre eine Zerschlagung des Konzerns nicht mehr ausgeschlossen. Bereits im Herbst hatte Unternehmenschef Utnegaard, der vom Mehrheitsaktionär Cevian eingesetzt worden ist, ziemlich deutlich gemacht, was er von einer Drei- oder Zweisäulenstrategie hält, nämlich: nichts. Es gebe keinerlei Synergien zwischen den Unternehmenssparten. Im Übrigen sei Bilfinger ineffizient und verkaufe seine komplexen Produkte zu teuer. „Ein Weiter so“ werde es nicht geben. Nach Aussage des DZ-Bank-Analysten Thorsten Reigber kann eine Aufspaltung der Gruppe nicht mehr ausgeschlossen werden. Die Nachricht könne aber Hoffnungen wecken, dass bei dem Unternehmen die Summe der Einzelteile doch mehr wert ist als der Konzern als Ganzes. Die Bilfinger-Aktien jedenfalls legten schon mal leicht zu.

Wegen hoher Abschreibungen auf das Kraftwerksgeschäft, das wegen der Energiewende praktisch eingebrochen ist, und Fehlern im Projektmanagement hat Bilfinger auch im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr hohe Verluste eingefahren. Finanzchef Axel Salzmann rechnet mit einem Minus von bis zu 540 Millionen Euro.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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