Bilfinger-Chef Roland Koch wirft hin

Warum der Politiker als Manager scheitert

Er stieß das Tiefbau-Geschäft ab, kappte Kosten, strich Stellen – nun muss Bilfinger-Chef Roland Koch selber gehen. Der Ex-Ministerpräsident kam als kompromissloser Macher – und scheiterte an den selbstgesteckten Zielen.
Update: 04.08.2014 - 21:41 Uhr 20 Kommentare
Der Vorstandsvorsitzende des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, gibt sein Amt auf. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, gibt sein Amt auf.

(Foto: dpa)

MannheimEr kam als schillernde Figur – und geht als Verlierer. Die Tage Roland Kochs an der Spitze des Industriedienstleisters Bilfinger sind gezählt. Am Montagabend gab Hessens ehemaliger Ministerpräsident seinen Rücktritt bekannt. Er war das Paradebeispiel des Politikers, der in die Wirtschaft wechselt.

Nun wird sein Vorgänger Herbert Bodner auch sein Nachfolger, zumindest übergangsweise. Kochs Vision von Zentralisierung brachte unterm Strich nicht das gewünschte Ergebnis. Am Ende wurden ihm zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit zum Verhängnis. Die Zahl der Kritiker wuchs stetig.

Das war zu viel für ein Traditionsunternehmen, das einst als sehr verlässlich galt in der Einhaltung seiner Prognosen. Das Vertrauen am Kapitalmarkt sei erschüttert, erklärte Koch – und zog die Reißleine. Wie überraschend diese Entscheidung tatsächlich kam oder ob er schon länger diesen Schritt in Erwägung gezogen hatte, bleibt erst einmal sein Geheimnis. „Ich hoffe, mit meinem Angebot eine schnelle Normalisierung herbeiführen zu können.“ Er nannte Differenzen mit dem Aufsichtsrat, in dem es schon länger Spannungen gab – massiv seit der ersten Gewinnwarnung.

Auch beim in der Branche als streitbar bekannten Bilfinger-Großaktionär Cevian Capital dürfte die zweifache Prognosesenkung in kurzer Folge und der dadurch ausgelöste Kursrutsch alles andere als Begeisterung ausgelöst haben. Der Investor hat im Mai seinen Anteil an Bilfinger auf mehr als ein Fünftel aufgestockt.

Eine Veränderung der Besetzung des Vorstands sei nicht geplant, hieß es damals. In der Branche gilt der Investor aber generell als ein aktiver Spieler. Auch von dieser Seite dürfte für Koch zuletzt der Druck deutlich zugenommen haben. Der Bilfinger-Aktienkurs ist seit April 2014 um mehr als ein Drittel eingebrochen. Die Nachricht von Kochs Abschied schickte die Bilfinger-Aktie weiter auf Talfahrt. Das Papier verlor am Dienstag zwischenzeitlich bis zu 14 Prozent an Wert.

Koch dreht den Konzern seit Monaten auf links, kappt Kosten, streicht Stellen und treibt die Zentralisierung voran – auch gegen interne Widerstände. Kürzlich kehrte Koch sogar dem Tiefbau den Rücken, mit dem bei dem Unternehmen einst 1880 alles losging.

Die Kritik wuchs stetig
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20 Kommentare zu "Bilfinger-Chef Roland Koch wirft hin: Warum der Politiker als Manager scheitert"

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  • Wen wundert das?
    Politiker sind überversorgt, meistens "überqualifiziert"
    und vor allem "lernfähig".

  • es gilt der alte spruch...."er war/ist jurist und auch sonst von............stand.".

  • ja die lobbyisten
    gut das es etwas gerechtigkeit gibt

    erst hat der koch die verwaltung zusammengebruzzelt
    so dass heute kein staatl. großprojekt zum schätzpreis erstellt wird, kein schupo auf den strassen zu sehen ist etc.
    nun richtetete er auch noch mit den leersätzen der
    mac kinsey`s großbetriebe zu grunde
    die haben wenigstens noch eigner die solchem treiben ein ende setzen können.



  • Management ist eben mehr als nur massiv Mitarbeiter entlassen; Koch ist absolut kein Verlust.

  • Koch war mir noch nie sympatisch. Er ist ein pragmatischer Strippenzieher ohne Empathie für irgendetwas und Überzeugungskraft noch Ehrlichkeit. Mich hatte er nie überzeugt, auch nicht als Ministerpräsident. Ich hätte ihm weder Hund noch Aquarium im Urlaub anvertraut.

    Er diente immer nur dem Geld. Ach wie toll. Das eint sie doch alle !!

    ---

    Die Deutschen wehren sich gegen die GEZ-TV-KRAKE.

    Lt. BILD sind 14 Millionen Mahnverfahren bei GEZ-Gebührenzentrale anhängig. Bei 80 Millionen Einwohnern sollte man mal die dazugehörigen Haushalte zusammenzählen, die GEZ-Steuern zu zahlen haben.

    Das sind doch fast ALLE 14 Millionen Haushalte in Deutschland, die in Verzug bei GEZ sind. SUPER. KLASSE. WEITER SO:

    KEINE LASTSCHRIFTVERFAHREN. IMMER NUR SPORADISCH MAL 10 und mal 15 EUR überweisen alle 1-2 Monate. LASS DIE DOCH MAHNEN !!!

    Bis endlich GEZ "Beitragsservice" abgeschafft wird !!!

    MITMACHEN !

  • Koch war mir noch nie sympatisch. Er ist ein prakmatischer Strippenzieher ohne Empathie für irgendetwasund Überzeugungskraft noch Ehrlichkeit. Mich hatte er nie überzeugt, auch nicht als Ministerpräsident. Ich hätte ihm weder Hund noch Aquarium im Urlaub anvertraut.

    Er diente immer nur dem Geld. Ach wie toll. Das eint sie doch alle !!

  • nach wie vor bin ich der Meinung, dass dieses wieder ein Beispiel dafür ist, dass wir in der Politik 3. und 4. Wahl am Start haben. Wer geht denn in die Politik? Doch nicht die wirklichen Köpfe, um sich von jedem ans Bein pinkeln zu lassen!

    In die Politik gehen die Profilneurotiker, Schönschwätzer und "Gezielt-Absicherer". Der Beweis wird immer dann offenkundig, wenn es um klar nachweisbare Fakten geht. Dafür haben wir im Momant an jeder Hand 10 Beispiele.

  • Da haben ja viele drauf gewartet das Roland dilettiert.
    Jetzt gibt es Spott und alte Themen (Landebahn) werden wieder aufgewärmt.
    Ich gebe ja zu, sympathisch ist er nie gewesen. So richtig gut war er auch nicht (egal wo).
    Nur was kam nach Koch in der Politik? Grün - Schwarz!
    Die Damen und Herren die keine Landebahn wollen müssen sich jetzt mal fragen wer ihre Themen gerade transportiert. Niemand? Vielleicht brauchen wir ja auch eine Landebahn? Irgendwo halt!
    Was kommt nach Koch bei B&B? Der alte Chef, der hoffentlich das Geschäft besser versteht. Bin mal gespannt, ob dieser die Probleme die die Energiewende (haben wir eigentlich schon gewendet) so mit sich bringt in den Griff bekommt.
    Nein, ich bin kein Freund von Koch, War auch nicht begeistert das er die LKW Maut Anlage nutze um alle Nummernschilder zu registrieren.
    Er wird weder bei B&B noch in der Politik vermisst werden!
    Ich frag mich nur, wo sind die Alternativen?

  • Die Politik scheitert immer an der Markt-Realität.
    Sobald diese Politiker aus ihren von uns Steuerbürger gesponsorten Parteiensessel in das wahre Leben (Marktgesellschaft) kommen, erleben diese "unwirtschaftlichen" von uns Steuerzahlern angefütterten Politiker ihr böses erwachen....Berlinger Hauptflughafen, Elbphilharmonie usw. Das größte Übel für unsere Marktgesellschaft und damit Bürgerfreiheit ist die POLITIK/POLITIKER.

  • Man kann es nur wiederholen! In der Politik hat er versagt! Als Boss eines Unternehmens hat er nun auch versagt!

    Es zwingt sich die Frage auf, wo wirkt er denn als nächstes?
    Geht er wieder in die Politik?

    Gefallene politische Figuren findet man doch im großen Auffangbecken der EU in Brüssel!

    Koch bald in Brüssel?

    Grausam !

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