Bilfinger-Chef Roland Koch wirft hin
Warum der Politiker als Manager scheitert

Er stieß das Tiefbau-Geschäft ab, kappte Kosten, strich Stellen – nun muss Bilfinger-Chef Roland Koch selber gehen. Der Ex-Ministerpräsident kam als kompromissloser Macher – und scheiterte an den selbstgesteckten Zielen.
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MannheimEr kam als schillernde Figur – und geht als Verlierer. Die Tage Roland Kochs an der Spitze des Industriedienstleisters Bilfinger sind gezählt. Am Montagabend gab Hessens ehemaliger Ministerpräsident seinen Rücktritt bekannt. Er war das Paradebeispiel des Politikers, der in die Wirtschaft wechselt.

Nun wird sein Vorgänger Herbert Bodner auch sein Nachfolger, zumindest übergangsweise. Kochs Vision von Zentralisierung brachte unterm Strich nicht das gewünschte Ergebnis. Am Ende wurden ihm zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit zum Verhängnis. Die Zahl der Kritiker wuchs stetig.

Das war zu viel für ein Traditionsunternehmen, das einst als sehr verlässlich galt in der Einhaltung seiner Prognosen. Das Vertrauen am Kapitalmarkt sei erschüttert, erklärte Koch – und zog die Reißleine. Wie überraschend diese Entscheidung tatsächlich kam oder ob er schon länger diesen Schritt in Erwägung gezogen hatte, bleibt erst einmal sein Geheimnis. „Ich hoffe, mit meinem Angebot eine schnelle Normalisierung herbeiführen zu können.“ Er nannte Differenzen mit dem Aufsichtsrat, in dem es schon länger Spannungen gab – massiv seit der ersten Gewinnwarnung.

Auch beim in der Branche als streitbar bekannten Bilfinger-Großaktionär Cevian Capital dürfte die zweifache Prognosesenkung in kurzer Folge und der dadurch ausgelöste Kursrutsch alles andere als Begeisterung ausgelöst haben. Der Investor hat im Mai seinen Anteil an Bilfinger auf mehr als ein Fünftel aufgestockt.

Eine Veränderung der Besetzung des Vorstands sei nicht geplant, hieß es damals. In der Branche gilt der Investor aber generell als ein aktiver Spieler. Auch von dieser Seite dürfte für Koch zuletzt der Druck deutlich zugenommen haben. Der Bilfinger-Aktienkurs ist seit April 2014 um mehr als ein Drittel eingebrochen. Die Nachricht von Kochs Abschied schickte die Bilfinger-Aktie weiter auf Talfahrt. Das Papier verlor am Dienstag zwischenzeitlich bis zu 14 Prozent an Wert.

Koch dreht den Konzern seit Monaten auf links, kappt Kosten, streicht Stellen und treibt die Zentralisierung voran – auch gegen interne Widerstände. Kürzlich kehrte Koch sogar dem Tiefbau den Rücken, mit dem bei dem Unternehmen einst 1880 alles losging.

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Die Kritik wuchs stetig

Kommentare zu " Bilfinger-Chef Roland Koch wirft hin: Warum der Politiker als Manager scheitert"

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  • Wen wundert das?
    Politiker sind überversorgt, meistens "überqualifiziert"
    und vor allem "lernfähig".

  • es gilt der alte spruch...."er war/ist jurist und auch sonst von............stand.".

  • ja die lobbyisten
    gut das es etwas gerechtigkeit gibt

    erst hat der koch die verwaltung zusammengebruzzelt
    so dass heute kein staatl. großprojekt zum schätzpreis erstellt wird, kein schupo auf den strassen zu sehen ist etc.
    nun richtetete er auch noch mit den leersätzen der
    mac kinsey`s großbetriebe zu grunde
    die haben wenigstens noch eigner die solchem treiben ein ende setzen können.



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