Bilfinger-Chef Utnegaard
„Uns fehlt eine Cash-orientierte Kultur“

Nach den Horrorjahr 2015 steht Bilfinger weiter unter Druck. Vorstandschef Per Utnegaard mahnt weitere Veränderungen an – und dürfte wohl in der Mannheimer Zentrale kürzen. Die Dividende fällt wegen der roten Zahlen aus.

MannheimDer gesunkene Ölpreis und die verhaltene Weltkonjunktur setzen den kriselnden Bau- und Ingenieurdienstleister Bilfinger weiter unter Druck. „Wir erzielen wesentliche Umsätze mit Kunden aus den derzeit schwierigen Branchen Energie sowie Öl und Gas, somit rechnen wir insgesamt mit einem rückläufigen Volumen in unserem Geschäft“, erklärte das Unternehmen in dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht zu 2015. Die Kunden im Öl- und Gasgeschäft, für die Bilfinger Anlagen entwirft, baut und wartet, hielten sich mit Investitionen und Instandhaltungsaufträgen zurück. Der Wettbewerb werde deshalb noch aggressiver werden.

In einem Brief an die Aktionäre schreibt Vorstandschef Per Utnegaard, dass die Marke Bilfinger im Markt zwar immer noch hohes Ansehen genieße, dass es aber auch viel zu verbessern gebe. Die Organisation sei zu komplex und arbeite nicht profitabel genug, erklärt Utnegaard. Das heißt wohl, dass die Verwaltung in der Mannheimer Zentrale Federn lassen muss. „Uns fehlt eine Cash-orientierte Kultur, und unsere internen Prozesse sind zu langsam.“ Im Zuge der Neuausrichtung solle sich Bilfinger auf seine Stärken besinnen, nämlich auf zwei starke, unabhängige Geschäftsfelder, also Industrial und Building and Facility. Darüber hinaus solle sich Bilfinger künftig auf das Geschäft in Europa konzentrieren. Weitere Details zur Strategie will Utnegaard im Mai dieses Jahres bekanntgeben.

Die Rahmendaten seiner Jahresbilanz hat Bilfinger schon im Februar veröffentlicht. Der Konzern hat wegen des Einbruchs im Kraftwerksgeschäft im vergangenen Jahr einen Rekordverlust erlitten. Der Fehlbetrag summiert sich auf 489 Millionen Euro nach einem Minus von 71 Millionen Euro im Vorjahr. Gründe für den hohen Verlust: Eine hohe Firmenwertabschreibung, ein hoher operativer Verlust in der Sparte Power und sowie Kosten für Restrukturierung und Compliance.

Die Leistung wird nach der Prognose von Bilfinger in diesem Jahr deutlich – und damit um mehr als fünf Prozent – sinken gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert von 6,2 Milliarden Euro. Hierbei ist das inzwischen verkaufte Geschäftsfeld Water Technologies herausgerechnet. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) (2015: 164 Millionen Euro) und der Nettogewinn (93 Millionen Euro) sollen hingegen leicht, also um bis zu fünf Prozent, steigen.

Die Dividende soll wegen der roten Zahlen ausfallen. „Gründe hierfür sind das außergewöhnlich negative Konzernergebnis sowie der hohe Mittelabfluss für laufende und anstehende Restrukturierungsmaßnahmen“, hieß es dazu im Bericht. Wegen des „historischen Einbruchs“ am deutschen Energiemarkt soll das Kraftwerksgeschäft verkauft werden, doch ein Käufer hat sich bislang nicht gefunden.

Erst im Januar hatte Bilfinger überraschend mitgeteilt, nun auch den Verkauf von großen Teilen der Immobiliensparte Building an Facility zu prüfen. Offenbar hatten potenzielle Käufer Interesse an dem Unternehmensbereich signalisiert. „Die Angebote kamen für Bilfinger völlig überraschend“, erklärte Aufsichtsratschef Eckhard Cordes dem Handelsblatt.

Überraschend war die Nachricht aber auch für Außenstehende, weil der Bilfinger-Vorstand zuvor immer beteuert hatte, an einer Zerschlagung des Konzerns nicht interessiert zu sein. Doch aus dem Unternehmensumfeld ist zu hören, das Kraftwerksgeschäft sei so gut wie nicht zu verkaufen. Der Unternehmensteil hat auch im vergangenen Jahr große Löcher in die Konzernbilanz gerissen, weil die Versorger seit der Energiewende kaum noch Aufträge zu Betrieb und Wartung konventioneller Kraftwerke vergeben.

Ursprünglich war der Plan von Konzernchef Utnegaard, nach dem erfolgreichen Verkauf der Kraftwerkssparte die beiden verbleibenden Sparten Industrie und Gebäudedienstleistungen weiterzuführen. Die jetzt eventuell zum Verkauf stehende Sparte Building and Facility wäre die tragende Säule des geschrumpften Unternehmens gewesen. Hier erwirtschaften 23.000 Beschäftigte im In- und Ausland einen Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro. Bilfinger ist damit Marktführer in Deutschland. Und das ist wohl auch der Grund, warum Investoren wie KKR oder EQT und Wettbewerber wie ACS oder Strabag mehr als ein Auge darauf geworfen haben.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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