Bilfinger-Hauptversammlung
„Das Grauen hat ein Gesicht – Roland Koch“

Auf der Hauptversammlung von Bilfinger machten die Aktionäre ihrem Unmut deutlich Luft. Einen Schuldigen für die Misere des Konzerns hatten sie auch ausgemacht.
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MannheimDie letzte Bilanz des Bilfinger-Vorstandschefs Herbert Bodner war eine einzige Enttäuschung. Das Geschäftsjahr 2014 war negativ und das erste Quartal 2015 lief ähnlich schlecht. Auch wenn Bodner Ende Mai in Rente geht, musste er sich deshalb heftige Kritik anhören. So fragte etwa Marc Tüngler von der DSW: „Was hat denn eigentlich im Jahr 2014 geklappt?“

Und in Anspielung auf den neuen Konzernchef Per Utnegaard: „Kommt denn der neue Chef überhaupt noch bei all den schlechten Nachrichten?“ Utnegaard saß als Gast im Publikum, musste aber nicht selbst antworten. Das übernahm Aufsichtsratschef Eckard Cordes höchst selbst. Aus dem Tatbestand, dass Utnegaard hier sitze, könne man ja entnehmen, dass er auch wirklich komme. „Und jetzt gebe ich Ihnen noch eine vertrauliche Information: Herr Utnegaard hat sich gestern in Mannheim Wohnungen angeschaut.“

Für die Misere des Konzerns hat Aktionärsschützer Tüngler auch einen Schuldigen ausgemacht. „Das Grauen hat ein Gesicht und das heißt Roland Koch“. Zwei Milliarden Euro Vermögen habe der Mann versenkt. Der ehemalige hessische Ministerpräsident Koch war von 2011 bis 2014 Vorstandsvorsitzender von Bilfinger, 2014 trennte man sich in „gegenseitigem Einvernehmen“. Inzwischen ist die Führung im Konzern ausgetauscht. Großaktionär Cevian stellt mit Eckard Cordes den Aufsichtsratschef und auch Per Utnegaard, der neue CEO, soll ein Mann von Cevians Gnaden sein.

Grund für die trüben Aussichten bei Bilfinger ist vor allem die schlechte Lage der Geschäftssparte Power, die Kraftwerke baut, betreibt und wartet. Weil Energiekonzerne wegen der Energiewende mit herkömmlichen Kraftwerken kaum noch Geld verdienen können, bleiben die Aufträge aus. Aber auch das Geschäftsfeld Industrial, das auch im Öl- und Schiefergasgeschäft mitmischt, lahmt, auch wenn es noch profitabel ist. Nur der Bereich Building & Facility, also Bau und Betrieb von Bürogebäuden und Einkaufszentren, lief erfreulich und trug fast die Hälfte des Konzernumsatzes bei.

Trotz der vielen schlechten Nachrichten gab Bodner den fairen Übergangschef: „Ich bin überzeugt, dass der neu zusammengesetzte Vorstand Bilfinger wieder zu wachsendem Erfolg führen wird.“

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte

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  • Es wäre wohl günstiger gekommen man hätte ihm für den Zuschlag beimFrankfurter Flughafen mit hochdotierten Vorträgen versorgt. Da wa rBilfinger einfach zu blöde. Die Banken haben sich nach der von Steinbrück vorangetirebenen Finanzmarktliberalisierung schön die Taschen voll gemacht, und sich dann als das Kartenhausnzusammenbrach noch mit Steuergeld retten lassen. und das für ein Paar hunderttausend Euro Vortragshonorar an Steinbrück. Das ist wahrlich gut investiertes Geld mit exorbitanter Rendite.

    Bilfinger scheint genau so blöde zu sein wie Karstadt, die von ihrem Manager auch nur Arcandor und ein neues Logo gesehen haben, bevor es dunkel wurde. Und wenn dieser korrupte Laden den bach runter geht - who gives a fuck!

  • Nachtrag: Koch, Kanter, Kiep, Dregger. Was fällt uns dazu ein? – Hessen ist das Musterländle was Korruption betrifft! Das bisschen Schäuble macht den Kohl auch nicht fett. Aber was eint sie alle? Gedächtnisverlust!

  • Man hätte es wissen können! – Wer mit dem Teufel essen will braucht einen verdammt langen Löffel :–((

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