Bilfinger-Konzern in der Krise
Tom Blades schließt erste Baustellen

Der Bau- und Industriedienstleister Bilfinger steckt in der tiefsten Krise der Unternehmensgeschichte. Chef Tom Blades kommt mit der Sanierung des Konzerns voran – doch bislang bleibt er eine Gesamtstrategie schuldig.
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FrankfurtDie wichtigste Nachricht in dem am Vormittag vorgelegten Zwischenbericht des MDax-Unternehmens Bilfinger hat nichts mit Zahlen zu tun. Es ist die Information, dass der Konzernvorstand um Chef Tom Blades seine endgültige Strategie erst am 14. Februar kommenden Jahres präsentieren wird. Geplant war, dass die Marschrichtung noch im laufenden Jahr festgezurrt werde. Doch Blades braucht, so ist zu hören, wohl noch etwas Zeit für die Detailarbeit.

Zeit, die ihm die Investoren offensichtlich auch geben wollen. Denn auch ohne eine abschließende Strategie ist es dem schwer angeschlagenen Industriedienstleister in den zurückliegenden Monaten gelungen, zumindest einen Teil des Vertrauens der Kapitalmärkte zurückzugewinnen, das vier Gewinnwarnungen in Folge zerstört hatten. Seit dem Tiefstand der Aktie im Juli (rund 25 Euro) hat sich der Kurs des Papiers um mehr als 50 Prozent verbessert.

Auch am Donnerstagvormittag kletterte die Aktie um mehr als ein Prozent nach oben. Am Morgen hatte das Unternehmen seinen Bericht zum dritten Quartal präsentiert. Der zeigt auf der einen Seite, dass sich Bilfinger weiter im Umbruch befindet. Zwar weist der Dienstleister für den Zeitraum Juli bis September einen Gewinn von 457 Millionen Euro aus, nach einem Verlust von 76 Millionen Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Doch dieses Plus ist vor allem auf den Verkauf der Immobiliendienstleistungen an den Finanzinvestor EQT zurückzuführen. Er spült dem Unternehmen in diesem Jahr 534 Millionen Euro in die Kasse.

In den fortgeführten Geschäften mit Kraftwerks- (Power) und Industrie-Dienstleistungen konnte Bilfinger dagegen mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 21 Millionen Euro (Vorjahr: 15 Millionen Euro) nur ein schmales Plus erzielen. Beide Sparten verzeichneten bei der Leistung sogar zweistellige Rückgänge.

In der Sparte „Industrial“ wirkt sich die Nachfrageschwäche von Seiten der Öl- und Gasindustrie aus. In der Sparte „Power“ fehlen die Aufträge der Kraftwerks-Industrie, weil diese selbst massiv mit den Folgen der Energiewende zu kämpfen hat. Zudem geht das Bilfinger-Management hier bei den Projekten deutlich selektiver vor. In der Vergangenheit hatte sich Bilfinger mit risikoreichen Projekten mächtig verhoben. Der geplante Verkauf der Sparte Power scheiterte mangels Attraktivität.

Dennoch wartet gerade das Sorgenkind „Power“ mit einer Überraschung auf. Der operative Verlust reduzierte sich im dritten Quartal von vier auf eine Million Euro. Commerzbank-Analyst Norbert Kretlow etwa hatte mit einem Minus von acht Millionen Euro gerechnet und zeigte sich angesichts der deutlichen Verbesserung zufrieden über die Fortschritte bei der Sanierung.

Und noch eine andere Zahl weckt die Hoffnung, dass Bilfinger die Kurve kriegt. Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft (Cashflow) verbesserte sich im dritten Quartal von 29 auf 39 Millionen Euro. Zwar hat das Unternehmen in den ersten neun Monaten im operativen Geschäft 246 Millionen Euro an Cash „verbrannt“, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum (110 Millionen Euro).

Doch das dritte Quartal zeigt, dass es Blades und seinem Team allmählich gelingt, diesen  „Cashdrain“ zu verlangsamen beziehungsweise zu stoppen. Das ist wichtig, denn Investoren fürchten, dass der Verkaufserlös aus der Immobiliensparte sukzessive durch die operativen Verluste im Powergeschäft aufgezehrt werden könnten.

Das Geld aus dem Verkauf braucht Blades aber für den Bereich „Industrial“, unter anderem für Zukäufe. Auch wenn der Bilfinger-Chef seine abschließende Strategie nun erst im Februar präsentieren will, so zeichnet sich doch schon ab, wo der Weg grob hingeht. So will Bilfinger sein Kerngeschäft mit Industriedienstleistungen in ausgewählten Regionen im Mittleren Osten und Nordamerika ausbauen.

Im Iran hofft Blades zum Beispiel auf Aufträge im Zuge der Modernisierungen der dortigen Raffinerien und hat hier bereits erste Projekte an Land gezogen. In Nordamerika könnte Bilfinger von den Investitionen in Infrastruktur profitieren, die der neue Präsident Donald Trump in Aussicht gestellt hat.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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