Bilfinger mit Rekordverlust
Das Ende eines Horrorjahrs

Fast eine halbe Milliarde Euro Verlust muss Bilfinger für das Jahr 2015 verbuchen. Doch der Konzern kann durchatmen: Analysten hatten noch schlimmere Zahlen erwartet. Allerdings steht eine Zerschlagung weiter im Raum.

Frankfurt/DüsseldorfDer kriselnde Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger hat wegen des Einbruchs im Kraftwerksgeschäfts im vergangenen Jahr einen Rekordverlust erlitten. Der Fehlbetrag summiere sich wegen Abschreibungen, eines operativen Verlusts in der Sparte Power und Restrukturierungskosten auf 489 Millionen Euro nach einem Minus von 71 Millionen Euro im Vorjahr, teilte Bilfinger am Donnerstag mit.

Damit war der Verlust allerdings nicht so hoch wie angekündigt und wie von Analysten erwartet. Im Herbst hatte Bilfinger noch mit einem Minus von 530 bis 540 Millionen Euro gerechnet. An der Börse kamen die Zahlen gut an: Im frühen Handel lag die Aktie gegen den Trend im Plus.

Auch ohne die zum Verkauf stehende Kraftwerkssparte schnitt der Mannheimer Konzern besser ab als befürchtet. Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf knapp 6,5 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen brach im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf 186 Millionen Euro ein. In Aussicht gestellt waren 150 bis 170 Millionen Euro. „Auch wenn wir im vergangenen Jahr bereits einige wichtige Themen voranbringen konnten, liegt ein anspruchsvolles Jahr 2016 vor uns“, sagte Bilfinger-Chef Per Utnegaard.

Der schwedische Finanzinvestor Cevian – mit 26 Prozent der Aktien größter Anteilseigner – will offenbar von seinem Investment retten, was noch zu retten ist. Der von ihm eingesetzte Konzernchef Utnegaard lässt deshalb prüfen, welche Unternehmensteile sich gut verkaufen lassen. Noch besteht Bilfinger aus drei großen Sparten: der Kraftwerkssparte Power, der Industriesparte Industrial und der Sparte Gebäudedienstleistungen Building and Facility. Bereits im vergangenen Sommer hatte Utnegaard angekündigt, die kriselnde Kraftwerkssparte und den Bereich Water Technologies verkaufen zu wollen.

Ende der vergangenen Woche meldete Bilfinger erstmals Vollzug: Die Wassersparte wird nach China verkauft und zwar an den Konzern Chengdu Techcent für rund 200 Millionen Euro. Die Sparte hat rund 1.600 Mitarbeiter und machte zuletzt einen Umsatz von 300 Millionen Euro.

Erst im Januar hatte Bilfinger überraschend mitgeteilt, nun auch den Verkauf von großen Teilen der Immobiliensparte Building and Facility zu prüfen. Offenbar hatten potenzielle Käufer Interesse an dem Unternehmensbereich signalisiert. „Die Angebote kamen für Bilfinger völlig überraschend“, erklärte Aufsichtsratschef Eckhard Cordes dem Handelsblatt.

Die Nachricht kam aber vor allem für Außenstehende ziemlich überraschend, weil der Bilfinger-Vorstand bislang immer beteuert hatte, an einer Zerschlagung des Konzerns nicht interessiert zu sein. Doch aus dem Unternehmensumfeld ist zu hören, dass das Kraftwerksgeschäft so gut wie nicht zu verkaufen. Der Unternehmensteil hat auch im vergangenen Jahr große Löcher in die Konzernbilanz gerissen, weil die Versorger seit der Energiewende kaum noch Aufträge zu Betrieb und Wartung konventioneller Kraftwerke vergeben.

Die Gewerkschaften IG Metall und IG Bauen-Agrar-Umwelt protestierten gegen den Plan. Auf Flugblättern, die sie am Mittwoch vor der Zentrale in Mannheim verteilten, forderten sie vom Vorstand ein neues Konzept und eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung. Ein Sprecher erklärte dazu, die Verkaufsentscheidung werde so schnell wie möglich getroffen. Utnegaard will zur Bilanzpressekonferenz am 16. März dazu Stellung nehmen. „Im Falle eines Arbeitsplatzabbaus werden Betriebsrat und Gewerkschaften eng eingebunden, um gemeinsam zu einem Interessenausgleich und Sozialplan zu kommen“, ergänzte der Sprecher.

Ursprünglich war der Plan von Konzernchef Utnegaard, nach dem erfolgreichen Verkauf der Kraftwerkssparte die beiden verbleibenden Sparten Industrie und Gebäudedienstleistungen weiterzuführen. Die jetzt zum Verkauf stehende Sparte Building and Facility wäre die tragende Säule des geschrumpften Unternehmens gewesen. Hier erwirtschaften 23.000 Beschäftigte im In- und Ausland einen Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro. Bilfinger ist damit Marktführer in Deutschland. Und das ist wohl auch der Grund, warum Investoren wie KKR und Wettbewerber wie ACS mehr als ein Auge darauf geworfen haben.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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