Blablacar verärgert Kunden
Aufstand der Mitfahrer

Blablacar ist Marktführer bei der Vermittlung von Privatfahrten. Mit einer neuen Gebühr bringt die Mitfahrzentrale die Nutzer gegen sich auf. Kritik soll das Start-up sogar zensieren. Mitfahrer suchen sich Alternativen.

DüsseldorfDie Ansage von Blablacar zum Deutschlandstart war klar und deutlich: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die beste deutsche Mitfahrzentrale zu werden.“ So weit, so gut, der entscheidende Satz folgte aber prompt. „Kostenlos sind wir schon – das ist ein großer Vorteil gegenüber dem deutschen (Noch-)Quasi-Monopolisten“, hieß es in einem Blogeintrag von Blablacar am 5. April 2013. Mit dem Monopolisten war der damalige Marktführer Mitfahrgelegenheit.de gemeint, der kurz zuvor eine Vermittlungsgebühr von elf Prozent pro Fahrt eingeführt hatte.

Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt, Mitfahrgelegenheit.de liefen die Nutzer davon, ein Großteil wanderte zum kostenlosen Blablacar ab. Im vergangenen Jahr kaufte das französische Unternehmen den einstigen deutschen Vorreiter auf. Seitdem sind die Franzosen der unumstrittene Marktführer bei der Vermittlung von Privatfahrten. Doch monetisieren ließ sich der Erfolg noch nicht. Anders als in Frankreich verzichtete man in der Wachstumsphase noch auf Gebühren.

Im Dezember 2015 kündigte Deutschlandchef Olivier Bremer im Gespräch mit dem Handelsblatt an, im Laufe des Jahres ein Online-Buchungssystem und Gebühren einzuführen – vergleichbar mit dem System, das Blablacar auch erfolgreich in Frankreich etablieren konnte. Einen Proteststurm erwarte er nicht. „Wir haben aus den Erfahrungen gelernt, die Mitfahrgelegenheit.de gesammelt hat“, versprach Bremer. Seit dem 1. August verlangt die Mitfahrzentrale nun auch eine streckenabhängige Vermittlungsprovision. Seitdem gehen seine Kunden im Netz auf die Barrikaden.

„Wer zur Hölle sitzt bei euch in der Planung des Geschäftsmodells? Wie kann man als Blablacar nicht aus den Fehlern von Mitfahrgelegenheit.de lernen?“, schreibt beispielsweise ein User auf der Facebook-Seite von Blablacar. Ein anderer kritisiert ebenfalls die neue Vermittlungsgebühr: „Bitte überdenkt Eure Preispolitik, ansonsten wünsche ich viel Glück bei der Suche nach neuen Jobs.“ Anders als Mitfahrgelegenheit.de in der Vergangenheit verlangt Blablacar keine feste Gebühr, sondern eine streckenabhängige Provision. Bei einer Fahrt von Hamburg nach Köln werden nun beispielsweise zwei bis drei Euro mehr fällig als zuvor. Blablacar erwiderte auf Handelsblatt-Anfrage, dass man die Einführung von Gebühren schon lange kommuniziert habe.

Ein Gebührensystem garantiere eine höhere Qualität und funktioniere besser, als etwa Werbung auf dem Portal zu schalten, sagte eine Sprecherin. Eine Nutzerflucht wie bei Mitfahrgelegenheit.de gebe es nicht.

Die Kunden im Netz sehen das anders. Etliche Fahranbieter beschweren sich, dass sie auf der Plattform keine Mitfahrer mehr finden, seit die neuen Gebühren eingeführt wurden. Dafür machen sie – neben den Gebühren – auch das Online-Bezahlsystem verantwortlich.

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Nutzer wittern Zensur und Klickbetrug

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