Börsenbetreiber: Euronext will zukaufen – Gewinn stagniert

Börsenbetreiber
Euronext will zukaufen – Gewinn stagniert

Gelingt die Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange, plant die Mehrländerbörse die Übernahme von Clearnet SA. Diese Abwicklungshäuser springen ein, wenn am Derivatemarkt einer der Handelspartner ausfällt.
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London/FrankfurtDie Mehrländerbörse Euronext will auf Einkaufstour gehen. Sollte die Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) gelingen, wird das Unternehmen für 510 Millionen Euro die LSE-Tochter Clearnet übernehmen. „Wenn die Fusion – aus welchem Grund auch immer – nicht zustande kommt, werden wir andere Alternativen verfolgen, um unseren Kunden bestmögliche Clearing-Angebote machen zu können“, sagte Euronext-Chef Stephane Boujnah am Mittwoch bei der Vorlage der Jahreszahlen.

Abwicklungshäuser wie die Deutsche-Börse-Sparte Eurex Clearing sowie die LSE-Töchter LCH.Clearnet Limited und Clearnet SA springen ein, wenn am billionenschweren Derivatemarkt einer der Handelspartner ausfällt. Dadurch soll die Sicherheit des Finanzsystems erhöht werden. Die in Paris beheimatete Euronext hat derzeit kein eigenes Clearinghaus und ist noch bis 2018 vertraglich gebunden, Geschäfte über Clearnet SA abzuwickeln.

Für die Börsenbetreiber wird das Nachhandelsgeschäft immer wichtiger, weil es seit Jahren im Handel Druck auf die Margen gibt. Ein Kauf von Clearnet SA wäre für die Euronext somit ein wichtiger Schritt, der allerdings nur bei einem Abschluss der deutsch-britischen Börsenhochzeit gelingen wird.

Die Euronext steckt deshalb in einem Dilemma. Sie hat – genauso wie die französische Politik – lange Stimmung gegen eine europäische Mega-Börse gemacht, weil sie dadurch aus Sicht von Analysten weiter an den Rand gedrängt würde. Boujnah will sich mittlerweile nicht mehr festlegen, ob er für oder gegen die Börsenfusion ist. „Dazu ist alles gesagt.“ Nun gehe es darum, das Beste für Euronext-Aktionäre herauszuholen.

Die Erlöse der Euronext sanken im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 496 Millionen Euro, weil es weniger Börsengänge gab und sich viele Investoren nach dem Brexit-Votum im Handel zurückhielten. Unter anderem dank Sparanstrengungen konnte das Unternehmen, das die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon betreibt, den Betriebsgewinn (Ebitda) jedoch konstant halten bei 284 Millionen Euro. Nach Steuern blieb ein Überschuss von 197 Millionen Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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