Chinesen stechen Marriott aus: Stäbchen im Sheraton

Chinesen stechen Marriott aus
Stäbchen im Sheraton

Anbang ist der Gewinner im Bieterrennen um Starwood. Der Betreiber der Sheraton Hotels wird damit chinesisch. Die Pekinger Finanzgruppe setzt mit dem Deal ihren rasanten Aufstieg fort. Wer hinter Anbang steckt.

New York/PekingIm Bieterrennen um den Betreiber der Sheraton Hotels hat eine Investorengruppe den US-Konkurrenten Marriott ausgestochen. Die Hotelgesellschaft Starwood teilte am Freitag mit, sie nehme die verbesserte Offerte der Interessentengruppe um den chinesischen Versicherer Anbang an.

Sie hatten ihr Bar-Angebot zuletzt um zwei auf 78 Dollar pro ausstehender Aktie aufgestockt. Die Offerte ist damit 13,16 Milliarden Dollar schwer. Marriott hatte nur 12,2 Milliarden Dollar geboten. Eigentlich hatten Marriott und Starwood bereits im November eine Fusion vereinbart, die Mitte 2016 vollzogen werden sollte. Marriott bekräftigte am Freitag die Auffassung, dass der geplante Zusammenschluss im besten Interesse der Unternehmen und der Aktionäre sei. Man werde nun sorgfältig Alternativen abwägen. Starwood müsste Marriott 400 Millionen Dollar zahlen, wenn die Fusion scheitert.

Zu der von Anbang geführten Investorengruppe gehören die privaten Beteiligungsfonds JC Flowers und Primavera. Die Starwood-Aktie legte nach Bekanntwerden des Zuschlags für Anbang um mehr als fünf Prozent zu.

Die Anbang-Gruppe fällt in der chinesischen Wirtschaft auf. Der Finanzdienstleister ist noch relativ jung, in privaten Händen und macht aus seinem Ehrgeiz keinen Hehl. Auf der Einkaufsliste der Anbang Insurance Group standen in den vergangenen Jahren Versicherer in Belgien, den Niederlanden, den USA und Nordkorea sowie Hotels – das altehrwürdige Waldorf Astoria in New York und die US-Kette Strategic Hotels & Resorts. Das Ziel ist also ganz klar globales Wachstum.

Man wolle zu den zehn erfolgreichsten Finanzgruppen der Welt gehören, verkündet Anbang auf seiner Website. Damit schlägt die Gruppe einen für China ungewöhnlichen Weg ein, konzentrierten sich die größeren und älteren Unternehmen dort doch bisher stets auf den Heimatmarkt. Inzwischen haben die Regulierungsbehörden ihre Vorgaben gelockert und damit den chinesischen Finanzdienstleistern die Chance gegeben, produktiver und wettbewerbsfähiger zu werden – auch international.

Der Aufstieg von Anbang wird dem Vorstandsvorsitzenden Wu Xiaohui zugeschrieben, der Medienberichten zufolge seine Karriere mit einer Autovermietung startete, bevor er 2004 Anbang gründete. Er zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit und spricht nicht gern mit Journalisten.

Alles begann mit einer einzigen Niederlassung in Peking. Der größte Anteilseigner von Anbang war mit 20 Prozent der staatliche Automobilhersteller Shanghai Automotive Industries (SAIC). Im folgenden Jahr übernahm der staatliche Ölkonzern Sinopec ebenfalls einen Anteil von 20 Prozent.

Seitdem hat das Unternehmen gewaltig expandiert und betreut heute mit rund 30000 Mitarbeitern etwa 35 Millionen Kunden. Anbang ist aktiv im Geschäft mit Lebensversicherungen, Bankdienstleistungen, Vermögensverwaltung und Vermittlungsdienstleistungen. Das dürfte die in China regierende Kommunistische Partei mit Freuden sehen, hat sie doch die chinesischen Unternehmen ermutigt, im Ausland aktiver zu werden und die Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu reduzieren.

Die chinesische Wirtschaftspresse vergleicht Wu schon mit Warren Buffett. Hintergrund ist die Strategie des legendären amerikanischen Milliardärs, die Geldflüsse aus dem Versicherungsgeschäft für den Einstieg in andere Branchen zu nutzen. Womöglich ist es aber nicht nur eine clevere Strategie, die Wu so weit gebracht hat.

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