Chinesische Touristen
Sie kommen, um zu kaufen

In China wächst der Wohlstand: Immer mehr Chinesen können es sich leisten, in Europa Urlaub zu machen – und geben dabei mehr Geld aus als Araber und Russen. Wie die deutsche Tourismusbranche die neuen Kunden bezirzt.
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DüsseldorfBjörn Weber steht im B-Bereich des Frankfurter Flughafens und späht hinüber zu den Check-in-Schaltern. Es ist halb elf, gleich werden die Flüge nach Peking und Chengdu aufgerufen. Vor den Schaltern der Air China stehen, wie üblich sehr früh vor Abflug, schon zahlreiche chinesische Touristen und warten auf ihre Heimreise. Mit seiner Umhängetasche, die in Schriftzeichen „Kostenloser chinesischer Service“ verkündet, und einem Lächeln, geht er zu ihnen hinüber.

Der Sinologie-Student ist „Personal Shopper“ auf dem Frankfurter Flughafen. Zwei Semester Studium in China verhalfen ihm zu fließendem Chinesisch und grundlegendem Verständnis der chinesischen Kultur. Als persönlicher Assistent hilft er am Flughafen Frankfurt nun chinesischen Touristen, durch den Zoll zu kommen und vorher noch die richtigen Dinge im Duty-free-Shop einzukaufen. „Es ist erstaunlich, wie viele Chinesen vor Whiskey stehen und sich fragen, ob das Rotwein ist“, erzählt Weber.

Die Anzahl chinesischer Touristen in Deutschland wächst. Nach Angaben der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) übernachteten von 2010 bis 2013 mehr als 70 Prozent mehr chinesische Gäste in Deutschland. Insgesamt kamen im Jahr 2013 1,7 Millionen . Wie Untersuchungen zeigen, ist Deutschland ihr Lieblingsziel bei Europareisen.

Hinzu kommt, dass chinesische Touristen Einkaufsweltmeister sind. Der internationale Bezahldienstleister Global Blue hat berechnet, dass sie pro Einkauf in Deutschland – von denen es normalerweise mehrere im Urlaub gibt – durchschnittlich 580 Euro ausgeben. Damit liegen sie sogar noch vor russischen (336 Euro) und arabischen Touristen (296 Euro). Global Blue, ein privates Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, wickelt für zahlreiche Länder die Mehrwertsteuer-Rückerstattung auf Urlaubseinkäufe ab. Aus den Statistiken des Unternehmens geht auch hervor, dass Chinesen besonders gerne Schmuck und Uhren kaufen. Jeden zweiten Euro gäben sie dafür aus, heißt es.

Mit den kulturell und sprachlich versierten persönlichen Assistenten möchte der Frankfurter Flughafen von dem noch jungen Trend profitieren. Sie sind eine unentgeltliche Serviceleistung. Die Betreibergesellschaft Fraport hofft, dass die Investition sich auszahlt. „Chinesische Gäste sind für uns eine sehr wichtige Zielgruppe“, sagt Paul Frigo, Sprecher von Fraport. „Darauf möchten wir mit maßgeschneiderten Angeboten eingehen.“ So hat der Flughafen auch seine Smartphone-App überarbeitet, mit der Fluggäste sich im Terminal zurechtfinden können. Neben einer chinesisch-sprachigen Version der App gibt es jetzt auch eine Bewertungsfunktion für Geschäfte, wie sie besonders bei chinesischen Touristen beliebt ist.

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