Colego startet in Deutschland
„Wer bei uns war, geht nicht zu Helpling zurück“

Das dänische Dienstleistungsportal Colego ist nun auch in Deutschland online. Anders als bei Konkurrenten wie Helpling werden nicht nur Putzkräfte, sondern auch Tischler, Anwälte oder Steuerberater vermittelt.
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DüsseldorfEigentlich sollte man meinen, dass es im Internet schon alles gibt. Dennoch finden sich immer wieder neue Start-ups, die den Sprung ins kalte Wasser wagen. Wie etwa das dänische Dienstleistungsportal Colego, das seit Mai auch in Deutschland online ist. Anders als das amerikanische Putzportal Homejoy, das seinen Betrieb Ende Juli einstellen wird, vermittelt Colego nicht nur Reinigungskräfte, sondern auch Anwälte, Zimmerleute oder Steuerberater. „Wir wollen möglichst viele Dienstleistungen anbieten“, sagt Firmengründer Martin Sylvest Lavlund.

Wie andere Dienstleistungsportale auch vermittelt Colego den Kontakt zwischen Kunden, die einen Auftrag zu vergeben haben, und Unternehmen, die diesen ausführen können. In Dänemark bietet das 2012 gegründete Portal Dienstleistungen aus 45 Berufen. Beim deutschen Ableger, der seinen Sitz in Hamburg hat, sind es immerhin schon sieben. Das sollen natürlich deutlich mehr werden.

„Wir kommen in Hamburg schneller voran als erwartet“, sagt Lavlund. „Wir haben hier schon mehr als hundert Partner gewonnen.“ Etwa 70 bis 80 Aufgaben vermitteln die elf Mitarbeiter pro Woche. Insgesamt beschäftigt Colego knapp 80 Leute, die pro Monat einen Umsatz von zwei- bis vierhunderttausend Euro erzielen.

Homejoy, der amerikanische Pionier der Putzhilfe-Vermittlung, hat dagegen vor kurzem bekannt gegeben, dass er seinen Betrieb Ende Juli einstellen wird. Auslöser seien Klagen von vier Reinigungskräften gewesen, die als Angestellte statt als eigenständige Unternehmer anerkannt werden wollten, sagte Mitgründerin und Chefin Adora Cheung dem Technologieblog „Recode“. Das habe die Gespräche mit Geldgebern über die Finanzierung weiteren Wachstums erschwert. Wie „Recode“ weiter berichtet, sind einige Programmierer von Homejoy schnell von Google angeworben worden. Der Internet-Konzern wolle die Suche nach Reinigungskräften in seine Plattform integrieren.

Probleme wie Homejoy haben die dänischen Suchdienstleister zumindest derzeit nicht. Das Unternehmen hat bei der weiteren Expansion keine Eile. Deutschland sei ein großes Land. „Wir müssen noch viel lernen und uns den Bedürfnissen unserer deutschen Kunden anpassen“, sagt Gründer Lavlund. Noch operiert die Firma in Deutschland nur im Großraum Hamburg.

Allzu viel Zeit sollte er sich mit dem Ausbau allerdings nicht lassen, denn hier gibt es bereits einen großen Konkurrenten, der in allen Regionen aktiv ist: Das Putzportal Helpling, das unter anderem zum Netz-Konglomerat Rocket Internet der Gebrüder Samwer gehört. Es wurde Anfang 2014 gegründet und bietet seinen Service in 14 Ländern an, darunter auch in Singapur und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Nach einer zweiten Finanzierungsrunde, bei der Helpling 43 Millionen Euro eingesammelt hat, gab das Unternehmen Anfang Juli den Kauf des britischen Portals Hassle.com bekannt. Es wird nach eigener Darstellung als eines der innovativsten Technologieunternehmen in Europa gehandelt, ist in Großbritannien Marktführer und in Frankreich und Irland aktiv.

Trotz der Größe des Platzhirschen Helpling sieht Colego-Gründer Lavlund Chancen für sein junges Unternehmen. Helpling sei ein reines Putzportal, seine Plattform biete viele verschiedene Dienstleistungen an. „Für den, der einmal bei uns war, gibt es eigentlich keinen Grund, wieder zu Helpling zurückzugehen.“

Der Markt sei groß und Colego könne doch viel für Unternehmen tun, die kein Geld für Marketing haben. Der 44-jährige Lavlund ist begeisterter Onliner und ist auch privat viel im Netz unterwegs. Deshalb habe er schon immer Online-Business machen wollen: „Ich kann mir nicht vorstellen, jemals etwas Anderes zu tun.“

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte

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