Das Geschäft mit dem Geruch
Wenn der Zug nach Rosenholz duftet

Bergamotte in der Volksbank, Moschus bei Abercrombie: Mit Düften steigern Unternehmen die Kauflaune der Kunden – und übertreiben es manchmal. Auch bei der Deutschen Bahn könnte eine Duftwolke Einzug erhalten.
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DüsseldorfWer die Volksbank in Hamm betritt, wird unauffällig umschmeichelt: Ein kaum wahrnehmbarer, zitronig-frischer, blumiger Hauch liegt in der Luft und verteilt sich sanft in der Lobby, den Beratungszimmern oder den Besprechungsräumen. Der Duft ist eine Mischung aus Bergamotte, gemischt mit Jasmin, grünem Tee und Moschus – und alles andere als ein Zufall. Als „frisch und zurückhaltend“ beschreibt Robert Müller-Grünow den Geruch, den er zusammen mit der Volksbank Hamm entwickelt hat.

Der Geschäftsführer der Firma Scentcommunication in Köln entwirft bereits seit 16 Jahren Duftkonzepte im Kundenauftrag. Er sagt, dass es Finanzdienstleistern nicht einfach nur darum gehe, dass die Räume einen anderen Geruch hätten. Der kaum wahrnehmbare Duft soll den Kunden ein besseres Gefühl geben, sie sollen sich wohlfühlen, ohne vom Geruch belästigt zu werden.

Nicht nur Banken, vor allem Modehäuser, Hotels und Automarken setzen ihre Hoffnungen auf einen „Corporate Scent“. Von der Hotelfiliale in New York bis zum Parkhaus in Marseille – künstliche Düfte haben öffentliche und private Räume erobert. Schätzungen zufolge macht die Duftmarketing-Branche hohe zweistellige bis niedrige dreistellige Millionenumsätze pro Jahr. Genaue Daten zur Größe des Marktes gibt es nicht, da es keine klare Abgrenzung gibt: Das Eau de Toilette zählt nicht dazu, aber das Duftbäumchen im Gebrauchtwagen? Der Duftspender im WC? Oder doch nur von Firmen eingesetztes Odeur?

Fest steht: Die Verbreitung künstlicher Düfte nimmt zu. Der Autobauer Mercedes hat in seiner neuen S-Klasse ein eigenes Beduftungssystem eingebaut – ein Leasing-Wagen mit dieser Ausstattungsvariante schlägt mit fünf Euro mehr im Monat zu Buche. Wer sich in ein so ausgestattetes Fahrzeug setzt, kann sich – je nach Stimmung – einen passenden Duft dazu aussuchen. Vier Gerüche stehen dem Fahrer zur Auswahl: etwa der eher zitronig-dezente Duft „Freeside Mood“ oder „Nightlife Mood“ mit Holznoten. Das ideale Hilsmittel, um eine Smogwolke in Peking zu ertragen.

Müller-Grünow beobachtet den Dufteinsatz in der Autobranche mit Interesse: Gerade bei Autos seien diese Ansätze besonders spannend, da es hier oft kein konkret wiedererkennbares Geruchsprofil gebe: „Klar riechen Autos. Aber immer anders. Verschiedene Bauteile erzeugen verschiedene Gerüche, die gleiche Marke kann von Modell zu Modell anders riechen. Es gibt kein klares Geruchsprofil.“

Kommentare zu " Das Geschäft mit dem Geruch: Wenn der Zug nach Rosenholz duftet"

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  • Bei der "Bahn" sieht es nicht anders aus wie bei den öff. Nahverkehrsmitteln (z.B. Augsburg) man steht und klebt und staubt im Dreck des Vortags....

    Hinten im Beförderungsraum schlagen sich die importieren Problem-Schwarzfahrer mit ruhe-liebenden Fahrgästen der Triebwerksführer sitzt akustisch abgeschottet 30 Meter weiter vorne in einer hermetisch abgekapselten Führerkabine und guckt sich neben dem Beschleunigen Pornohefte... die Kameras im Innenraum wechseln lustig wechselnd die Bilder und an der nächsten Haltestelle steigt einer ein, der dann an der Hochburg "Alter Flugplatz" beim Verlassen der Straßenbahn die Hose fallen lässt und den Fahrgästen lörperlich zeigt was er von Ihnen hält...

    Fazit: Die importierte Sub-Kultur aus NRW und den ehemaligen Ost-Gebieten zeigt durchschlagenden Erfolg auch in den ältesten Städten dieser Republik. Vielen Dank an die Ampel-Regierungen speziell die "GRÜNEN"... und Claudia Roth... ich hoffe sie verlebt schöne Zeiten in Ihrem Eigenheim in der Türkei und tanzt dazu täglich "Bauchtanz" und lässt dazu Döner Kebab reichen... vollendete Integration...

  • Seit Jahren fordern Allergikerverbände, MCS Selbsthilfegruppen den Verzicht auf Duftstoffe zumindest in öffentlichen Einrichtungen, unterstützt auch von Institutionen wie dem Umweltbundesamt, dem Sentinel-Haus Stiftungs e.V. und vielen anderen. Auch "angenehme" Gerüche können für viele Sensitive stark belastend sein (mehr als 30 % der Bevölkerung leiden ohnedies bereits an Allergien).Als regelmäßiger Bahnfahrer würde ich mir wünschen, die Bahn würde sich um mehr "Sauberkeit in den Zügen" kümmern, anstatt den "Duftstoffherstellern" Geld der Kunden (wann kommt die nächste Preiserhöhung?)nachzuwerfen.

  • Unser verkehrsminister hat nunmal den durechblick. Er will ja auch eine meldestelle für schlafende autobahnbaustellen einrichten.
    Die einzigen die von der meldestelle etwas haben, sind die firmen, die die meldestelle mit technischen mitteln, wie telefon + computer im Mio-bereich ausstatten. Ansonsten wird die stelle keine funktion erleben.

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