De La Rue vs Gemalto Britische Druckerei gibt Kampf um blaue Brexit-Pässe auf

Der Streit um die neuen, blauen Reisepässe der Briten nach dem Brexit ist entschieden. Für die Druckerei De La Rue wurde der Kampf zu teuer.
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Über 260.000 Menschen forderten in einer Petition, dass die Pässe „zuhause“ produziert werden. Quelle: Reuters
Ehemaliger blauer britischer Pass

Über 260.000 Menschen forderten in einer Petition, dass die Pässe „zuhause“ produziert werden.

(Foto: Reuters)

LondonAls sich vor kurzem abzeichnete, dass die neuen Reisepässe der Briten nach dem Brexit ausgerechnet in der Europäischen Union (EU) gefertigt werden sollen, brach auf der Insel ein Sturm der Empörung los. Es sei eine „Schande“, dass das französisch-niederländische Unternehmen Gemalto den Auftrag für den Druck der dunkelblauen Ausweisdokumente erhalten habe, wetterten Brexit-Verfechter.

Angeführt wurde die Widerstandsbewegung von der britischen Druckerei De La Rue. Ihr Chef Martin Sutherland kündigte vor einigen Wochen an, gegen die Entscheidung Klage einzureichen – machte nun aber einen Rückzieher. Wie De La Rue am Mittwoch mitteilte, werde das Unternehmen die Auftragsvergabe nicht anfechten.

Die Reisepässe, die nach dem Brexit wieder wie früher dunkelblau und nicht mehr in bordeauxfarben sein sollten wie andere EU-Pässe, waren in Großbritannien zu einem Symbol für die Unabhängigkeit von der EU geworden. Das britische Boulevardblatt „Daily Mail“ – das gerne die Vorteile des Brexit herausstellt – rief sogar eine Petition ins Leben. Über 260.000 Menschen forderten im Zuge dessen, dass die Pässe „zuhause“ produziert werden.

Sutherland und sein Unternehmen De La Rue, das trotz seines französisch klingenden Namens seit 1821 in England ansässig und der größte nichtstaatliche Hersteller von Sicherheitsdokumenten und Banknoten ist, hatte bei der Ausschreibung für den Auftrag mitgeboten – aber den Kürzeren gezogen.

„Ich muss mich nun vor meine Mitarbeiter stellen, ihnen in die Augen schauen und versuchen zu erklären, warum die britische Regierung es für die richtige Entscheidung hält, französische und nicht britische Pässe zu kaufen“, hatte sich der Manager in britischen Medien beklagt.

Für De La Rue ist die Niederlage auch wirtschaftlich ein Problem. Denn für die Beteiligung an der Ausschreibung waren hohe Kosten angefallen: Vier Millionen Pfund, umgerechnet etwa 4,6 Millionen Euro, müsse man dafür und für Verspätungen bei anderen Aufträgen verbuchen. Dennoch sicherte De La Rue für die Übergabe an die neue Druckerei seine Unterstützung zu.

Die Briten sollen ab Oktober 2019 – also nach dem offiziellen Abschied aus der EU im März 2019 - die neuen, dunkelblauen Pässe bekommen. Zwar schreibt die EU ihren Mitgliedsländern nicht die Farbe ihrer Pässe vor. Doch Großbritannien hatte bei der Einführung des burgunderfarbenen Designs in der EU in den 1980er-Jahren mitgezogen. Vergangenen Winter hatte die Regierung angekündigt, nach dem Brexit zu dem früheren dunkelblauen Design zurückzukehren.

Wie wichtig der Auftrag für De La Rue gewesen wäre, war den Börsianern schon vor einigen Wochen bewusst geworden, als das Unternehmen gewarnt hatte, der Gewinn in diesem Jahr werde am unteren Ende der bisherigen Prognosespanne liegen. Die Investoren reagierten daraufhin mit Aktienverkäufen.

Seit Jahresbeginn liegt die in London notierte Aktie rund 23 Prozent im Minus. Am Mittwoch ging es über vier Prozent nach unten.

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