Deloitte, EY, KPMG und PWC Wirtschaftsprüfer wollen nicht zur Flüchtlingsbehörde

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Auch Mitarbeiter von Ex-Staatskonzernen zeigen Interesse
Vom Asylpaket zur Willkommenskultur
Asylpakete
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...schnürt die Bundesregierung seit der Krise zwei. In einem ersten ging es noch um viele organisatorische Fragen, etwa die Verteilung von Flüchtlingen und Finanzfragen. Im zweiten Asylpaket wurden dagegen vor allem Verschärfungen vereinbart - Abschiebungen wurden erleichtert, der Familiennachzug wurde ausgesetzt, die Residenzpflicht verschärft.

Die Balkanroute
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...wurde zunächst zur Route der Hoffnung für Flüchtlinge und später zum Symbol einer Rückkehr zu scharfen Grenzsicherungen. Genau genommen handelt es sich um die Westbalkanroute. Im vergangenen Jahr kamen fast 770.000 Flüchtlinge von Griechenland über Mazedonien, Serbien und Ungarn in die Staaten Westeuropas. Ungarn baute zur Abwehr der Flüchtlinge als erstes Land einen Grenzzaun, in der Folge schlossen auch die anderen Länder ihre Grenzen und damit im Wesentlichen die Balkanroute.

Entscheider
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...werden Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) genannt. Ihre Jobbeschreibung lautet zu entscheiden, ob ein Asylbewerber in Deutschland bleiben kann oder nicht. Diese Mitarbeiter gibt es schon lange - angesichts der Vielzahl unerledigter Fälle musste das Bamf aber zahlreiche neue Entscheiderstellen schaffen.

Flüchtlingsdeal
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... heißt ein im März geschlossenes Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei. Dieses sieht vor, dass die Türkei auf den griechischen Ägäisinseln ankommende Flüchtlinge zurücknimmt. Nach einem besonderen Mechanismus nehmen die EU-Staaten für jeden zurückgebrachten Syrer einen syrischen Flüchtling aus der Türkei auf. Als Teil des Deals stellte die EU unter anderem Visafreiheit für Türken in Aussicht - gewährt wird diese aber noch nicht. Damit wackelt das als zentrales Instrument zur Bewältigung der Krise geltende Abkommen nach wie vor.

Integrationsverweigerer
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...ist eine aus der Politik kommende Charakterisierung für bestimmte Gruppen, die ein hartes Vorgehen der Behörden treffen soll. So wollen die Unionsinnenminister Flüchtlinge, die sich der Integration in Deutschland verweigern, bis hin zur Ausweisung bestrafen. Allerdings ist umstritten, ob es ein solches Verhalten überhaupt gibt - Fachleute bemängeln eher, dass noch immer zu wenige Kurse zur Integration angeboten werden.

Obergrenzen
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...für die Aufnahme von Flüchtlingen wurden in der Bundesregierung von der CSU gefordert. Parteichef Horst Seehofer verlangte eine Obergrenze von maximal 200.000 Menschen, konnte dies aber nicht durchsetzen. Allerdings entspannte sich die Lage inzwischen deutlich. So erwartet auch Österreich, das für dieses Jahr eine Obergrenze von 37.500 Asylanträgen setzte, dass diese nicht ausgeschöpft wird.

Subsidiärer Schutz
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...wird Menschen gewährt, denen kein individuell begründeter Flüchtlingsstatus zuerkannt wird. Diese erhalten – etwa wegen einer Bürgerkriegssituation in ihrem Land – trotzdem vorerst ein Bleiberecht. Allerdings haben sie einen niedrigeren Status als unter die Genfer Flüchtlingskonvention fallende Menschen. Subsidiär geschützte Flüchtlinge können zwar auch nicht abgeschoben werden, sofern sie keine Straftaten begangen haben, aber sie haben auch kein Recht auf den Nachzug Familienangehöriger. Inzwischen bekommt ein wachsender Anteil von Syrern nur noch subsidiären Schutz.

Dafür gibt es bei den Unternehmen verschiedene Erklärungen. Ein Unternehmen verweist darauf, dass die Bewerbungsfrist von 14 Tagen zu knapp gewesen sei, um alle Unterlagen zu organisieren sowie die Auszeit mit den Vorgesetzten zu planen. Daran allein kann es jedoch nicht gelegen haben.

Denn auch später habe es weitere Ausschreibungen gegeben, heißt es vom Bamf. Für die Beschäftigten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hätten dabei die gleichen Regelungen gegolten wie für alle übrigen Bewerber.

Andere Unternehmen verweisen darauf, dass sich viele Mitarbeiter wohl aus „persönlichen Gründen“ im Hinblick auf einen möglicherweise notwendigen Umzug gegen den temporären Wechsel in die Behörde entschieden hätten. Womöglich hatten manche Mitarbeiter auch Sorge, dass die Auszeit im Unternehmen der Karriere schaden könnte.

Bei BDO heißt es dagegen, dass der Bewerbungsprozess und die Zusammenarbeit mit dem Bamf „hoch professionell und sehr kooperativ“ verlaufe. „Die Kollegen vor Ort berichten ausnahmslos von wertvollen und sehr bereichernden Erfahrungen“, erklärte ein Sprecher.

7.200.000 Euro hat das Bamf bisher insgesamt für die Wirtschaftsprüfer ausgegeben, teilt eine Sprecherin der Behörde mit. Dabei handele es sich „um die üblichen tariflichen Personalkosten und nicht etwa Beraterrechnungen oder derartige externe Kosten“.

Allerdings sind die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nicht die einzigen Stellen, bei denen das Bamf um Unterstützung gebeten hat. Auch von ehemaligen Staatsunternehmen kommen Mitarbeiter: 385 Mitarbeiter von der Deutschen Telekom, 82 Mitarbeiter von der Deutschen Post. Von Bundesministerien, von der Bundeswehr, dem Zoll und der Bundesagentur für Arbeit kommen insgesamt 1.450 Mitarbeiter. Die Zahl der festen Stellen wurde fast verdoppelt, von 3.500 Stellen im Januar 2016 auf 6.650 im November.

Trotzdem ist die Wartezeit von der Antragstellung bis zur Entscheidung seit Januar gestiegen, von durchschnittlich 5,6 Monaten auf 6,9 Monate im November. „Dieser Anstieg ist jedoch positiv“ erklärt eine Sprecherin, er sei darauf zurückzuführen, dass das Bundesamt „momentan viele alte, oft komplexere Verfahren abschließt, die schon längere Zeit anhängig sind und oft umfangreiche Nachrecherchen erfordern“. Die Verfahrensdauer werde wieder sinken, wenn diese Altfälle abgeschlossen seien.

Die Bearbeitungsdauer der Asylanträge, die seit Juni gestellt worden sind, sei jedoch deutlich kürzer und betrage im Schnitt nur noch zwei Monate. Sie liege damit deutlich unter dem von der Politik gesetzten Ziel von drei Monaten. Das zeige, dass die neuen Abläufe und Verfahren im Bamf „mittlerweile greifen“ würden, deshalb sei auch keine weitere Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geplant.

Auch Berlin hatte sich einst Unterstützung von Beratern erhofft. McKinsey hatte 2015 zunächst unentgeltlich das Flüchtlingsmanagement des Senats unterstützt, zum Jahresende hatte das Unternehmen dann aber einen mit 238.000 Euro dotierten Auftrag bekommen, an einem Masterplan Integration und Sicherheit mitzuarbeiten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb gegen Björn Böhning, den Chef der Senatskanzlei, wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung.

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5 Kommentare zu "Deloitte, EY, KPMG und PWC: Wirtschaftsprüfer wollen nicht zur Flüchtlingsbehörde"

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  • Die Wirtschaftsprüfer müssten ja auch aller erstes feststellen, dass es sich hier um keine Flüchtlingsbehörde sondern um eine illegalen Einwanderungsbehörde und somit um ein illegales Einschleusser Geschäftsmodell handelt. An dem die verschiedensten Caritativen Verbände verdienen. Auf Kosten der Deutschen Gesellschaft!

  • Bei 56-67k€ brutto hat man wohl auch eher die Praktikante der Big4 angesprochen... wen wundert es...

  • Naja... das ist jetzt nicht wirklich ein attraktives Gehalt für einen Wirtschaftsprüfer. Wobei, warum ausgerechnet diese Personen dafür qualifiziert sein sollen?

    Eine Frage: wären diese Personen eigentlich für ihre Entscheidungen haftbar?

    Gerade durch den politischen Einfluss wäre dass dann ja ein Wahnsinnsjob, man wäre mit einem Bein automatisch im Gefängnis. Wenn man das Thema angeht wie unsere Kanzlerin zeigt man ein freundliches Gesicht, aber bei genauer Betrachtung, müßte man die Leute sofort abschieben. Hauptgrund Nr. 1 Einreise durch ein sicheres Drittland. Dann haben Flüchtlinge und Brügerkriegsflüchtlinge keinen Anspruch auf Asyl nach dem Asylrecht (und komischerweise auch nicht nach der Flüchtlingskonvention). Bleibt der subsidiäre Schutz (aber wegen dem Drittland wäre der gar nicht anzuwenden).

    Daneben gibt es dann immer noch andere Dienstvorschriften, die z.B. für Syrer erlassen wurden, über die in der Öffentlichkeit aber nie berichtet wird und die ganz offensichtlich konträr zum geltenden Recht sind...

    Wer will sich schon schlecht(er) bezahlt auf so dünnen Eis begeben?

  • Da beantragen Leute aus Afghanistan, Pakistan, Mali und anderen Staaten einen Asylantrag, den man nicht bearbeiten kann, weil keiner die Sprache der Migranten spricht. Da helfen auch 100.000 zusätzliche Mitarbeiter nichts.
    Außerdem ist das im Bundesamt für Migration wie bei Grimms Märchenstunde. Die Migranten erzählen die Geschichte, mit der sie glauben, die größten Chancen auf ein Bleiberecht zu erhalten. Und wenn sie gar nichts erzählen und nur mit den Schultern zucken, kann der Mitarbeiter vom BamF sie nur durchwinken.

  • War doch klar!

    Warum zwangsverpflichten wir nicht die vielen "dienstunfähigen" Beamten? Da gibt es doch sehr viele, welche diese Aufgabe sehr gut erfüllen könnten! Selbstverständlich würden diese gegen eine "Zwangsverpflichtung" klagen und mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar Recht bekommen. Quo vadis Alemania?

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