Deloitte, EY, KPMG und PWC
Wirtschaftsprüfer wollen nicht zur Flüchtlingsbehörde

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wollte sich bei Deloitte, EY, KPMG und PWC Top-Wirtschaftsprüfer leihen. Am Ende steht ein Riesenflop. Von den „Big Four“ der Beratungen ist nur ein Mitarbeiter gewechselt.
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BerlinDer Arbeitsberg ist weiterhin groß. Rund 490.000 Asylanträge warten beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) derzeit auf Bearbeitung, über mehr als 530.000 Anträge ist Stand November in diesem Jahr bereits entschieden worden – allerdings nicht mithilfe von zahlreichen Mitarbeitern der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, wie es ursprünglich geplant war. Die im Frühjahr groß angekündigte Unterstützung des Bamf durch Deloitte, EY, KPMG und PWC ist gefloppt. Offenbar wechselte von den sogenannten „Big Four“ lediglich ein einziger Mitarbeiter in die Behörde. Insgesamt.

Dabei war die Idee auf große Zustimmung gestoßen. „Es ist für uns ganz selbstverständlich, dass wir das Bamf in diesem Prozess unterstützen“, sagte ein Bereichsvorstand von KPMG im April dem Handelsblatt. Auch die anderen Firmen waren dazu gern bereit mit Blick auf ihre „Corporate Responsibility“, wie die unternehmerische Verantwortung im Managersprech genannt wird.

Weil in den eigenen Reihen und auf dem Arbeitsmarkt offensichtlich nicht ausreichend Kräfte zu finden waren, kam Behördenchef Frank-Jürgen Weise auf die Idee, die Unternehmen um Hilfe zu bitten. Wer Zahlen und Bilanzen prüfen kann, der kann auch Menschen prüfen. Gesucht wurden Mitarbeiter, die das Prozessmanagement beherrschen, über Verwaltungskenntnisse verfügen und interkulturelle Erfahrung mitbringen. Für bis zu sechs Monate sollten die Wirtschaftsprüfer angestellt werden, in der Entgeltgruppe 12, was einem Jahresgehalt zwischen 56.000 bis 67.000 Euro entspricht, keine schlechte Bezahlung für einen Leiharbeiter.

Im Mai sollte es losgehen, doch heute, knapp sechs Monate später, ist aus dem vollmundigen Angebot ein kleinlautes Schweigen geworden. Kein Vorstand und kein Sprecher der „Big Four“ will sich offiziell dazu äußern, warum die Unterstützung gescheitert ist. Deloitte teilt lediglich mit, „aktiv das freiwillige, gesellschaftliche Engagement unserer Mitarbeiter“ zu fördern, „das Bamf tatkräftig zu unterstützen, indem wir die Details an unsere Mitarbeiter kommunizieren und sie motivieren, sich für diese Initiative zu engagieren.“

Wie viele sich dann aber tatsächlich motivieren ließen, sagt die Sprecherin nicht. Zwei andere Unternehmen lassen wissen, dass gar kein Mitarbeiter ins Bamf gegangen ist, vom vierten heißt es, dass ein Mitarbeiter temporär in die Behörde gewechselt sei – offenbar der Einzige der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

Zwar schweigt auch das Bamf zur konkreten Zahl. „Aus datenschutzrechtlichen Gründen“ könne nicht genannt werden, wie viele Mitarbeiter von den „Big Four“ ausgeliehen worden seien. Insgesamt aber hätten sich 80 Mitarbeiter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften beworben.

„Davon sind letztlich rund ein Viertel eingestellt worden“, teilt eine Bamf-Sprecherin mit. Die aber kommen offenbar fast alle ausschließlich von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, die nicht zu den „Big Four“ gehört. „Insgesamt 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind temporär für das Bamf tätig, die erste Kollegin seit Ende Juni 2016“, erklärt ein Sprecher von BDO. Bleibt noch der eine genannte Mitarbeiter des einen „Big Four“-Unternehmens übrig.

Warum aber hat sich die groß angekündigte Unterstützung zum Flop entwickelt?

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Auch Mitarbeiter von Ex-Staatskonzernen zeigen Interesse

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  • Die Wirtschaftsprüfer müssten ja auch aller erstes feststellen, dass es sich hier um keine Flüchtlingsbehörde sondern um eine illegalen Einwanderungsbehörde und somit um ein illegales Einschleusser Geschäftsmodell handelt. An dem die verschiedensten Caritativen Verbände verdienen. Auf Kosten der Deutschen Gesellschaft!

  • Bei 56-67k€ brutto hat man wohl auch eher die Praktikante der Big4 angesprochen... wen wundert es...

  • Naja... das ist jetzt nicht wirklich ein attraktives Gehalt für einen Wirtschaftsprüfer. Wobei, warum ausgerechnet diese Personen dafür qualifiziert sein sollen?

    Eine Frage: wären diese Personen eigentlich für ihre Entscheidungen haftbar?

    Gerade durch den politischen Einfluss wäre dass dann ja ein Wahnsinnsjob, man wäre mit einem Bein automatisch im Gefängnis. Wenn man das Thema angeht wie unsere Kanzlerin zeigt man ein freundliches Gesicht, aber bei genauer Betrachtung, müßte man die Leute sofort abschieben. Hauptgrund Nr. 1 Einreise durch ein sicheres Drittland. Dann haben Flüchtlinge und Brügerkriegsflüchtlinge keinen Anspruch auf Asyl nach dem Asylrecht (und komischerweise auch nicht nach der Flüchtlingskonvention). Bleibt der subsidiäre Schutz (aber wegen dem Drittland wäre der gar nicht anzuwenden).

    Daneben gibt es dann immer noch andere Dienstvorschriften, die z.B. für Syrer erlassen wurden, über die in der Öffentlichkeit aber nie berichtet wird und die ganz offensichtlich konträr zum geltenden Recht sind...

    Wer will sich schon schlecht(er) bezahlt auf so dünnen Eis begeben?

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