Derivate-Plattform
Deutsche Börse erwägt Verkauf der US-Tochter ISE

Große Hoffnungen setzte die Deutsche Börse in den Kauf der ISE. Nun wollen die Frankfurter die US-Derivateplattform angeblich loswerden. Laut eines Insiders befindet sich der Verkaufsprozess aber noch am Anfang.
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FrankfurtDie Deutsche Börse erwägt Finanzkreisen zufolge einen milliardenschweren Verkauf ihrer US-Tochter International Securities Exchange (ISE). Sieben Jahre nach der Übernahme der amerikanischen Derivateplattform habe das Geschäft für Deutschlands größten Börsenbetreiber deutlich an Attraktivität verloren, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur Reuters.
Seit der Finanzkrise fahren viele Banken ihre Risiken zurück und handeln weniger. Hinzu kommt, dass der Wettbewerb am US-Derivatemarkt wesentlich härter ist, weil es dort mehr Anbieter gibt als in Europa. „Diese Nische ist nicht mehr so attraktiv, wie sie einmal aussah“, sagte der Insider.

Die Deutsche Börse hatte die ISE 2007 für 2,8 Milliarden Dollar gekauft, musste den Buchwert der Tochter im Zuge der Finanzkrise jedoch zwei Mal abschreiben. Nun erwartet das Frankfurter Unternehmen durch einen möglichen Verkauf Finanzkreisen zufolge nur noch Einnahmen von 1,0 bis 1,5 Milliarden Dollar.

Konkrete Vorhaben oder Übernahmeziele, für die das Unternehmen das Geld brauche, gebe es nicht. Börsen-Chef Reto Francioni hat nach der geplatzten Fusion mit der New York Stock Exchange 2012 das Ziel ausgegeben, künftig vor allem aus eigener Kraft und durch Kooperationen zu wachsen.

Der ISE-Verkaufsprozess befinde sich noch in einem frühen Stadium, sagte der Insider. Eine schnelle Veräußerung sei derzeit eher unwahrscheinlich, da die Bewertungen von Börsenbetreibern aktuell nicht sonderlich attraktiv seien.
Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge beschäftigt sich die Deutsche Börse schon mehrere Monate mit einem Verkauf der ISE, habe bisher jedoch noch keinen potenziellen Käufer kontaktiert. Die Deutsche Börse wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Als die Deutsche Börse die ISE 2007 schluckte, hatte sie große Pläne in den USA und wollte dort kräftig wachsen. Die Hoffnungen haben sich jedoch nie erfüllt – nicht nur wegen der Finanzkrise, sondern auch, weil die ISE keine Erlaubnis bekam, Optionen auf wichtige US-Indizes aufzulegen. In der Folge blieb die Bedeutung der US-Derivatebörse für den Gesamtkonzern Deutsche Börse relativ gering.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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