Deutsche Autoren rebellieren: Aufstand gegen das Amazon-Diktat

Deutsche Autoren rebellieren
Aufstand gegen das Amazon-Diktat

Wie in den USA prangern nun auch deutsche Autoren die Verkaufsmethoden von Amazon an, unter ihnen prominente Schriftsteller wie Ingrid Noll und Elfriede Jelinek. Der Vorwurf: Es würden Bücher als Geiseln genommen.

Düsseldorf/Wien.Die deutschen Schriftsteller greifen die Geschäftsmethoden von Amazon scharf an. In einem Protestbrief an Amazon-Chef Jeff Bezos, der dem Handelsblatt (Donnerstagsausgabe) vorliegt, heißt es: „Amazon manipuliert Empfehlungslisten. Amazon nimmt Autoren und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen.“

Zu den bereits über 100 Erstunterzeichnern gehören Schriftsteller wie Ingrid Noll („Die Apothekerin“), Nele Neuhaus („Sommer der Wahrheit“), Eva Rossmann („Männerfallen“) und „Tatort“-Autor Fred Breinersdorfer. Auch die österreichische Literatur-Nobelpreistrgerin Elfriede Jelinek („Gier“), und prominente Autoren wie Günter Wallraff („Ganz unten“) John von Düffel („Born in the RAF“) haben den Protest der deutschsprachigen Autoren gegen Amazon unterzeichnet, wie Beteiligte am Donnerstag berichteten.

„Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören“, sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN Zentrums Deutschland, dem Handelsblatt.

„Wir Autoren sind der Meinung, dass kein Buchhändler den Verkauf von Büchern behindern oder gar Kunden vom Kauf von Büchern abhalten darf“, sagte Tobias Kiwitt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes junger Autoren und Autorinnen, dem Handelsblatt. Der offene Brief soll zu Beginn der nächsten Woche veröffentlicht werden. „Amazon versucht, noch rigider seine Geschäftsinteressen gegen die Verlage und Autoren durchzusetzen – mit abenteuerlichen Methoden“, kritisiert Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren Österreich. Die Autoren behaupten, dass Amazon auch die Auslieferungen von Büchern einzelner Verlage verlangsame.

Mit ihrem Protest gegen den weltgrößten Internethändler sind die hiesigen Autoren nicht allein. Zuvor hatten mehr als 900 US-Schriftsteller wie Stephen King oder John Grisham das Vorgehen von Amazon im Streit um E-Book-Preise scharf verurteilt. Amazon verweist darauf, dass Literatur billiger werden müsse, da sie mit anderen Medien in Konkurrenz stehe.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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