Deutsche Börse und LSE So will sich die neue Superbörse aufstellen

Deutsche Börse und London Stock Exchange haben die Details ihrer Fusionspläne veröffentlicht. Beide Börsen wollen durch den Deal viel Geld sparen. Doch ein Risiko bleibt.
Update: 01.06.2016 - 15:31 Uhr
Sein Versprechen: „Frankfurt wird die Stadt des Dax bleiben“. Quelle: dpa
Deutscheche-Börse-Chef Carsten Kengeter wirbt für die Fusion mit der LSE

Sein Versprechen: „Frankfurt wird die Stadt des Dax bleiben“.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) nimmt Fahrt auf: Am Mittwoch präsentierten beide Börsen das Übernahmeangebot für ihre Aktionäre. Das Dokument umfasst 1100 Seiten und listet Chancen und Risiken der Börsenhochzeit auf.

Deutsche Börse und London Stock Exchange wollen gemeinsam eine europäische Superbörse bilden, die gemessen an ihrer Marktkapitalisierung in einer Liga mit den amerikanischen Konkurrenten CME und ICE spielen würde. Die Anleger beider Börsen sollen ihre Aktien gegen die einer neuen Holding tauschen, die in London angesiedelt ist. So wolle man „einen global führenden, in Europa verankerten Marktinfrastrukturanbieter schaffen“.

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 10: BM&F Bovespa
1 von 10

Die Bedeutung der brasilianischen Börse hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Land steckt tief in der Rezession. Neben den hausgemachten Problemen lastet auch die globale Konjunktureintrübung auf dem südamerikanischen Schwellenland. Die Börse in Brasilien hat sich dementsprechend katastrophal entwickelt. Auf Jahressicht hat der Bovespa über 15 Prozent verloren. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung reicht es deswegen nur für den zehnten Platz.

Marktkapitalisierung: 4,6 Milliarden Euro*

*Stand: 23. Februar 2016

Platz 9: Singapore Exchange
2 von 10

Die Singapore Exchange ist 1999 aus der Fusion der Stock Exchange of Singapore und der Singapore International Montary Exchange hervorgegangen. Insgesamt sind knapp 800 Unternehmen an der Börse in Singapur gelistet.

Marktkapitalisierung: 5,0 Milliarden Euro

Platz 8: ASX
3 von 10

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat auch Australien hart getroffen. Vor allem die Geschäfte mit dem Hauptabnehmer China verlaufen schleppend. Die jahrelang glänzend verlaufenden Geschäfte im Eisenerzhandel sind nicht mehr so gewinnbringend. Auf Jahressicht hat die ASX knapp 15 Prozent verloren. Das ging an der Marktkapitalisierung nicht spurlos vorbei.

Marktkapitalisierung: 5,3 Milliarden Euro

Platz 7: Japan Exchange Group
4 von 10

Die Börse in Tokio hat ein lange Geschichte. Gegründet wurde sie 1878. Seit 1999 gibt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandel. Neben dem Tokyo Stock Exchange existierte noch die Osaka Securities Exchange, 2011 fusionierten sie. Die Japan Exchange Group ging 2013 an den Start und ist laut Marktkapitalisierung die siebtgrößte der Welt.

Marktkapitalisierung: 7,6 Milliarden Euro

Platz 6: Nasdaq
5 von 10

Die Nasdaq startete im Februar 1971 als vollelektronische Handelsplattform. Ihre ganz große Zeit hatte die Nasdaq in den 90er-Jahren. Inzwischen muss sie hart um Marktanteile kämpfen. Das Wahrzeichen der Börse im Herzen New York ist die Wand mit Bildschirmen. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung liegt die Nasdaq zwar noch vor der Japan Exchange Group, doch der Abstand zu den Spitzenplätzen ist groß.

Marktkapitalisierung: 9,5 Milliarden Euro

Platz 5: London Stock Exchange
6 von 10

Die London Stock Exchange (LSE) könnte bald mit der Deutschen Börse fusionieren. Das Interesse der Deutschen ist allerdings nicht neu. Bereits 2004 buhlten die Deutsche Börse um die LSE. Damals scheiterten die Verhandlungen, weil den Londonern das Angebot zu niedrig war. Die LSE ist mit 3000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.

Marktkapitalisierung: 12,2 Milliarden Euro

Platz 4: Deutsche Börse
7 von 10

Bei einem Zusammenschluss könnte das fusionierte Unternehmen aus Deutscher Börse und LSE zu einem der größten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen. Aktuell liegen die Deutschen schon auf Platz 4.

Marktkapitalisierung: 15,9 Milliarden Euro

Durch die Fusion wollen beide Konzerne viel Geld sparen. Die Umsatzsynergien sollen im fünften Jahr nach dem Deal bei rund 250 Millionen Euro pro Jahr liegen. Um dieses Ziel zu erreichen, fallen allerdings auch Kosten an: Von 100 Millionen Euro in den ersten zwei Jahren nach Abschluss des Deals ist die Rede. Schon im Vorfeld hatten beide Börsen angekündigt, dass durch die Hochzeit auch Umsatzsynergien in Höhe von 450 Millionen Euro anfallen sollen.

Für eine bisherige Aktie des Dax-Konzerns soll es ein Papier der neuen gemeinsamen Dachgesellschaft „HoldCo“ geben. LSE-Aktionäre haben je Aktie Anspruch auf 0,4421 Anteile der neuen Holding. Damit die Fusion im dritten Anlauf glückt, müssen bei der Deutschen Börse mindestens drei Viertel der Eigentümer die Offerte annehmen. Auch bei der LSE sind 75 Prozent Zustimmung erforderlich, allerdings müssen bei deren Aktionärstreffen nur mindestens 50 Prozent des Kapitals vertreten sein.

Der geplanten Fusion könnten nach Einschätzung der beiden Konzerne unter dem Strich 700 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Aktuell geht das Management davon aus, dass bis zu 1250 Stellen abgebaut werden müssen, um das mittelfristige Ziel von 450 Millionen Euro jährlichen Kosteneinsparungen zu erreichen. Zugleich sollen in anderen Bereichen 200 neue Arbeitsplätze geschaffen und etwa 350 Jobs an bestehende Standorte innerhalb der Konzerne verlagert werden. Der Stellenabbau soll zu gleichen Teilen von beiden Partnern getragen werden.

Doch ein Risiko bleibt, denn am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob sie die Europäische Union verlassen wollen. Beide Börsen wollen die Fusion auch dann durchziehen, wenn sich Großbritannien für ein Verlassen der Europäischen Union entscheidet. Die Aktionäre erhalten aber Zeit bis nach dem Brexit-Referendum, um dem Deal zuzustimmen.

Reaktion des Bankenverbandes
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